Frauen

8. März 2013 in frauenbewegten Zeiten

10.03.13 - Vielerorts fanden Demonstrationen, Kundgebungen und andere Aktionen statt, die von zahlreichen verschiedenen Initiativen, Organisationen und Einzelfrauen getragen waren. Ergänzend zum "rf-news"-Bericht vom 9. März 2013 veröffentlichen wir hier die eingegangenen Berichte und Korrespondenzen.


Berlin: Mitten auf dem Alexanderplatz am "Brunnen der Völkerfreundschaft" ...

... fand eine vielfältige internationale Kundgebung der Berliner Stadtfrauenkonferenz zum internationalen Frauentag mit 150 Teilnehmern/-innen statt. Das Programm zeigte das anziehende und breite Spektrum der Aktionseinheit. Antje und Mägi vom Frauenverband COURAGE eröffeneten als Moderatorinnen die Kundgebung zu den verschiedenen Feldern der kämpferischen Frauenbewegung. Sie begrüßten auch die zahlreichen Männer, die das Anliegen der Frauen unterstützen. Es sangen u.a. die Musikgruppe "Nümmes" mit dem Chor gegen den Bau der A 100. Im Beitrag des Frauenverbands Courage wurde für die Stärkung des überparteilichen Verbandes geworben, und die Versuche von Bundesregierung und Geheimdiensten, die Gemeinnützigkeit von COURAGE abzuerkennen, entschieden zurückgewiesen. Eine Vertreterin einer japanischen Frauengruppe sprach zur Katastrophe von Fukushima über die Betroffenheit und den Widerstand gerade der Frauen und Kinder. Die Vertreterin der anatolischen Förderation informierte über den mutigen Befreiungskampf des kurdischen Volkes und lud zum internationalen Symposium gegen Isolation ein. Um die Einheit der kämpferischen Frauenbewegung zu stärken, kamen extra Aktivistinnen eines weiteren Bündnis zum 8. März. Für die MLPD sprachen Anne Höcker und Petra Ilius, beide Direktkanditatinnen für die Bundestagswahl in Berlin. "Die Befreiung der Frau erfordert den Kampf um den Sozialismus, wo die gesellschaftlichen Ursachen für die besondere Ausbeutung und Unterdrückung der Frau überwunden werden." Ein Anziehungspunkt für die vielen hundert Berlinerinnen und Berliner, die zeitweise der Kundgebung folgten, war auch der kabarettistische Beitrag von "Else Stratmann" - gespielt von Silvia. Mit ihrem ägyptischen Tanz brachte Dina das gewachsene Selbstbewusstein der Frauen aus dem "arabischen Frühling" auf die Bühne. Im Anschluss sind viele Frauen noch zum gemütlichen Feiern und Kennenlernen in den "Treff International" nach Neukölln gefahren.


Chemnitz: Zum internationalen Frauentag vielfältige Initiativen

Der internationale Frauentag wird seit vielen Jahren vom Netzwerk der Chemnitzer Fraueninitiativen gestaltet. Am 8. März finden tagsüber auf dem Neumarkt Info- und Aktionsstände statt. Dort wird das erste Mal mit Flyern der nächste Frauenpolitische Ratschlag breit bekannt gemacht, der 2014 in Chemnitz stattfinden wird. Das ist verbunden mit einer Einladung zu einem ersten Treffen für Chemnitzer Frauen und Männer, die dieses große Ereignis kennen lernen und mit vorbereiten möchten. Abends organisiert das Netzwerk zusammen mit der Stadt Chemnitz eine große Festveranstaltung zum internationalen Frauentag. Im Zentrum steht dieses mal der Bericht von Chemnitzer Frauen aus anderen Ländern, die schon länger hier leben und berichten, wie sie Chemnitz erleben. Mit dabei sind Frauen aus Kanada, Vietnam, der Ukraine und Tunesien, also aus 4 Kontinenten. Wir sind schon gespannt auf ihren Blick auf Chemnitz, ihre Kritiken und Vorschläge zum Zusammenleben hier, aber auch das Lernen aus den Erfahrungen in ihren Ländern zur Entwicklung der Frauenbewegung. Umrahmt wird das vom Grußwort der Oberbürgermeisterin, Kultur und Buffet. Und schließlich soll auch getanzt und gefeiert werden. Begleitend finden vom 1. bis zum 21. März die Chemnitzer Frauenwochen statt. Dazu gehören Info- und Filmveranstaltungen, Frauenfrühstück, aber auch Protestaktionen. Dieses Jahr haben wir uns das Thema Migration vorgenommen und werden mit Stolpersteinen vor der Stadtratssitzung auf dem Markt auftreten. Mit dem Film "Schwarz & Arbeit – Frauen im DDR-Bergbau" wird über diese starken Frauen berichtet. Den Abschluss bilden Protestaktionen am "Equal-Pay-Day", der mit dem 21.3. den Zeitraum seit Jahresbeginn markiert, den Frauen länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu kommen. Bestandteil der Frauenwochen war auch die Beteiligung am Protest gegen einen Naziaufmarsch am 5. März – dem Tag der Bombardierung von Chemnitz, bei dem es dieses Jahr das erste mal gelang, den Aufmarsch zu blockieren. 5000 Chemnizter und Chemnitzerinnen waren mit vielfältigen Aktivitäten dazu auf der Straße.


