Opel Berichte

Erpresserisches Ultimatum von GM-Chef Girsky – IGM-Vorstand unterwirft sich – Opelaner sauer

31.01.13 - Eine Provokation war der Brief des Deutschlandchefs von Opel, Steve Girsky, am 21. Januar an die Opel Belegschaften in Deutschland. Sie sollen auf 30 Prozent Lohn verzichten, sonst schließt GM das Werk Bochum bereits 2014. Das ist Teil des weltweiten "Restrukturierungsplans" von GM, PSA und Opel. Mit ihren Streiks und Protesten am 22./23. Januar gaben die Opel/GM-Belegschaften weltweit eine erste Antwort. Seit 16. Januar streiken die Autowerker von PSA gegen die geplante Werksschließung in Aulnay bei Paris. Vorgestern streikten 600 Kollegen der Spätschicht des Ford-Werkes in Genk selbständig gegen den erhöhten Arbeitsdruck, der ihnen abgepresst wurde. 

GM- und Opel-Spitze sind bei den Arbeitern und in der Bevölkerung unten durch. Die Kampfbereitschaft und zuweilen auch die Verbitterung wächst. Ausgerechnet da fällt ihnen der IG-Metall-Vorstand und die Tarifkommission bei Opel in den Rücken. Am 29. Januar wurde eine "Resolution" von ihnen bundesweit veröffentlicht. Sie trägt die Handschrift des IGM-Vorsitzenden Berthold Huber. Die Resolution ist ein beispielloser Kniefall vor GM und eine grobe Entsolidarisierung gegenüber den Opelanern.

Im Klartext bedeutet sie:

- Die Opel-Arbeiter sollen sich dem Sachzwang der wegen des Rückgangs des Autoabsatzes in Europa verursachten Verluste beugen. Der "Sachzwang" ist ein Horrorszenario von GM. Der Konzern steht unter anderem auch deshalb heute wieder an der Weltspitze mit einer Umsatz-Steigerung um 50 Prozent gegenüber 2009, weil er Profite aus der Opel-Produktion in die Konzernzentrale verschoben hat.  

- Schon zu Beginn der Verhandlungen lässt sich die Tarifkommission auf eine Schließung des Autoproduktionsstandortes Bochum ein. Stattdessen orientiert sie auf angekündigte "Ersatzarbeitsplätze" in Bochum und eine völlig vage "Bochum Perspektive 2022", die von der Schließung der Autoproduktion in Bochum ausgeht.

- Aus der Resolution wird ersichtlich, dass mit dem Bauernopfer Bochum keineswegs andere Standorte gerettet wären.

- Der Tarifbruch als Angriff auf den Tarifvertrag mit der Einbehaltung der letzten Tariflohnerhöhung von 4,3 Prozent wird in der Resolution akzeptiert. Berthold Huber nannte bekanntlich 2008/2009 die Aufweichung der Flächentarifverträge als Bestandteil eines gemeinsamen Krisenprogramms.

Demgegenüber hat die Opel-Belegschaft unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie nicht zum Verzicht bereit ist. In diesem Sinne hat auch der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel in der Tarifkommission gegen diese Resolution gestimmt. Er hat laut der "Westdeutschen Zeitung" von heute dies als "einmaliges Vorgehen" des IG-Metall-Vorstandes angeprangert. Dafür wird Einenkel von Betriebsratsvorsitzenden anderer Standorte und aus der IGM-Spitze attackiert. Das kann nicht akzeptiert werden, wenn Einenkel dafür Prügel bezieht, wenn er mal vertritt, was Position der Belegschaft ist.

Mit der Resolution der IG Metall gibt sie ein Signal für alle Metall-Konzerne, wie sie einen verschärften Krisenkurs mit Unterstützung des IGM-Vorstandes fahren können. Sie provoziert damit eine Massendiskussionen über Gewerkschaftsaustritte unter Kollegen im Betrieb. Die kämpferischen Kollegen haben alle Hände zu tun, die Kollegen davon abzuhalten und sie für die Gewerkschaft als Kampforganisation zu überzeugen. Zur Perspektive gehört auch eine offene Auseinandersetzung über eine sozialistische Alternative, die sich nicht von angeblichen "Sachzwängen" dieser Profitwirtschaft bevormunden lässt.

Kampf um jeden Arbeitsplatz in der Autoproduktion in Bochum und an allen anderen Opel-Standorten!

30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung!

Volle Auszahlung der 4,3 Prozent Lohnerhöhung, die den Beschäftigten aufgrund des gültigen Tarifvertragsabschlusses zustehen!

Keine Maßregelung und Diffamierung kämpferischer Kolleginnen und Kollegen!

Mit Erpressern verhandelt man nicht!


Extra-Ausgabe der gemeinsamen Zeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, "Der Blitz", vom 28. Januar