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Verhandlungsergebnis Stahltarifrunde: Ein fauler Kompromiss!

08.03.13 - Schon in der dritten Verhandlungsrunde wurde zwischen Stahlkonzernen und der IG Metall ein Verhandlungsergebnis erzielt, noch bevor überhaupt die Kampfkraft der Stahlarbeiter mobilisiert wurde. Die Kollegen waren bereit, für die aufgestellten Tarifforderungen zu kämpfen, und sich nicht mit drohender Arbeitsplatzvernichtung zum Lohnverzicht erpressen zu lassen. Die Erfahrung bei Opel, Schlecker und Karstadt hat bewiesen, das Verzicht keinen einzigen Arbeitsplatz sichert.

Die Stahlkonzerne befürchteten eine Welle von Warnstreiks und wollten deswegen unbedingt jetzt abschließen. Das Verhandlungsergebnis sieht eine 3-prozentige Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütung bei einer 15-monatigen Laufzeit vor. Zudem die Erhöhung der Quote für Altersteilzeit (ATZ) von 4% auf 5%, die Erhöhung des Inflationsausgleichs der Abfindung bei ATZ von 1% auf 2% und die Verdoppelung der vermögenswirksamen Leistungen für Azubis.

In der Mehrheit der Betriebe waren Forderungen nach einer Lohnerhöhung von über 6% aufgestellt worden. Diese war der Tarifkommission auf Anweisung von IGM-Chef Berthold Huber zu hoch und wurde auf 5% reduziert, was innerhalb der Gewerkschaft erhebliche Kritik auslöst.

Etliche Kollegen waren dennoch von der Höhe des Verhandlungsergebnisses überrascht und auch die Konditionen für die Altersteilzeit ist für viele wichtig. Da muss man doch aber fragen: was könnte da erst durchgesetzt werden, wenn die gewerkschaftliche Kampfkraft richtig entfaltet werden würde. Das Verhandlungsergebnis unter Verzicht auf die Entfaltung der gewerkschaftlichen Kampfkraft ist ein fauler Kompromiss.

In den letzten Wochen gab es bei ThyssenKrupp Streikaktionen gegen die Pläne zur Vernichtung von über 2.000 Arbeitsplätzen, darunter ein selbständiger Streik in der Dortmunder Westfalenhütte. Dort standen am 9. Februar alle Hauptaggregate still, nachdem die arbeiterfeindlichen Pläne von ThyssenKrupp bekannt geworden waren ("rf-news" berichtete). Die Ausbeutung in den Stahlbetrieben wird enorm verschärft. Ein gewerkschaftlicher Streik in der Lohntarifrunde hätte in dieser Situation eine wichtige Funktion zur Stärkung der Zusammengehörigkeit, der Kampfkraft und Entschlossenheit der Belegschaften.

Angesichts der Entwicklung in der europäischen Stahlindustrie brauchen die Stahlarbeiter die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Manteltarivertrag und nicht die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung auf 28 Stunden ohne Lohnausgleich, wie jetzt ausgehandelt. 

Jetzt wird das Ergebnis im Betrieb diskutiert und auf Vertrauensleutevollversammlungen über Annahme oder Ablehnung abgestimmt. Ende nächster Woche entscheidet die Große Tarifkommission über das Ergebnis. In den betrieblichen Abstimmungen und Erklärungen muss auch diskutiert werden, dass die Stahlarbeiter die negativ ausgerichtete Klassenzusammenarbeitspolitik der IGM-Führung nicht akzeptieren. Im Stahlbereich ist der Organisationsgrad über 80%, die müssen voll ausgespielt werden!