Cuzco (Peru): Frauenverband Courage mit von der Partie

Internationale Brigadisten, die im Anschluss an die 1. Internationale Bergarbeiterkonferenz Urlaub in Cuzco machten, brachten in Erfahrung, dass am internationalen Frauentag verschiedene Aktivitäten geplant waren. Sie nahmen an einer Demonstration und der anschließenden Kundgebung gegen Gewalt an Frauen teil und Linda Weißgerber hielt ein Grußwort vom Frauenverband Courage auf spanisch, wofür sie von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern großen Beifall erhielt.

 

Friedrichshafen: Kundgebung zum Internationalen Frauentag

Vorbereitet wurde sie durch das Frauenbündnis in Friedrichshafen, an dem v.a. Vertreterinnen des Deutsch-Kurdischen Vereins, des Frauenverbands Courage, der MLPD und der Linkspartei mitwirkten.
20 bis 25 Aktivistinnen gestalteten die Kundgebung, untertützt auch von einigen Männern, die betonten, dass der Kampf um die Befreiung der Frau nicht nur Sache der Frauen allein ist. Zu Beginn wurde eine Gedenkminute eingelegt für die Opfer der Gewalt an Frauen und der politischen Unterdrückung wie die 3 ermordeten Kurdinnen in Paris. Es wurde dabei hervorgehoben, dass Frauen in vielen Bewegungen an vorderster Front stehen, wie z.B. in den Aufstandsbewegungen in Nordafrika. Ein Schwerpunktthema war die Umweltfrage, denn die Frauenfrage und die Umweltfrage gehören zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema „Fracking“, das viele Menschen in der Bodenseeregion bewegt angesichts der Absichten der Energiekonzerne, es in dieser Region gegen den Widerstand der Bevölkerung durchzusetzen. Vertreterinnen des BUND waren zu diesem Zweck von außerhalb angereist, um darüber in Flublättern und Redebeiträgen ausführlich zu informieren und für den Widerstand dagegen zu mobilisieren. Fracking führt zu einer Kontaminierung des Grundwassers und auch des Bodensees, der Trinkwasserreservoir für über 4 Millionen Menschen ist! Es folgten weitere Beiträge vom Frauenverband Courage und der MLPD. Im Beitrag von Courage stand ebenfalls das Thema Fracking im Vordergrund. Die Frauenbewegung muss sich um alle gesellschaftlich relevanten Fragen kümmern und dazu gehört auch die Umweltfrage. Der Beitrag der MLPD ging auf die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Frau im Kapitalismus ein und betonte, dass es eine endgültige Befreiung der Frau nur in einer von Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Gesellschaft geben kann. Es gab ein offenes Mikrofon, an dem jeder Teilnehmer seine Meinung sagen konnte.
Abgerundet wurde die Kundgebung am Schluss durch kulturelle Beiträge wie Gemeinschaftstänze, die die Solidarität und den Optimismus der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stärkten.

