Umwelt

Deutsche Bank rechtfertigt Spekulation mit dem Welthunger - 25.000 protestieren in Berlin gegen Agrarpolitik der Monopole

20.01.13 - Unter dem Motto "Wir haben es satt!" gingen am gestrigen Samstag mehr als 25.000 Menschen gegen die menschen- und umweltfeindliche Agrarpolitik von Monopolen und Regierung auf die Straße. Wie schon in den letzten Jahren hatte hierzu ein breites Bündnis aus Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und fortschrittlichen Bauernorganisationen aufgerufen. Auch viele Aussteller der "Grünen Woche", der weltgrößten Landwirtschaftsmesse, beteiligten sich.

Insbesondere ins Visier nahmen die Demonstranten Massentierhaltung und die lächerlich niedrigen und zum Teil weiter sinkenden Erzeugerpreise, insbesondere der Kleinbauern in ärmeren Ländern. Der Protest richtete sich auch gegen die Pläne der EU-Kommission, über das sogenannte "Greening" eine weitere Umverteilung von Finanzmitteln zu Lasten der bäuerlichen Landwirtschaft  vorzunehmen. Demnach müssen Bauern einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Flächen brach liegen lassen, was bei einem kleineren Gehöft schnell in den Ruin führt.

Eine kritische Auseinandersetzung ist notwendig mit der Forderung nach Abkehr von der Agrarindustrie. Nicht die industrielle Großproduktion von Lebensmitteln an sich ist das Problem, sondern dass sie unter dem Diktat des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals zur bloßen Profitmacherei verkommt. 

Für breite Empörung sorgen die Äußerungen des Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, auf der "Grünen Woche". Man habe nach "ausführlicher Prüfung" keinen Nachweis gefunden, dass es einen Zusammenhang gebe von Spekulation mit Agrarfinanzprodukten und Hungerkrisen. Deutsche Banken und Finanzkonzerne halten mit 14 Milliarden Euro ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von insgesamt 68,8 Milliarden Euro. Den Spitzenplatz nimmt der Versicherungskonzern Allianz ein. An den Warenterminbörsen wird mit Grundnahrungsmitteln gehandelt und der Preis festgelegt.

Das Volumen dieses Handels geht weit über die Produktion hinaus. Diese Spekulation führt zu immer höheren Lebensmittelpreisen, die mit dem Bedarf oder der tatsächlich vorhandenen Menge des jeweiligen Nahrungsmittels nichts zu tun haben. So sind heute die Nahrungsmittelpreise so hoch wie nie. Die Menschen in den neokolonial abhängigen Ländern müssen bis zu 90 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.

Die Welthungerhilfe fordert "verbindliche Reglen für den Handel mit agrarrohstoffbasierten Finanzprodukten". Dieser und ähnliche Vorschläge laufen auf die illusionäre Vorstellung hinaus, das kapitalistische System "zähmen" zu wollen. Tatsächlich ist die Spekulation kein Auswuchs, sondern längst integraler Bestandteil des Kapitalismus.

Ein System, in dem grundlegende Lebensbedürfnisse der Weltbevölkerung auf dem Altar der unersättlichen Profitgier von 500 Übermonopolen geopfert werden, gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten sind so weit fortgeschritten, dass die Einheit von Mensch und Natur Leitlinie der Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens werden kann – in den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt.