Opel Berichte

Bochumer Solidaritätsfest mit Opel-Belegschaft: (Nicht nur) Das ganze Revier steht hinter euch: es ist unser gemeinsamer Kampf!

03.03.13 - Die Bochumer Innenstadt quillt bereits um 11 Uhr über von den Teilnehmern des Solidaritätsfestes zum 50jährigen Bestehen des Opel-Werkes und dem aktuellen Kampf gegen die unverschämten Angriffe auf die Arbeits- und Ausbildungsplätze. Zehntausende, an die 30.000 Menschen, sind gekommen!

Die Veranstalter gaben die Teilnehmerzahl 18.000 an. Mehrere Polizisten äußerten jedoch, dass zu Spitzenzeiten 25.000 feste Teilnehmerinnen und Teilnehmer da waren plus Fluktuation. Darauf stützt sich die Zahl 30.000.

Mit einem großen Autokorso ziehen Opel-Kollegen morgens zum Rathausplatz – Opel-Modelle aller Jahrgänge werden mit großem Stolz präsentiert. Auf der Hauptbühne am Rathausplatz findet ein feierlich-bewegter Auftakt statt: Ein Knappenchor singt das Steigerlied. Ein Schild mahnt: "Wenn die Zeche stirbt, stirbt die Stadt!" Ein Kollege: "Ich war erst auf Zeche, danach hier bei Opel. Bergleute und Opelaner gehören zusammen!" Die Bochumer Philharmoniker spielen die "Fanfare für das einfache Volk." Feuchte Augen und Gänsehautfeeling angesichts der überwältigenden Solidarität prägen diesen Tag.

Ständig umlagert ist der anziehende Stand des Frauenkomitees BASTA! von Opelanerinnen, Frauen und Töchtern von Opel-Arbeitern Am Kinder-Maltisch krakeln Svenja und Nicole: "Opel soll bleiben für immer! Mein Vater soll nicht arbeitslos werden!" "Möchten sie nicht auch BASTA!-Frau werden?“ - werden Passantinnen selbstbewusst eingeladen mitzuarbeiten.

Ganze Familien mit ihren Kindern ziehen über den Boulevard vorbei an vielfältigsten Ständen von Geschäftsleuten, Stadtteilinitiativen, Kirchenverbänden, der IGM-Jugend, von Parteien: von CDU, SPD über Linke, DKP und MLPD. In der Luft liegt die Frage – feiern wir hier ein Abschiedsfest oder ein Auftaktfest für den gemeinsamen Kampf?

Der Stand der MLPD und der Wählerinitiative Vesna Buljevic und Peter Weispfenning steht weithin sicht- und hörbar für den Weg des gemeinsamen Kampfes – der eigentliche Kampf kommt erst noch! In intensiven Diskussionen werden über 120 Unterschriften für die Wahlzulassung der MLPD gesammelt, neue Mitglieder für die Wählerinitiative gewonnen, hunderte Rote Fahnen und weitere Literatur verkauft und mit kämpferischen Liedern das Selbstbewusstsein gestärkt.

So wie die MLPD viel zur Mobilisierung beigetragen hat, ist es umgekehrt notwendig, sie entschieden zu stärken, sowohl für die Vorbereitung eines selbständigen konzernweiten Streiks zum Erhalt aller Arbeitsplätze, wie für eine Zukunft ohne Krisenchaos, Ausbeutung und Unterdrückung – für eine sozialistische Alternative.

Auf der Bühne am Rathausplatz zollen zahlreiche Künstler und Künstlerinnen der Opel-Belegschaft und dem Kampf um ihre Arbeitsplätze Respekt und zeigen Solidarität. Der Pfarrer der Liebfrauengemeinde klagt an: "Bei mir in der Gemeinde stehen Opel-Werke. Adam ist nicht eine neue Marke. Adam heißt 'Mensch'. Was hier bei dieser Betriebswirtschaft im Mittelpunkt steht, ist das Kapital, aber es muss der Mensch im Mittelpunkt stehen!" Tosender Applaus.

Als Eva Kerkemeyer, Vorsitzende der IG Metall Bochum, davon spricht, dass "bereits Verträge geschlossen wurden und sie hoffe, dass sie in die richtige Richtung gehen", regt sich allerdings keine Hand zum Beifall und es gibt einzelne Protestpfiffe.

Rainer Einenkel, BR-Vorsitzender Opel Bochum bringt dagegen klar auf den Punkt, warum die Bochumer Vertreter den sogenannten "Deutschlandplan" von GM, dem auch IG-Metall Chef Berthold Huber zugestimmt hat, ablehnt. Denn er bedeutet die Vernichtung von tausenden von Arbeitsplätzen, eine schrittweise Abwicklung des Opelwerks und nochmals ein Vielfaches an vernichteten Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie. Damit spricht er das aus, was die Belegschaft fordert.

Weiter werden mit großem Hallo betriebliche Delegationen begrüßt: so eine 30köpfige Delegation von Daimler aus Düsseldorf. Ihr Vertrauenskörperleiter erklärt: "Wenn Opel Bochum fällt, ist kein deutsches Automobilwerk mehr sicher. Es geht um die Zukunft der Jugend, deshalb haben wir unsere Kinder gleich mitgebracht." Und er verspricht: "Wenn ihr streikt, sind wir bei euch und wir kommen auch zur Siegesfeier!" Von VW Osnabrück kommt eine Delegation des Betriebsrates und der Vertrauensleute. Sie sagen "Wir sind auch in der Krise! Wir wissen, wie es euch geht. Wenn ein Werk fällt, fällt das nächste – deshalb müssen wir gemeinsam kämpfen!“ Vom Bergwerk Auguste Viktoria sind Kumpel mit Transparent und Solidaritätsunterschriften angereist.  Auf Initiative verschiedener Vertrauensleute und der Betriebsratsliste "Offensiv" werden die Delegationen mit einem offenen Mikrofon am IG METALL-Stand begrüßt: von Opel Eisenach und Rüsselsheim, Kollegen aus Zulieferbetrieben wie Johnson Controls, Conti/VDO Dortmund, Hella Recklinghausen, VW Kassel und Osnabrück, Audi Neckarsulm, Ford Köln, Verdi-Landesfrauenrat NRW, Daimler Bremen und Düsseldorf, Vertrauensleute und VK-Leiter des Landesamts für Datenverarbeitung Düsseldorf, Bayer Lünen, BVV Bochum, TKS Duisburg und Mülheim, Umweltaktivisten und die Rotfüchse von Dortmund.

Der „Offensiv“-Vertreter kennzeichnet den Deutschland-Plan von GM als Generalangriff auf alle Arbeiter und schlägt einen branchenübergreifenden Aktionstag im Ruhrgebiet vor.

Direkt weg vom Soli-Fest ist eine Delegation von Bochumer Opelanern nach Aulnay gefahren, wo die Kollegen von PSA seit Wochen im Streik stehen. Beinah 1.000 Euro hat Solidarität International (SI) als Spende für die Kollegen und ihre Familien gesammelt.

Dieses Solidaritätsfest demonstriert: wenn die Opel-Belegschaft sich zum Kampf entschließt, steht nicht nur das ganze Ruhrgebiet hinter ihr! Es geht um mehr als um Solidarität mit den Opelanern. Es geht um die gemeinsame Arbeiteroffensive! Glückauf! 


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