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Beeindruckende Trauer- und Protestdemonstration für kurdische Freiheitskämpferinnen in Paris

Beeindruckende Trauer- und Protestdemonstration für kurdische Freiheitskämpferinnen in Paris
Die Veranstalter schätzen die Zahl der Teilnehmer an der heutigen Demonstration auf 50.000 bis 100.000 (foto: firatnews)

12.01.13 - Zehntausende haben sich heute vor dem Gare de l'est zur großen Demonstration anlässlich der Ermordung der kurdischen Freiheitskämpferinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylemez (siehe "rf-news"-Bericht) versammelt. Zu Beginn der Demonstration erhielten wir den folgenden Telefonbericht:

"Die Teilnehmer kommen aus ganz Frankreich, aber auch aus vielen Ländern Europas. Vor allem aus Deutschland sind viele mit Bussen angereist. In vielen Städten standen nicht genügend Busse zur Verfügung, so dass gar nicht alle mitfahren konnten. Alle kurdischen Organisationen haben europaweit dafür mobilisiert. Vor Ort sind aber auch andere fortschrittliche und revolutionäre Organisationen wie die türkischen ICOR-Parteien MLKP und TIKB mit ihren Fahnen und großen Delegationen. Sie begrüßen wie auch die kurdischen Organisationen, dass die MLPD Vertreter geschickt hat, sofort ihre Anteilnahme erklärte sowie den Protest und die Solidarität organisiert hat (siehe "rf-news" vom 10.1.13).

Viele Teilnehmer sind tief betroffen und empört, manche weinen. An der Stelle, an der die drei Frauen erschossen wurden, werden zahlreiche Blumen nieder gelegt. Gefordert wird die vollständige Aufklärung der gezielten Morde und die Bestrafung der Verantwortlichen. In der Kritik steht aber auch die Vorgehensweise der französischen Behörden, die sämtliche Informationen über den Tathergang zurück halten. Unter anderem auch, was von den Überwachungskameras aufgenommen wurde, die sich an dieser Stelle befinden.

Der Anschlag zielte auf drei Frauen, die an vorderster Stelle für die Befreiung des kurdischen Volks kämpften, aber auch für die Befreiung der Frau insgesamt. Viele gehen davon aus, dass geheimdienstähnliche Strukturen dahinter stecken. Oft wird von Zusammenhängen zu den 'Gladio'-Geheimarmeen der Nato gesprochen, deren Ableger nachweislich auch in der Türkei aktiv sind. Dafür spricht die 'professionelle' Ausführung des Anschlags. Dafür spricht aber auch der Umstand, dass er angeblich niemand auffiel, obwohl die Gegend in der Nähe von zwei Bahnhöfen außerordentlich belebt ist und das Haus, in dem die Morde geschahen, ständig von staatlichen Organen überwacht wurde.

Die Delegation der MLPD hat ihre Anteilnahme erklärt und sich ebenfalls mit Nachdruck für die vollständige Aufklärung und Bestrafung der Verantwortlichen ausgesprochen. Sie hat die Solidarität mit dem berechtigten Kampf des kurdischen Volks für nationale und soziale Befreiung als Teil des weltweiten Befreiungskampfs bekräftigt. Sie protestierte auch gegen die Verunglimpfung und Verfolgung der PKK als 'terroristische Vereinigung'. Kritische Diskussionen gibt es zum Teil darüber, dass die Trauer über die Morde und der Protest gegen diesen feigen Anschlag in eine Unterstützung des sogenannten 'Friedensprozesses' umgelenkt werden soll. Laut Pressemeldungen verlangt die türkische Regierung für die Freilassung verhafteter PKK-Kämpfer und -funktionäre die Einstellung des bewaffneten Widerstands und Kampfs.

Umso wichtiger, dass von den meisten Teilnehmern, mit denen wir sprachen, nicht nur betont wurde, dass die Verantwortlichen für die Morde zur Rechenschaft gezogen werden müssen, sondern auch, dass der kurdische Befreiungskampf noch lange nicht zu Ende ist."

(Auszüge und Videobericht von der Rede des Vorsitzenden der MLPD, Stefan Engel, auf dem kurdischen Yekkom-Festival im September 2010 in Köln)