Umwelt

Schäden durch Naturkatastrophen nehmen zu

06.01.13 - Aus der jährlich vorgelegten Schadensbilanz des Rückversicherungskonzerns Munich Re für das Jahr 2012 geht hervor, dass die Anzahl und das Ausmaß der durch den Umschlag in die globale Klimakatastrophe verursachten Naturkatastrophen in der Tendenz weiter zunimmt. Die Versicherungsstatistiker interessieren sich allerdings in erster Linie für die ökonomische Schadensbilanz und melden diesbezüglich einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (von rund 400 auf 160 Milliarden Dollar). 2011 hatte vor allem die Atomkatastrophe in Japan und das Erdbeben in Neuseeland hohe volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Die Anzahl der Naturkatastrophen lag 2012 mit rund 900 sogar über dem Vorjahr mit etwa 820.

Zwar schwankt auch die Zahl der Naturkatastrophen (zu denen sowohl großflächige ganze Kontinente erfassende wie auch eher lokal begrenzte gezählt werden) von Jahr zu Jahr, im längerfristigen Vergleich ist aber eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Lag diese in den 1980er Jahren im Mittel bei etwa 500 im Jahr, stieg diese Zahl auf rund 700 in den 1990er Jahren und auf über 800 im letzten Jahrzehnt - jedoch mit heftigeren Ausschlägen nach unten und oben in den einzelnen Jahren. Das katastrophenreichste Jahr mit über 1.000 erfassten Naturkatastrophen war laut der Statistik von Munich Re das Jahr 2007.

Während die seit 1980 weitgehend gleichbleibende Zahl der geophysikalen Ereignisse (Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbruch) einen relativ geringen Teil ausmacht, steigt vor allem die Zahl der maßgeblich durch den Umschlag in die globale Klimakatastrophe verursachten Naturkatastrophen (Stürme, Überschwemmungen, Erdrutsche, Wetterextreme, Dürren, Waldbrände). Auch die von Munich Re registrierten Gesamtschäden nehmen in der Tendenz zu, allerdings mit großen Schwankungen. Das ist nicht nur auf die unterschiedliche Art der Naturkatastrophen zurück zu führen als vielmehr darauf, ob sie sich in den imperialistischen Zentren oder in den neokolonial abhängigen Ländern ereigneten.

Dortist nach imperialistischen Maßstäben die "Konzentration von Werten" und insbesondere "Versicherungswerten" weitaus geringer als in den hochentwickelten Industrieländern. Entsprechend interessiert sich Munich Re auch eher unter "ferner liefen" für die Verletzten und Todesopfer der Naturkatastrophen. Dass die Naturkatastrophen im letzten Jahr "nur" 9.500 Menschenleben forderten und damit weniger als ein Zehntel des Schnittes der letzten zehn Jahre, lag vor allem daran, dass die abhängigen Länder von Naturkatastrophen ausnahmsweise weniger betroffen waren als in den Vorjahren. Dort sind die "humanitären Folgen" wegen schlechterer Infrastruktur und Schutzvorrichtungen erheblich größer.

Der Berichts beschränkt sich zudem darauf, nur die unmittelbaren Naturkatastrophen aufzulisten. Die Summe der umweltschädigenden Faktoren (z.B. die Abholzung des Regenwalds), ihre Wechselwirkung und ihre langfristigen Folgen blendet er genauso aus wie die gesellschaftlichen Ursachen der sich dramatisch vertiefenden Umweltkrise. Der Methode des Berichts entsprechen die Schlussfolgerungen, die das Management des Versicherungskonzerns in Einklang mit der gescheiterten imperialistischen Umweltpolitik zieht. Da verstärkte Extremwetter für die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte bereits programmiert seien, wären eben "stärkere Anstrengungen zur Schadensprävention nötig", so Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Der Hochwasserschutz müsse vor allem in Ballungszentren wie New York ausgebaut werden und Überlandleitungen z.B. unter die Erde gelegt werden, um Stromausfälle durch Hurrikans zu minimieren.

Durch solche Maßnahmen soll versucht werden, trotz des sich beschleunigenden Übergangs zur globalen Umweltkatastrophe die maximalprofitbringende Produktion und Verteilung der internationalen Monopole aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wird z.B. das "Absaufen" ganzer Länder wie Bangladesch oder von Inselstaaten im Indischen und Pazifischen Ozean aufgrund des steigenden Meeresspiegels eiskalt einkalkuliert. Was hier als "präventiv" verkauft wird, ist in Wirklichkeit die Inkaufnahme der unwiederbringlichen Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit.

Für die übergroße Mehrheit der Menschheit ist das keine Lösung. Dazu muss weltweit ein sozialistisches Gesellschaftssystem erkämpft werden, in dem "nicht länger Mehrwert und Akkumulation des Kapitals im Mittelpunkt stehen, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschheit in Einheit mit der Natur" ("Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution", S. 207).