Betrieb und Gewerkschaft

Tarifrunden gemeinsam führen – statt einzeln und bescheiden

14.02.13 - Derzeit laufen in verschiedensten Branchen Tarifrunden. In der Energiewirtschaft, bei privaten Sicherheitsfirmen, dem öffentlichem Dienst der Länder, demnächst in der Metall- und Elektroindustrie. Das könnte eine große gemeinsame Kampfkraft entfalten. Aber es gibt auch Anzeichen, dass jede Branche getrennt vorgehen soll und möglichst der niedrigste Abschluss zum Vorbild wird. Diese getrennte Vorgehen geht natürlich von den Unternehmerverbänden aus. Aber auch die Führungen von Verdi und des Beamtenbunds haben zu verstehen gegeben, dass sie eine "rasche Lösung" anstreben.

Ein deutliches Zeichen für die kommende Tarifrunde in der Metallindustrie hat jetzt die IG-Metall-Vertrauenskörperleitung bei Audi für die über 28.000 Metall-Mitglieder im Ingolstadter Werk gegeben. Sie fordert eine Erhöhung der Tarifentgelte um 5,8 Prozent, eine überproportionale Anhebung in unteren Entgeltgruppen und eine Anhebung der  Vergütung für Auszubildende um 75 Euro. Am 4. März wird dann der Vorstand der IG Metall seine Forderungsempfehlung für die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie vorlegen.

Ein gemeinsamer Kampf von IG-Metallern, vielen anderen und Verdi-Kollegen soll nach den Vorstellungen der Monopole und der Regierung dadurch vermieden werden, dass ein möglichst schneller Abschluss  für die 800.000 Angestellten und die 1,3 Millionen Beamten im Öffentlichen Dienst der Länder erfolgt. Bisher steht die Forderung nach 6,5 Prozent höherem Entgelt und 100 Euro für Auszubildende.

Ein Zusammenschluss über Branchengrenzen hinweg hätte von Anfang an politischen Charakter. Das fürchten die Regierung und die Berliner Parteien besonders. Denn dann stünde ihre Niedriglohnpolitik, die Rente mit 67, die Hartz-Reformen und vieles mehr gleich mit im Fokus.

Kämpfe zum jetzigen Zeitpunkt können sehr schnell eine gesellschaftliche Diskussion befördern, dass das kapitalistische Lohnsystem abzuschaffen ist. Und dass es notwendig ist, sich mit der MLPD als sozialistische Alternative zu den bürgerlichen Parteien auseinanderzusetzen.

Ein Grund mehr, jeden Kuhhandel abzulehnen. Für die volle Durchsetzung der beschlossenen Forderungen durch den Einsatz der ganzen gewerkschaftlichen Kampfkraft! Die Tarifrunde ist bereits in vollem Gange:

Seit heute morgen um 4 Uhr werden die Flughäfen in Düsseldorf und Hamburg von den privaten Sicherheitskräften bestreikt und weitgehend lahm gelegt. Verdi fordert für die 600 Beschäftigten am Hamburger Flughafen 14,50 Euro pro Stunde, für die ca. 1.400 Beschäftigten in Düsseldorf 16 Euro. In Nordrhein-Westfalen befinden sich 70 bis 80 Prozent der 34.000 Beschäftigten der Sicherheitsbranche in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Verdi fordert für diese Kollegen Lohnerhöhungen zwischen 2,50 und 3,64 Euro. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) bietet dagegen für die unterste Lohngruppe gerade mal 0,40 Euro mehr pro Stunde.

Gegenwärtig befinden sich die rund 30. 000 Beschäftigten von E.ON in einer Abstimmung darüber, ob sie die von IGBCE und Verdi ausgehandelten 2,8 Prozent mehr Lohn plus Einmalzahlung von 300 Euro annehmen sollen. Obwohl sie sich im Januar in einer Urabstimmung mit 91,4 Prozent für einen Streik für ihre Forderung von 6,5 Prozent mehr Lohn und die vollständige Übernahme der Auszubildenden ausgesprochen hatten.

Auch RWE will die Belegschaft mit je 1,5 Prozent für 2013 und 2014 abspeisen. RWE droht mit der Vernichtung von über 10.000 Arbeitsplätzen. Die Energiemonopole begründen ihre Angriffe auf Arbeitsplätze und Löhne damit, sie hätten "Verluste durch den Atomausstieg". Dabei machen sie weiter Gewinn.

Die "Rote Fahne" und "rf-news" werden weiter berichten ...