Umwelt

Pferdefleischskandal – wer sind die Verantwortlichen?

18.02.13 - Wie eine Lawine rollen neue Enthüllungen über kriminelle Machenschaften in der Lebensmittelindustrie heran. Nicht nur in Fertiggerichten wie Lasagne, Tortellini oder Ravioli, sondern auch in Proben von Dönerfleisch entdeckte das Institut für Produktqualität (IfP) zwischen 1 und 7 Prozent Pferdefleischanteile. Der "Spiegel" berichtet, dass von 1.596 Tonnen luxemburgischer Fertiggerichte in den letzten vier Monaten rund 10 Prozent nach Deutschland geliefert wurden.

Im Interesse der monopolisierten Lebensmittelkonzerne werden seit 2011 Versuche einer umfassenden und lückenlosen Kennzeichnungspflicht sabotiert. Führend dabei: die deutsche Regierung. Namentlich die CSU-Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner lehnte einen Herkunftsnachweis für Fertigprodukte ab. Über den Genuss von Pferdefleisch kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber mit Medikamenten vergiftetes oder Gammelfleisch gehört vernichtet! 

Die Lebensmittelverarbeitung wie die Landwirtschaft ist dem allein herrschenden internationalen Finanzkapital unterworfen. Das gleiche Kapital, das rücksichtslos die Umwelt zerstört, macht auch vor unserer Nahrung nicht halt. Es sind auch aktuell keine Ausnahmefälle, sondern große fleischverarbeitende Firmen wie die französische Comigel. Sie erhalten ihre Produkte wiederum von spezialisierten Großlieferanten wie Tavola (Luxemburg). 

Aber auch wenn die Lebensmittelvorschriften eingehalten werden, kann man viele dieser auf kapitalistischer Grundlage gefertigten Fertigprodukte nicht mit gutem Gewissen genießen. Lebensmittelzusätze für bessere Farbe, intensiveres Aroma, bessere Transport- oder Lagerfähigkeit stehen in Verdacht, Allergien etc. auszulösen. Weil es hier um Maximalprofit geht, sind die bei jedem Skandal angekündigten drastischen Maßnahmen Papiertiger. Verbraucherministerin Aigner selbst hat derartige Kontrollen verhindert, die sie jetzt medial fordert. 

In scheinheiligen Kommentaren werden häufig "die Verbraucher" zu Schuldigen erklärt, weil sie billige Lebensmittel wollen und auch brauchen. Es ist tatsächlich der kapitalistische Preis- und Konkurrenzkampf vieler Discounter-Supermarktketten, weshalb rigoros so billig wie möglich produziert werden muss. Und es ist ein Irrglaube, dass teure Lebensmittel automatisch gesünder wären. Das deutsche Tiefkühlinstitut, bei dem auch die jetzt verantwortliche Firma Comigel Mitglied ist, wirbt im Internet mit dem Slogan: "Jungbrunnen - die Frische oder warum Tiefgekühltes immer alles frischer als frisch erhält" Guten Appetit!

Wir müssen uns gegen solche Machenschaften entschieden zur Wehr setzen. Beschäftigte, die solche Skandale aufdecken, müssen geschützt werden. Eine endgültige Lösung wird erst mit einer sozialistischen Wirtschaftstätigkeit in sorgsamem und schonendem Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen möglich sein. Aber wir haben schon jetzt Verantwortung, unsere eigene Gesundheit durch eine bewusste Lebensmittelauswahl so weit möglich zu erhalten. Wo immer möglich, sollte man auf Fertiggerichte dubioser Zusammensetzung verzichten werden und möglichst naturbelassene Lebensmittel verwenden.