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Arequipa: Ein denkwürdiger Feiertag

Arequipa / Peru (Korrespondenz, Auszug), 25.02.13: Am gestrigen Sonntag war in der Millionenstadt Arequipa ein staatlicher Feiertag. Eine Bühne für den Gouverneur und Spitzenpolitiker der Provinz war aufgebaut. Soldaten defilierten unter den Klängen der Nationalhymne vorbei. Die Staatsflagge wurde gehisst.

Doch dann folgten Defilées anderer Art. Mehrere Demonstrationszüge liefen nacheinander auf dem Platz ein. Im ganezn Land herrscht zur Zeit große Empörung über den Mord an drei Kindern, die von ihren Großeltern sexuell missbraucht worden waren. In einem offiziellen von der Stadt organisierten Zug forderten ganze Familien auf Protestplakaten schärfere Gesetze gegen Verbrechen an Kindern.

Danach stellte sich eine Gruppe von über 100 Arbeiterinnen der Agrarfabrik Omniagro auf dem Platz auf. Vor 3 Tagen wurde die Firma geschlossen und die Arbeiterinnen wurden entlassen. Frauen hielten Plakate mit Forderungen hoch. Sie verlangten die Wiedereinstellung der Entlassenen, Fortzahlung der Löhne und riefen lautstark "Nein zur Schließung!“ Auch sie klagten auf mehreren Plakaten  die Verbrechen an Kindern an. Eine Arbeiterin meinte: "Kinder sind kein Spielzeug, sondern unsere Zukunft, und für die kämpfen wir!"

Im Zug, der sich diszipliniert geordnet aufstellte, waren auch rund 15 internationale Brigadisten aus Deutschland, die zur Zeit die Erste Internationale Bergarbeiterkonferenz in Arequipa vorbereiten. Während die erste Demonstration unbehelligt durchgelassen wurde, marschierte jetzt Polizei martialisch auf und versperrte ihnen den Weg. Die Sprechchöre wurden lauter. Stefan Engel - Hauptkoordinator für die Vorbereitung der Konferenz - wandte sich über das Mikro an die Teilnehmerinnen: "Wir sind Bergarbeiter aus Deutschland und erklären unsere Solidarität!“ Lautstark forderten die Demonstrantinnen und Demonstranten: "Wir wollen durch, wir sind Arbeiter und keine Kriminellen"! Wohl auch angesichts der Tatsache der internationalen Beteiligung gab die Polizei ihre Blockade auf.

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Der Zug ging weiter und  hielt auf der Gegengeraden vor der großen Kathedrale eine Kundgebung ab. Alle Reden wurden von vielen Passanten, die den großen Park bevölkerten, mitgehört. Der Gewerkschaftssekretär  hielt eine feurige Rede. Stefan Engel begrüßte die Umstehenden in spanisch und informierte die Zuhörer über die Internationale Bergarbeiterkonferenz. Der Kampf der Bergarbeiter schließt auch die Unterstützung der Kämpfe aller Unterdrückten auf der Welt ein.

Die Bergarbeiterbewegung hat zusammen mit den kämpferischen Frauen einen unübersehbaren Eindruck gemacht, und gezeigt, dass bei ihnen Wort und Tat eins sind.

 

Die Korrespondenz in voller Länge wird in der nächsten Printausgabe der "Roten Fahne" zu lesen sein, die am Donnerstag, dem 28. Februar 2013, erscheint.