 

Hamburg: Demonstration zum Internationalen Frauentag in Hamburg kämpferisch und international

Zwischen 300 und 400 Frauen, Mädchen und auch Männer beteiligten sich an der Demonstration und Kundgebung in der Hamburger Innenstadt. Ein besonderer Schwerpunkt war die Trauer und der Protest angesichts der brutalen Ermordung der drei kurdischen Freiheitskämpferinnen im Januar in Paris. Die MLPD beteiligte sich aktiv an der Demonstration, verteilte die neuste Ausgabe ihrer Stadzeitung „KlarerKurs“ und sammelt über 20 Unterschriften für die Wahlzulassung. Schon am Nachmittag erhielten die Kolleginnen von Airbus nach Schichtende die Grußkarte der MLPD Hamburg zum Internationalen Frauentag. Zusammen mit einer Rose. Einzelne Kollegen nahmen die Karte und Blume für ihre Frau mit – und spendeten dafür!


Magdeburg: Eine strahlende Aktion ...

... trotzte dem trüben Wetter am Internationalen Frauentag mit ca. 40 Frauen, Männern und Kindern. Der Frauenverband Courage, Kurdische Freunde, MLPD, REBELL, Arbeit Zukunft und einzelne Frauen des frauenpolitischen Runden Tisches führten gemeinsam eine lebendige, internationalistische Kundgebung durch. Angefangen von der schlechteren Bezahlung von Frauen über Sexismus im Alltag, der Unterdrückung der Kurden, dem mutigen Kampf der Frauen bis hin zur Befreiung der Frau im Sozialismus wurde viel diskutiert auch am offenen Mikrofon. Das muss immer Alltag werden, nicht nur am 8. März.

 

Internationaler Frauentag in Mannheim

13 verschiedene Organisationen (ASF, Bund der Migrantinnen, Eine-Welt-Forum, Frauennotruf, Frauenverband Courage, Grüne Frauen, Frauen vom Kurdischen Kulturverein, MLPD, SPD, Musliminnen von Ahmadiyya, PLUS, SKB, Verdi und Young Struggle) gestalteten gemeinsam den Internationalen Frauentag in Mannheim. Das Offene Netzwerk Mannheimer Frauen hatte dieses breite Bündnis möglich gemacht und so waren rund 200 Frauen und Männer auf dem Platz, der dann in "Platz der Frauen" – entgegen dem militaristischen Namen „Paradeplatz“  - umbenannt wurde. Es gab Essen, Trinken, Bücherstände und Musik. Die Moderatorin des Netzwerkes koordinierte das gemeinsame Programm. Zunächst stellte jede Organisation bzw. Partei sich in einem 2-minütigen Beitrag vor. Statt einer Rede stellten 14 Courage-Frauen sich persönlich vor  mit dem Satz "Courage, das heißt Mut, und der tut mir gut. Mein Name ist … und bin bei Courage, weil …". Auf diese Weise wurde die Vielfalt des Frauenverbandes lebendig. Nach griechischer (Tanz-) Musik wurde ein kurzer Solidaritätsbeitrag zur Lage der griechischen Frauen gehalten. Bei der "Reise zu den Frauen der Welt" hatten sehr viele Frauen große Schilder mit Bildern und Texten von Frauen, die deutschland- und weltweit im letzten Jahr im Brennpunkt standen: z. B. die Pussy-Riot-Frauen, die Schlecker-Frauen, die Amazon-Frauen, die 3 ermordeten kurdischen Frauen in Paris, die Opelfrauen, die lesbischen Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, die Frauen aus Indien und Bangladesch. Auch Erfolge und Visionen wurden dabei deutlich, so zum Beispiel das Plädoyer von Monika Gärtner-Engel in Form von Thesen dafür, Revolutionärin zu werden. Es wurde im Vergleich zur letztjährigen Veranstaltung deutlich, dass größerer Ernst und mehr Wut gegenüber den herrschenden Verhältnissen in den Gedanken und Gefühlen von uns Frauen eine Rolle spielen. Eine Trommelgruppe vom Mannheimer Trommelpalast sorgte für Rhythmus. Verwöhnt wurden die Teilnehmerinnen mit kulinarischen Köstlichkeiten, die Musliminnen pakistanischer Herkunft angeboten hatten. Zum Abschluss sangen wir gemeinsam „Brot und Rosen“. Es war eine bewegende und tolle Veranstaltung!

