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Über 85 linke Regierungsgegner in der Türkei verhaftet

25.01.13 - Bei Razzien in Istanbul, Izmir, Ankara und vier weiteren Städten wurden bereits am 18. Januar mindestens 85 Personen festgenommen. Schwerbewaffnete Antiterroreinheiten stürmten Anwaltskanzleien, ein Kulturzentrum, die Redaktion der linken Wochenzeitung "Yürürüs" ("Marsch"), den Gefangenenhilfsverein "Tayad" sowie Privatwohnungen von Anwälten.

Als am nächsten Tag Demonstranten vor dem Istanbuler Polizeipräsidium gegen die Razzien protestierten, wurden zahlreiche weitere Menschen festgenommen. 41 Festgenommene wurden am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt. Mehrere vor dem Gericht protestierende Anwälte wurden durch Gasgranaten und Knüppelschläge der Polizei verletzt.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die am 18. Januar Festgenommenen der Unterstützung der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C). Die Razzien richteten sich vor allem gegen Musiker, Rechtsanwälte und Studenten. So wurden mehrere Mitglieder der Musikgruppe "Grup Yorum" festgenommen. Das Aufnahmestudio wurde verwüstet, Musikinstrumente wurden zerstört und Studioaufnahmen beschlagnahmt.

Die festgenommenen Anwälte hatten die Verteidigung von ebenfalls unter "Terrorismus"-Anklage stehenden Anwälten des inhaftierten Vorsitzenden der kurdischen PKK, Abdullah Öcalan, übernommen. Die im Parlament vertretene prokurdische BDP verurteilte die Verhaftungen: "Die Operation zielt darauf, Tausenden Menschen eine juristische Verteidigung zu nehmen."