Politik

Wenn der „Goldfisch“ zum Piranha mutiert

Stuttgart (Korrespondenz), 04.03.13: Der Internet-Versandhändler Amazon macht zur Zeit Schlagzeilen. Die üblen Ausbeutungsmethoden und die Tatsache, dass Amazon so gut wie keine Steuern zahlt, sind mit Recht in der Kritik der Öffentlichkeit. Bundes- wie Landesregierungen waren stets vorne dran,  Amazon den roten Teppich auszulegen, wenn es darum ging, den Zuschlag für einen neuen Standort für den boomenden Weltmarktführer beim Internet-Versandhandel zu bekommen.

So berichtete die Stuttgarter Zeitung vom 29. Januar.2012: "Die Goldstadt Pforzheim hat einen Goldfisch an Land gezogen. Der Internetversandhändler Amazon siedelt sich im Gewerbegebiet Buchbusch nahe der A8 mit einem großen Logistikzentrum an." Bis zu 3.000 Arbeitsplätze sollten geschaffen und Gewerbesteuer an die Stadt fließen, was dem Oberbürgermeister des mit über 80 Millionen Euro hochverschuldeten Pforzheim, das zusätzlich – mit 7, 5 Prozent - noch die höchste Arbeitslosenquote im Land hat, wie ein Weihnachtsgeschenk erschien.

In Wirklichkeit war es gerade anders herum. In "rekordverdächtiger Zeit" wurde das Baugesuch genehmigt. Die "größte Mitarbeitersuche in der Geschichte der Stadt" wurde weitgehend von der Arbeitsagentur und dem Jobcenter durchgeführt, wodurch sich Amazon einige Personalsachbearbeiter sparte. Bleibt noch die Frage, wie viele Arbeitsplätze geschaffen wurden und zu welchem Stundenlohn? Im Dezember 2012 waren es 2.291, wovon allerdings 2.009 befristet angestellt waren. Im Januar blieben davon noch 484 fest und 794 befristete Angestellte. Der Stundenlohn beträgt 9,65 und damit deutlich unter dem Tariflohn von 12 Euro.