Tübingen: “Protest mit guter Laune”

"Das Holzmarktspektakel, das das Frauennetzwerk 8. März auf die Beine gestellt hatte, glich fast schon einer kleinen Messe zu Frauenthemen" - so berichtete das Schwäbische Tagblatt am 9. März 2013. Bei strahlendem Sonnenschein waren zwischen 150 und 200 Menschen auf dem Holzmarkt versammelt. Die kämpferische Frauenbewegung zeigte sich  mit 11 verschiedenen  Info Ständen von SPD, Partei die Linke, Ver.di, Frauenverband Courage, Türkische Frauen, Grüne Partei, MLPD. Neu war ein kleiner Tisch mit dem Ziel Frauen für die Umweltgewerkschaft anzusprechen und Initiatorinnen dafür zu gewinnen. Besonders anziehend für junge Frauen war das gemeinsame Tanzen auf die schwungvolle Musik "Break  the chains" von "One Billion Rising - eine Milliarde Menschen stehen auf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen". Wir verteilten an viele junge Frauen und Mädchen den beeindruckenden Text des Liedes auf englisch und deutsch, viele kannten den Song aus dem Internet schon und bedankten sich dafür. So entstand eine bisher nie dagewesene Breite von Interessierten. Das offene Mikrofon wanderte von Hand zu Hand. So ging es denn auch um alles, was die Besucherinnen bewegte: Gewalt gegen Frauen, Diskriminierung in der Arbeitswelt, die Ermordung der kurdischen Kämpferinnen in Paris, Kinderbetreuung und Umwelt. Eine kämpferische Rede kam von der MLPD- Vertreterin, die ausgehend von der Entlarvung der Meinungsmanipulation der Regierung mit dem Armutsbericht den Neuaufschwung der internationalen Frauenbewegung anschaulich darstellte und so auch Mut machte für die Richtung der Befreiung der Frau in einer sozialistischen Welt. Ganz mutig waren die Jüngsten von den Reutlinger Rotfüchsen. Wie selbstverständlich gingen sie als Gruppe ans Mikro, erklärten selbstbewusst, dass sie jetzt zu jedem und jeder kommen, rote Rosen gegen Spende verkaufen für den Paul. Natürlich wollten alle wissen, wer dieser Paul denn ist. Es ist ein Rucksack, der eine Wasserreinigungsmaschine beinhaltet und der für Nepal bestimmt sei. Mit "Hoch die internationale Solidarität" endete unser 8.-März-Beitrag vor der ehrwürdigen Stiftskirche, deren Pfarrer einen saftigen Brief ans Wuppertaler Finanzamt gegen die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Frauenverbands Courage geschrieben hat!

 

Wuppertal: Unübersehbar und unüberhörbar ...

... meldete sich die kämpferische Frauenbewegung am 8. März in Wuppertal zu Wort. Auf Initiative des Frauenverbands Courage beteiligten sich ca. 100 Frauen, Männer und Kinder an der Aktion, und viele blieben stehen und verfolgten das Programm. Mutig wurde die Unterdrückung der Frauen und Mädchen weltweit angeprangert, gemeinsam wurde unter Anleitung von kurdischen Frauen getanzt. Eine besondere Rolle spielte die Solidarität mit den Opfern von Vergewaltigungen, aber auch den oft misshandelten weiblichen politischen Gefangenen etwa in der Türkei. Aber auch die Situation von Frauen im Niedriglohnsektor wurde aufgedeckt. Neben der MLPD beteiligte sich erstmals auch die Piratenpartei und erklärte sich solidarisch gegen den Angriff auf die Gemeinnützigkeit des Frauenverbands Courage. Viel zu lachen gab es, als der "Verfassungsschutz" in einem Sketch durch den Kakao gezogen wurde. Gemeinsam kämpfen für eine lebenswerte Zukunft, streiten, feiern, tanzen - das wurde überzeugend auf die Straße gebracht - und am 11.3., am Jahrestag des Supergaus von Fukushima, sehen wir uns wieder, dem stimmten viele zu.