Umwelt

Schon wieder Panne in Fukushima - Atomkraftwerke weltweit abschalten, sofort!

06.04.13 - Gerade einmal zweieinhalb Wochen nach der letzten Panne in der japanischen Atomruine in Fukushima ist gestern erneut ein Kühlsystem ausgefallen, diesmal im Abklingbecken des Atomreaktors 3 in Fukushima Daiichi. Wie üblich beschwichtigte der Betreiber Tepco die Bevölkerung: mittlerweile sei das System wieder funktionsfähig, Gefahr für Leib und Leben von Menschen habe nie bestanden, für die Umwelt sei die Panne völlig unschädlich, die Lage sei stabil. Tatsächlich hat der Ausfall diesmal keine 30 Stunden gedauert wie im März und die Temperatur im Abklingbecken ist angeblich "nur" auf 15 Grad Celsius gestiegen. Diese Nachricht ist ungefähr so beruhigend wie die Meldung, der entgegenkommende Geisterfahrer auf der Autobahn habe nur 90 kmh drauf.

Seit der Katastrophe vom März 2011 müssen die Brennstäbe, die mindestens 6,5 Tonnen hochgiftiges radioaktives Plutonium enthalten, ständig gekühlt werden. Wenn sich das Kühlwasser erwärmt und seine Temperatur mehr als 65 Grad Celsius erreicht, kann es zu einer atomaren Kettenreaktion und zur erneuten Kernschmelze kommen. Tatsächlich blieb es gestern nicht beim Stromausfall. In der Nacht traten 120 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem Tank aus und drangen in den Boden ein. In den insgesamt sieben Tanks wird Kühlwasser aufbewahrt.  Der beschädigte Tank befindet sich rund 800 Meter vom Meer entfernt. Tepco-Specher Masayuki Ono erklärte: "Die Messungen in der Bucht zeigen keine hohen Verstrahlungswerte an. Wir gehen also davon aus, dass das Meer nicht verseucht wurde."

Tepco und die japanische Regierung betreiben eine regelrechte Verhöhnung der Weltöffentlichkeit. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Katastrophe von Fukushima schlimmere Auswirkungen hat als Tschernobyl. Forscher des Norwegian Institute for Air Research (NIAR) sind aufgrund ihrer Messungen zu der Auffassung gelangt, dass es in Fukushima die größte Freisetzung radioaktiver Edelgase in der Geschichte gegeben habe, die nicht mit Atombombenversuchen zusammenhänge. Eine mögliche Ursache könne sein, dass damals in einem der beschädigten Blöcke nach dem Ausfall der Kühlung wieder eine Kettenreaktion einsetzte und weiteres Xenon-133 entstand. Eine solche Möglichkeit besteht auch bei den ständigen Pannen mit dem Kühlwasser.

Im Interesse des sprudelnden Maximalprofits hat die japanische Regierung im vergangenen Jahr grünes Licht für den Neustart von Atomreaktoren gegeben, nachdem zunächst alle 50 japanischen Atomkraftwerke abgeschaltet worden waren. Weltweit, auch in Japan, wächst der Widerstand gegen die Nutzung der unbeherrschbaren Atomtechnologie. Im indischen Kudankulam z.B. protestierten anlässlich des Fukushima-Jahrestags 8.000 Menschen in 600 Booten vor der dortigen AKW-Baustelle auf dem Meer.

Währenddessen erklärten im März 2013 zwölf EU-Mitgliedsländer, dass sie weiterhin auf Atomenergie setzen und forderten die "Schaffung eines Investitionsumfelds für neue AKW". Gegen die Absichten, weltweit hunderte neuer AKWs zu errichten, ist entschiedener Widerstand geboten. Im Aufruf zur bundesweiten Zukunftsdemonstration am 18. Mai 2013 in Essen zum Auftakt des 16. Internationalen Pfingstjugendtreffens heißt es: "Unsere Zukunft wird auch durch die Umweltkatastrophe bedroht. Dagegen brauchen wir eine breite und internationale Front des Widerstands. Für die sofortige und weltweite Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber! Verbot von Fracking! Weltweiter Umstieg auf erneuerbare Energien jetzt!"