Betrieb und Gewerkschaft

Letzte Schicht beim Bergwerk West: "Wir trauern nicht! Wir sind wütend …"

Letzte Schicht beim Bergwerk West: "Wir trauern nicht! Wir sind wütend …"
Protestaktion gegen die Zechenschließung heute

21.12.12 - Heute war die letzte Schicht beim Bergwerk West (Friedrich-Heinrich) in Kamp-Lintfort. Über 2.500 Bergleute verlieren dort ihren Arbeitsplatz, gehen zu Hunderten in die "Anpassung" oder werden unter unwürdigen Bedingungen auf die vorläufig verbleibenden drei Steinkohlezechen der DSK in Bottrop, Marl und Ibbenbüren verlegt. Wie die Kreisleitung der MLPD Duisburg-Niederrhein in ihrer Erklärung zur heutigen Zechenschließung schreibt, verliert die Region Niederrhein damit ihren letzten großen Industriebetrieb. Doch sie ruft den betroffenen Kumpeln, ihren Familien und Freunden zu: "Wir trauern nicht! Wir sind wütend über die Profitgier, das hektische Krisenmanagement, wie gewirtschaftet und Politik gemacht wird."

Nachdem bereits am Mittwoch ein Protesteinsatz vor der Zeche stattgefunden hatte, wandten sich anlässlich der heutigen Saalveranstaltung mit Prominenten die Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF", das überparteiliche Kommunalwahlbündnis "NV AUF geht's", MLPD und REBELL gemeinsam an die Öffentlichkeit. Es ging vor allem darum, zu dem über die bürgerlichen Medien verbreiteten Abgesang auf den Kohlebergbau die klare Gegenposition sichtbar zu machen: "Wir akzeptieren die Zechenstilllegung nicht!"

In den Diskussionen mit Kollegen beim Protesteinsatz am Mittwoch, bei dem auch die Bergarbeiterzeitung "Vortrieb" verteilt wurde, zeigte sich eine ziemlich aufgewühlte Stimmung. Ein Kollege, der letzte Woche für die Solidarität mit den Opelanern unterschrieben hatte, fragte gleich: "Wo muss ich unterschreiben?" Viele weitere unterschrieben ebenfalls für den Kampf gegen die Werksschließung in Bochum. In etlichen Diskussion wurde Einheit darüber hergestellt, dass auch die Stilllegung des Kohlebergbaus nicht hingenommen werden darf.

Der Kreisverband Duisburg-Niederrhein erklärt dazu: "Geschichte wird immer von den Massen geschrieben und so müssen wir unsere Zukunft in die eigene Hand nehmen. Heute schon, hier, oder auf einer anderen Zeche, in einem anderen Betrieb, im Ruhestand oder auch als Arbeitsloser. Im echten Sozialismus, einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, ohne Profitgier und Krisen, dort werden die Menschen gebraucht und die Kohle sinnvoll eingesetzt. Warum sollen wir uns den Zechen-Stilllegungs-Plänen beugen, anstatt den wertvollen Rohstoff Kohle zu schützen. Wer sagt, dass der Kohlebergbau keine Zukunft hat? Zum Teufel mit der Mär, die deutsche Kohle sei zu teuer! Wir brauchen den Erhalt der Bergbauarbeitsplätze - auf Kosten der Profite." (hier der vollständige Text)

Wer den Blick auf die aktuellen Kämpfe der Bergarbeiter weltweit richtet - vor allem in Spanien und Südafrika - kann sehen, dass Bergarbeiter sich machtvoll an die Spitze der Massenproteste gegen das alleinherrschende internationale Finanzkapital stellen. In diesem Sinne unterstützt die MLPD auch die im März 2013 in Peru stattfindende 1. Internationale Bergarbeiterkonferenz. Das ist ein anderer Weg als die heute in den offiziellen Reden der bürgerlichen Politiker vergossenen Krokodilstränen, die auch darüber hinweg täuschen, wie von ihnen jahrelang in Zusammenarbeit mit der rechten IGBCE-Führung der Kampf gegen die Zechenschließungen untergraben wurde.

Passend zur Schließung des Bergwerks West, weist der Paritätische Gesamtverband in seinem neuen Bericht zur regionalen Armutsverteilung in Deutschland nach, dass die "Armutsgefährdung" in den letzten Jahren im Ruhrgebiet und in Berlin am stärksten zugenommen hat. In Essen stieg die Armutsquote seit 2006 um 50 Prozent, in Duisburg um 45 Prozent. Das ist allerdings nicht nur eine Folge der wachsenden Massenarbeitslosigkeit, sondern auch der Regierungspolitik der Hartz-Gesetze und der massiven Förderung von Leiharbeit und Niedriglöhnen.

So werden aktuell Bergleute, die nicht "anpassungsberechtigt" sind, von den Arbeitsagenturen gezwungen, zu Leiharbeiterlöhnen auf den verbliebenen Zechen anzufangen. Das unterstreicht umso mehr, wie wichtig es ist, der zunehmenden Arbeitsplatzvernichtung sowie Werksschließungen wie im Bergbau oder jetzt bei Opel in Bochum entschlossen den Kampf anzusagen.