Politik

Papst tritt zurück - Abgang eines Reaktionärs und Antikommunisten

12.02.13 - Papst Benedikt XVI. hat zum 28. Februar seinen Rücktritt angekündigt, offiziell aus Gesundheits- und Altersgründen. Damit tritt das erste Mal seit 700 Jahren ein Papst zurück. Ein "Stellvertreter Gottes" außer Dienst - ein Ex-Papst - war bisher undenkbar. Papst blieb man bis zum Tod. Während Kanzlerin Merkel diesem Schritt "allerhöchsten Respekt" zollt, nennt Bundespräsident Gauck den ehemaligen Kardinal Joseph Ratzinger einen "großen Theologen". Verklärt stellen die bürgerlichen Medien fest, dazu "gehöre Mut", aber auch, dass Ratzinger "den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne" nicht geschafft habe.

Doch mit Joseph Ratzinger tritt ein Mann von der kirchlich-politischen Weltbühne ab, den vor allem sein reaktionär-religiöses Weltbild und ein tief sitzender Antikommunismus prägen. Nachdem der faschistoide Bischof Richard Williamson von der Piusbruderschaft wegen Leugnung des Massenmordes an den Juden durch die Hitlerfaschisten aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden war, rehabilitierte ihn Papst Benedikt XVI im Jahr 2009.

Er provozierte Moslems, Juden und Ureinwohner Brasiliens mit seinem erzreaktionärem Gerede. Er rückte keinen Millimeter von den frauenfeindlichen Positionen der katholischen Kirche ab, torpedierte vehement des Recht auf Schwangerschaftsabbruch und bezeichnete alle Partnerschaften, die nicht Mann und Frau unter dem "heiligen Schutz der Ehe" verbinden, als "widernatürlich".

Die weltweiten Skandale um tausende Fälle sexueller Gewalt von Priestern an Kindern und Jugendlichen erschütterten die Glaubwürdigkeit der Kirchendogmen zutiefst. Noch als Chef der Glaubenskongregation hatte Ratzinger vergeblich versucht, die Enthüllungen darüber mit einem kirchlichen Sonderrecht einzudämmen. Als Papst war er hauptverantwortlich dafür, dass die Kirchenführung ihre Vertuschungsversuche auf Kosten der oft schwer geschädigten Opfer fortsetzte.

Im Zentrum von Ratzingers Feldzug gegen den unchristlichen "Relativismus" stand stets der Kampf gegen den Marxismus. Ihm wirft er vor, dass er die Armen zum "Klassenkampf antreiben will", wodurch "der christliche Sinn der Armut pervertiert" würde. Statt diese demütig zu akzeptieren, will der Marxismus sie doch tatsächlich zusammen mit ihrer Ursache in der kapitalistischen Ausbeutung gänzlich abschaffen. Das träfe natürlich auch die Macht der katholischen Kirche, die gestützt auf die Vatikanbank über einen riesigen Aktienbesitz an zahlreichen Unternehmen verfügt.

Die zentralen Punkte des katholischen Weltbildes bestimmte Ratzinger selbst seit den 1980er Jahren prägend mit, nachdem er am 25. November 1981 zum Präfekten der "Glaubenskongregation" gewählt wurde, von der die Doktrinen der katholischen Kirche erarbeitet und verteidigt werden. Bis heute geht der Vatikan mit Unterdrückung, Mobbing und Verfolgung gegen Kritiker in den eigenen Reihen vor. In den Führungsgremien der katholischen Kirche, insbesondere im Vatikan, beherrschen seit Jahrhunderten Intrigen und Machtkämpfe das Bild.

Katholiken, die sich hier von Ratzinger Reformen erhofft hatten, wurden bitter enttäuscht. Er steht damit auch für die tiefe Krise der katholischen Kirche, nachdem sich immer mehr Menschen von ihr abwenden. Alleine in Deutschland sind 820.138 Menschen von 2005 bis 2011 aus der katholischen Kirche ausgetreten - die Austritte aus der evangelischen Kirche sind allerdings in ähnlicher Höhe. Im Vatikan hat sofort nach Ratzingers Abgang das Gerangel um seinen Nachfolger begonnen. Egal, wie der auch heißen mag, an der Krise der Institution Kirche wird er nichts Wesentliches ändern können