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Besuch bei der streikenden Belegschaft von PSA Aulnay

Besuch bei der streikenden Belegschaft von PSA Aulnay
Tägliche Streikversammlung im Werk rf-foto)

05.03.13 - Am 16. Januar 2013 haben die Kollegen bei PSA in Aulnay bei Paris den unbefristeten Streik gegen die für 2014 geplante Schließung ihres Werks aufgenommen. Seither steht die Streikfront. PSA hat eine strategische Allianz mit GM/Opel. Deshalb stand der Kampf von vornherein in enger Verbindung mit dem Kampf gegen die geplante Werksschließung bei Opel in Bochum. Mehrfach schon besuchten sich die Kollegen gegenseitig bei Demonstrationen und Aktionstagen. Direkt vom Opel-Solidaritätsfest am 3. März 2013 machte sich eine vierköpfige Opelaner-Delegation im Auftrag der Betriebsratsliste "Offensiv" auf den Weg nach Aulnay, wo am Montag, dem 4. März 2013, früh um 8 eine entscheidende Streikversammlung stattfand.

Die Streikversammlung von 300-400 aktiven Streikenden hat die Fortsetzung des Streiks durch demokratische Abstimmung beschlossen. Damit wird der Streik in der siebten Woche mit großem Selbstbewusstsein, Engagement und Know How weitergeführt und wird voraussichtlich am Mittwoch, dem 6. März 2013, in die 8. Woche gehen. Die von SI (Solidarität International), der Opelaner-Frauengruppe BASTA! und anderen auf dem Soli-Fest in Bochum gesammelten Spenden von 1.082,00 Euro wurden von den PSA-Kollegen mit Begeisterung und Dank entgegengenommen.

Ein großer Teil der Kollegen in Aulnay sind junge, aktive Leute, viele sind Migranten. Ihr Elan verbindet sich mit der Erfahrung kämpferischer, älterer Kollegen. Der Streik wird von den drei Gewerkschaften CGT, SUD und CFDT unterstützt. Ein Sieg der Streikenden war, die Diskriminierung der Streikenden in der Öffentlichkeit ins Leere laufen zu lassen. Ein weiterer Sieg war, dass dem PSA-Vorstand die Anwerbung von Streikbrechern aus anderen PSA-Werken misslang. Diese reisten nicht einmal an, nach dem Motto "Wir sind doch nicht lebensmüde!" Schließlich siegten die Streikenden auch in der Blockierung der gesamten PKW- Produktion des Citroen C3.

PSA hat einen Angriffskatalog zur Vernichtung von 11.000 PSA-Arbeitsplätzen, also nicht nur in Aulnay, bekannt gegeben. Das ähnelt dem unverschämten "Masterplan Drive 22" von Opel und der Spitze des Opel-Gesamtbetriebsrats vom 2. März 2013, der sich gegen die Belegschaften aller Opel- und Vauxhall-Werke richtet.

Sehr eindrucksvoll und lehrreich ist die Souveränität, mit der die PSA-Kollegen ihren Streik organisieren. So die täglichen Streikversammlungen mitten in der Halle zwischen den Montagebändern – sie nennen diese "Salle de Grève" (Halle des Streiks). Abgestimmt wird über alles, was das Streikkomitee vorschlägt. Sie leisten eine gute Öffentlichkeitsarbeit und bekommen aus breiten Kreisen der Bevölkerung, aus den Universitäten, von Kulturschaffenden, aus der Bauernschaft usw. Unterstützung. Die Streikleitung bringt eine Streikzeitung in Flugblattform heraus.

In dieser Woche nehmen sie an einem landesweiten Protest gegen ein Gesetz der Hollande-Regierung teil, das den Monopolen freie Hand in der Abwälzung der Krisenlasten gibt. Sie haben treffende Buttons: "Wir kämpfen wie die Löwen" im Anklang an den "Peugeot-Löwen" und witzige Plakate herausgebracht. Die Versorgung der Streikenden mit Tee und Kaffee läuft reibungslos.

Ein großer Trumpf ist, wie sie die Streikkasse aufgezogen haben, es gibt ja in Frankreich kein gewerkschaftliches Streikgeld. Mit den Einnahmen von inzwischen weit über 200.000 Euro gehen sie mit größter Sorgfalt um.

Die Delegation der Opelaner konnte sich mit vielen Streikenden vor und im Werk austauschen, an den Streikversammlungen im Werk teilnehmen und auf dem Podium sprechen. Sie wurde mit Begeisterung aufgenommen. Der Vorschlag, dass beide Belegschaften ihren Kampf koordinieren, bekam den meisten Beifall: "Tous ensemble!". Die "Roten Karten" von BASTA! wurden sofort angeheftet.

Interesse haben die Streikenden an der Forderung nach der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung. Vor allem gingen die Herzen auf für den proletarischen Internationalismus der Tat: Der Streikleitung und den Kollegen wurde ein Gegenbesuch einer Delegation aus Aulnay in Bochum vorgeschlagen, was sie gerne aufgegriffen haben. Die Delegation wurde mit großer Herzlichkeit verabschiedet: "Auf Wiedersehen!" auf deutsch.