Politik

Ehrenamtliche Tätigkeit den Thüringer Behörden ein Dorn im Auge

Sonneberg (Korrespondenz), 01.02.13: Mitte Dezember wurden gegen den ehrenamtlichen Geschäftsführer Johannes Rupprecht der Ferienanlage "Im Waldgrund" Truckenthal im Thüringer Wald ein Ermittlungsverfahren durch das Hauptzollamt Erfurt eingeleitet. Der Vorwurf: Schwarzarbeit. Im Visier steht die ehrenamtliche Tätigkeit in der Ferienanlage, die selbstverständlich nicht sozialversicherungspflichtig ist.

Wer bisher dachte, das Ehrenamt sei selbst von der Bundesregierung gefordert, wird im Fall der Ferienanlage nun eines anderen belehrt. Aus unhaltbaren Gründen soll exemplarisch die seit nunmehr zehn Jahren dort ehrenamtlich geleistete Arbeit als unzulässig erklärt bzw. als Steuerhinterziehung verfolgt werden.

Die Ferienanlage wurde in den 1950er Jahren mit selbstloser Beteiligung der Bevölkerung unter anderem für Sommercamps der DDR-Jugendorganisation "Pioniere" aufgebaut. Nach der Wende wurde sie nicht mehr renoviert und schließlich dem Verfall überlassen.

Vor gut zehn Jahren erwarb der Vermögensverwaltungsverein der MLPD das Gelände und nach Übernahme durch ein Investorengruppe zog wieder Leben in den Waldgrund ein. Tausende Hände halfen mit, das aus der maroden Anlage wieder ein Schmuckstück im Thüringer Wald wurde. Die steigenden Übernachtungen - im Jahr 2012 waren es fast 12.000 - zeigen die wachsende Beliebtheit und Nutzung.

So findet seit zehn Jahren das Sommercamp des Jugendverbands RRBELL und der Kinderorganisation ROTFÜCHSE statt, bei denen Einsätze zum Ausbau und Erhalt der Anlage fester Bestandteil sein. Es gibt Kurse der revolutionären Arbeiterbildung, bei denen an einem Nachmittag ein Baueinsatz durchgeführt wird.

Vereine aus der Region und ganze Schulklassen haben mit angepackt, ob beim Rasenmähen, Hüttenausbau oder Laubrechen.  Doch den Behörden ist das offensichtlich in Dorn im Auge. Bisher erhielt die Ferienanlage trotz Anträgen übrigens keinen Cent staatlicher Gelder.

Ohne ehrenamtliche Arbeit würde es vieles in unserer Gesellschaft nicht geben, wie die Freiwillige Feuerwehr, Sportvereine, Orchester und Chöre ... Der selbstlose Einsatz war schon immer elementarer Bestandteil aller fortschrittlichen Bewegungen. Ohne ihn würde es weder Gewerkschaften, noch Umweltverbände, noch fortschrittliche und revolutionäre Parteien geben.

Damit werden sie nicht durchkommen. Jetzt erst recht: Ob Anwohner aus der Region, Vereine oder Feriengast, jeder kann zum Ausbau beitragen.