Wirtschaft

Belegschaftsversammlung bei Outokumpu: "Eigentlich müsste man den Ofen längere Zeit stilllegen ..."

Belegschaftsversammlung bei Outokumpu: "Eigentlich müsste man den Ofen längere Zeit stilllegen ..."
Aufgebrachte Diskussionen nach der Versammlung (rf-foto)

Bochum (Korrespondenz), 10.10.13: "Eigentlich müsste man den Ofen längere Zeit stilllegen ...", so ein Kollege am Rande der außerordentlichen Belegschaftsversammlung im Jahrhunderthaus in Bochum, die heute von 9 Uhr bis 12.45 Uhr stattfand. Alle Schichten nahmen teil, wozu der Schmelzofen heruntergefahren wurde.

Outokumpu will den Betrieb in Bochum entgegen einer tarifvertraglichen Vereinbarung bereits 2014 schließen. Hauptargument gegen einen Streik um die Arbeitsplätze war von der Betriebsratsspitze immer wieder die angeblich nötige "Vertragstreue" der Arbeiter. Outokumpu wolle den Vertrag brechen, jetzt dürften die Arbeiter das nicht auch tun. Das wirkt noch bei vielen Kollegen. Der Tarifvertrag sieht die Schließung "erst" Ende 2016 vor, was auch in der Versammlung auf Kritik stieß. Eine Kollegin erhielt deshalb viel Applaus, als sie die Denkweise angriff, sich mit der Schließung 2016 zufrieden zu geben, weil es so im Vertrag steht. "Sollen wir unseren Kindern sagen, wenn sie keinen Arbeits- und Ausbildungsplatz finden, dass mehr nicht drin war - ohne dass wir gekämpft haben?"

An der Versammlung konnten neben den Outokumpu-Kollegen auch Delegationen teilnehmen, aber nur die, die der Betriebsrat eingeladen hatte. Darunter Betriebsrat und Vertrauenskörper-Leitung von Opel Bochum, aus den Outokumpu-Betrieben in Krefeld und Dillenburg, von TKS Dortmund, aber auch SPD-Wirtschaftsminister Guntram Schneider und die SPD-Oberbürgermeisterin aus Bochum.

Eine Reihe anderer Delegationen hingegen wurden regelrecht ausgesperrt: Frauen von "BASTA!" und Courage aus Bochum genauso wie kämpferische Vertrauensleute von TKS, die Montagsdemo Dortmund und Bochum, kämpferische IG-Metaller von Conti aus Dortmund und ein Vertreter der MLPD. Es war offensichtlich das Ziel der Betriebsrats-Spitze, dass den Kollegen Solidarität und Kampferfahrungen anderer Belegschaften vorenthalten werden.

In der Versammlung kam großer Protest und Unmut auf, als die Geschäftsleitung provokativ mitteilte, dass sie von der Stilllegung 2014 nicht abrücken will und dass der Prozess bereits auf die Schiene gesetzt sei, obwohl der Betriebsrat der Firma ja ein Ultimatum bis Freitagmittag gestellt hatte. Guntram Schneider machte Outokumpu darauf aufmerksam, dass sie sich bei den Stahlarbeitern mit einem kampferprobten Teil des Industrieprolatariats anlegen: "Die haben schon mal Brammen auf die A 40 gelegt!" Um dann der Geschäftsleitung gleich wieder beizuspringen: "In den 1970er Jahren gab es einige selbständige Streiks für mehr Lohn, weil den Kollegen die Tariferhöhung zu gering war. Die IGM hat sich damals als Ordnungsfaktor gegen die Streiks gestellt, und das war richtig!"

Nein, das war auch damals nur der Kniefall vor Unternehmerinteressen. Gewerkschaften müssen Kampforganisationen der Arbeiterschaft sein. Der Betriebsratsvorsitzende Frank Klein hat die Betriebsversammlung nach knapp vier Stunden unterbrochen und vertagt. Wann der Schmelzofen wieder angefahren wird, darauf wollten sich die Kollegen vor ihrem Weg ins Werk nicht festlegen. Die Auseinandersetzung geht weiter!