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Indien: Massenproteste gegen sexuelle Erniedrigung der Frauen

24.12.12 - Nach der besonders brutalen Vergewaltigung einer 23-jährigen Frau durch sechs Männer in einem Bus in Neu Delhi kommt es in vielen indischen Städten zu täglichen Massendemonstrationen Hunderttausender Inderinnen und Inder gegen die brutale Unterdrückung und sexuelle Erniedrigung der Frauen in Indien. Die Polizei geht mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Tränengas rücksichtslos gegen die Menschenmassen vor. Ein Journalist wurde erschossen. Heute wurde Neu Dehli von Tausenden Polizisten und bewaffneten Sicherheitskräften weiträumig abgeriegelt, um weitere Demonstrationen zu verhindern. 

Trotz eines vom Innenministerium verhängten Versammlungsverbotes bei mehr als fünf Personen ließen sich in vielen Riesenstädten wie Neu Dehli Tausende vor allem junger Demonstranten nicht einschüchtern. Die Gewalt gegen Frauen in Indien hat ein solch beispielloses Ausmaß, dass die Autorin Shobhaa De von einem "nationalen Notstand" spricht. Laut offiziellen Statistiken wird in Indien alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt. Die Dunkelziffer liegt weit höher, weil sich viele Frauen aus Angst, sozial geächtet zu werden, nicht zur Polizei trauen. Millionen Frauen lebten in permanenter Angst, schreibt die "Times of India".

Ein Großteil der männlichen bürgerlichen Politiker sieht Vergewaltigung als "Kavaliersdelikt". Übergriffe sind Alltag. Wenn Frauen auf offener Straße, in Bussen und Bahnen begrabscht und angepöbelt werden, wird dies von Männern als "Eve-Teasing" ("Eva ärgern") verharmlost. Die Massendemonstrationen sind auch eine klare Absage an die Diffamierung der betroffenen Frauen, sie seien "selbst schuld", weil sie sich zu aufreizend anzögen. Die Wut der Demonstranten richtet sich vor allem gegen Regierung und Polizei, denen sie Untätigkeit und Vertuschung dieser Verbrechen vorwerfen.

Die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der indischen Frau ist seit Jahrtausenden durch reaktionäre Religion und Traditionen wie dem Kastenwesen geprägt. Frauen, die zur untersten Kaste der "Unberührbaren" (Dalits) gehören, sind praktisch Freiwild. Auch in den islamisch geprägten Regionen Indiens herrscht eine reaktionäre, patriarchalische und feudal geprägte Unterdrückung der Frau vor. Auf dem Land gibt es tägliche „Mitgiftmorde“, wenn eine Familie das erforderliche Geld zur Verheiratung ihrer Tochter nicht aufbringen kann, weibliche Babys werden getötet, über 80 Prozent der abgetriebenen Föten sind weiblich, Frauen werden in der reaktionären hinduistischen Tradition als "Ursache alles Übels auf der Welt" betrachtet. 

Durch die Internationalisierung der Produktion und die Entwicklung Indiens zu einem imperialistischen Land nehmen die Frauen aber als Arbeiterin, als Ärztin, Lehrerin, Wissenschaftlerin usw. eine andere, gesellschaftliche Rolle ein. Sie organisieren sich in Gewerkschaften, Frauenverbänden und revolutionären Organisationen. Ihr gewachsenes Selbstbewusstsein ist auf dem Boden ihrer Einbeziehung in die gesellschaftliche Produktion entstanden und zu einem Bestandteil der materiellen Vorbereitung des Sozialismus geworden.

Der Weg Indiens von einem neokolonial ausgeplünderten Land zu einer imperialistischen Macht ist begleitet von einer starken Verschärfung der Klassengegensätze und einem Aufschwung von Massenkämpfen, an ihrer Spitze die Arbeiter in den Betrieben der internationalen Übermonopole. Dieses Jahr gab es mindestens zwei Generalstreiks, zahlreiche Streiks in der Autoindustrie wie bei Hyundai oder Honda, Streiks in der Textilindustrie, der Stahlarbeiter. Im Juli kam es zu aufstandsähnlichen Auseinandersetzungen im Automobilwerk von Maruti-Suzuki, acht weitere Betriebe sind in einer Solidaritätsaktion durch Streiks stillgestanden.

Tausende Menschen protestieren immer wieder gegen den Bau von Atomkraftwerken, wie in Kudankulam, Jaitapur und Kaiga. Bauern besetzen Land um den Ausbau einer Kokerei zu verhindern. Die Landbevölkerung kämpft gegen Wasserverschmutzung und ihre elende Lage. Viele dieser Kämpfe stehen auch unter Einfluss revolutionärer Organisationen, die von der Regierung als Terroristen diffamiert werden. Sie strahlen auf die sich entwickelnde Massenbewegung gegen die Unterdrückung der Frauen aus, die ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution ist.