Betrieb und Gewerkschaft

Solidarität mit den streikenden Norgren-Beschäftigten

Esslingen (Korrespondenz), 08.10.13: Die Montagsdemonstration war diesmal nur sehr kurz: Die Beschäftigten bei IMI Norgren im nahen Großbettlingen sind in einen Warnstreik getreten. Wir hatten bereits vor zwei Wochen – also unmittelbar nach der Bundestagswahl – vom verschärften Kurs der Werkleitung gehört und der Belegschaft unsere Solidarität gezeigt.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde nun eine Produktionslinie demontiert und abtransportiert. Die Beschäftigten richteten noch am Samstag eine Mahnwache ein. Wir beschlossen bei einer Enthaltung, unmittelbar unsere Solidarität zu zeigen und fuhren nach Großbettlingen.

Es zeigte sich uns folgendes Bild: Im Betrieb sind massenhaft Security-Mitarbeiter zusammengezogen. Leiharbeiter wurden unter Androhung ihrer Entlassung aus der Leiharbeitsfirma zu Streikbrecherarbeit gezwungen. Es wurde offenbar genügend Ware "auf Lager" produziert, um die Verlagerung des Betriebes ins Ausland abwickeln zu können. In dieser Situation hatte die Belegschaft einen Warnstreik begonnen.

Die Kolleginnen und Kollegen haben vor dem Haupttor eine Mahnwache aufgebaut, auch das andere Tor ist besetzt. Die Mahnwache arbeitet im Schichtbetrieb rund um die Uhr. Es gab Getränke und Snacks, das DRK hält für die Streikenden in der Nacht seine Toilette bereit. Die Stimmung ist entschlossen. Während unseres Besuches trafen wir Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben im Kreis, die ebenfalls mit ihrer Anwesenheit die Aktion der Norgren-Arbeiterinnen und -Arbeiter unterstützen.

Die Norgren-Beschäftigten informierten uns, dass inzwischen nur weniger als 80 Frauen und Männer noch zur Belegschaft gehören. Die Beschäftigten werden seit der Ankündigung der Werksschließung Ende August beim Betreten und Verlassen des Betriebes von Security genau angeschaut, die Schließsysteme wurden ausgetauscht. Während der Arbeit ist immer Security in der Nähe.

Die Security-Mitarbeiter wurden offenbar aus den neuen Bundesländern rekrutiert, es sind keine Einheimischen dabei. Ihr Auftreten nährt die Vermutung, dass Security-Mitarbeiter zur faschistischen Szene gehören können. Es kostet viel Mühe, sich bei der Arbeit wie auch beim Kampf von diesen Leuten nicht provozieren zu lassen. Auch während unseres Besuches kam es zu einzelnen Provokationen. Heute rechnen die Kollegen stündlich damit, dass die Werksleitung mit Polizeischutz Maschinen abräumen will.

Wer die Kollegen schriftlich erreichen will kann dies über die Mailadresse des Betriebsrat: nevin.akar@norgren.de. Auch Besuche am Tor sind erwünscht. Wenn man 24 Stunden in Schichten vor dem Tor sitzt, freut man sich über jedes solidarische Zeichen.