Wirtschaft

Vernichtungsschlacht in der Bauindustrie - ACS/Hochtief will ganze Konzernsparten zerschlagen

08.02.13 - Nach der Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS im Jahr 2011 will der für Hochtief neu eingesetzte Chef Fernandez Verdes nach Informationen der "WAZ" nun zwei ganze Konzern-Sparten - den Servicebereich und die Projektentwicklung - verkaufen. Davon betroffen wären rund 200 Beschäftigte in der Projektentwicklung und rund 6.000 in der Servicesparte Hochtief Solutions AG. Zu dieser Sparte gehört auch die von Hochtief zum Verkauf vorgesehene Immobilientochter Aurelis. Verkauft werden sollen auch die Flughafensparte von Hochtief sowie die Hochtief-Töchter Leighton (Australien und Pazifik-Raum) und Turner (USA und Südamerika). Darüber hinaus will ACS bei Hochtief in Deutschland rund 700 Stellen streichen.

Bei der Amtsübernahme versicherte Verdes noch, "eine Zerschlagung oder Filetierung von Hochtief" sei kein Element der Unternehmens-Strategie. Gleichzeitig kündigte er an, die "Profitabilität des Konzerns" vor allem in Europa deutlich steigern zu wollen. Mehrfach demonstrierten damals tausende Beschäftigte gegen die mit der Konzernübernahme drohende Arbeitsplatzvernichtung. ACS hat sich nach einem langen Übernahmekampf bis heute schrittweise die absolute Mehrheit der Aktien an Hochtief mit seinen mehr als 81.500 Beschäftigten gesichert. In Deutschland sind rund 10.000 Kolleginnen und Kollegen bei Hochtief beschäftigt.

Durch die Übernahme von Hochtief und wegen seiner internationalen Expansion wickelt der ACS-Konzern inzwischen 82,6 Prozent seiner Geschäfte außerhalb Spaniens ab. Der Umsatz in Spanien ist im letzten Jahr dagegen um 22,3 Prozent gesunken. Auch dort sind massenhaft Beschäftigte von Entlassung bedroht. Durch die Filetierung von Hochtief sollen nun offenbar Schulden abgebaut und im weltweiten Vernichtungskampf auf dem Bausektor eine Konzentration auf die Sparten erfolgen, bei denen man die "Nummer 1" werden will. Ein ehemaliger Beschäftigter des im Jahr 2002 während der letzten Weltwirtschaftskrise in die Insolvenz getriebenen Baukonzerns Philipp Holzmann dazu:

"Die Entwicklung von Hochtief erinnert mich an den Zusammenbruch des Holzmann-Konzerns. Damals wollte noch Hochtief den Holzmann-Konzern aufkaufen, wogegen sich das Holzmann Management wehrte. Das wurde als Erfolg verkauft, um die Belegschaft in Sicherheit zu wiegen. Aber im Endeffekt haben die Banken entschieden, keine Kredite zu geben und dann fast genau vor elf Jahren die Holzmann-Insolvenz beschlossen und radikal betrieben. Auch der spanische Mehrheitsaktionär von Hochtief hat Probleme, bei den Banken Kredite zu bekommen, der Konzern soll mit über 9 Milliarden Euro verschuldet sein. Was liegt für die Großen im Baugeschäft näher, als Teile von Hochtief so profitabel wie möglich zu verkaufen?

Die Kollegen von Hochtief sind sicher gut beraten, sich nicht den Blick auf die Spitzenmanager und bürgerlichen Politiker einengen zu lassen. Ich denke noch an die große Schröder-Show in der Nähe der Holzmann-Zentrale in Frankfurt, als er sich als 'Holzmann-Retter' feiern ließ. Kurz danach wurde die Insolvenz betrieben. Der mit viel Initiative organisierte Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze, der Marsch nach Frankfurt bei großer Kälte ist mir gut in Erinnerung.

Nur wird man heute sicher viel internationaler herangehen und die Verbindungen der Bau-Beschäftigten über Ländergrenzen ausnützen müssen. Gegen die Abwälzung der Krisenlasten mit der Drohung, tausende Arbeitsplätze zu vernichten, müssen die Betroffenen selbst kämpfen. Ich wünsche mir, dass die Kollegen sich ein Herz dazu fassen."