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USA nutzen nordkoreanische Drohungen für psychologische Kriegsvorbereitung

10.04.13 - Für die USA, Südkorea und Japan herrsche angeblich eine "lebensbedrohliche Situation". Dies behauptet das gemeinsame US-südkoreanische Kommando in Südkorea nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap. Der Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, Admiral Samuel Locklear, stellte hingegen klar, dass eine womöglich an der Ostküste Nordkoreas stationierte Mittelstreckenrakete theoretisch die Pazifikinsel Guam treffen könne, nicht jedoch das amerikanische Festland.

Die angeblich als Reaktion auf nordkoreanische Kriegsdrohungen in Südkorea stationierten 28.500 US-Soldaten waren längst vorher da. Die Ausweitung von UN-Sanktionen gegen Pjöngjang und provokative südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver in den letzten Monaten hatten die Zuspitzung der Widersprüche unmittelbar ausgelöst.

Allerdings ist das Verhalten von Kim Jong Un und der nordkoreanischen Führung äußerst abenteuerlich. Die Drohungen mit einem atomaren Erstschlag liefern dem US-Imperialismus billige Vorwände für seine Kriegsvorbereitungen und militärische Einflussnahme. Es trägt zum Anwachsen der allgemeinen Kriegsgefahr bei. Dem primitiven modernen Antikommunismus leistet die nordkoreanische Führung Vorschub: von den Medien wird einem zurückgebliebenen angeblich kommunistischen Land angedichtet, was in Wahrheit die Taten eines reaktionären bürokratisch-kapitalistischen Regimes sind.

Die USA dementieren zwar immer wieder, eine Eindämmungspolitik gegenüber dem aufstrebenden Sozialimperialismus China zu verfolgen. Aber ihre Taten seit Barack Obamas Veränderung der Militärstrategie 2011 widersprechen ihren Worten. Sie aktivierten und reaktivierten unter anderen Militärbündnisse mit Japan, den Philippinen, Vietnam, Australien, Singapur und Indien; in Myanmar fassen sie verstärkt Fuß. Ein vereinigtes, westlich-orientiertes Korea könnte ein weiterer Meilenstein in der Umzingelung Chinas sein – so ist jedenfalls die Befürchtung Chinas.

Die japanische antiimperialistische Vereinigung AWC wendet sich gegen die wachsende Militärpräsenz des US-Imperialismus in der Region: "Die USA wollen eine neue Basis auf Okinawa bauen, wollen eine neue koreanische Marinebasis auf Jesu-Island bauen, wollen die US-Basis in Pyeongtaek in Südkorea verstärken und ausbauen, wollen die Militärstützpunkte im Kernland Japans wie Iwakuni and Kanagawa ausbauen, stärken die ständige Präsenz auf den Philippinen, beginnen US-Marines auf Australien einzusetzen und weiten massiv ihren Stützpunkt auf Guam aus. Auch die Militärmanöver nehmen in verschiedenen Teilen der Region zu. Diese Manöver sind verbunden mit massiver Unterdrückung ... gegen die Menschen, die sich dagegen wehren. Dabei werden sie von den volksfeindlichen Regierungen der Länder unterstützt. Wir betrachten den Kampf gegen diese Manöver als unsere Leitlinie und organisieren den gemeinsamen Kampf mit der Bevölkerung dieser Länder." (Aus einer Erklärung der AWC vom 3. März 2013).

Hintergrund für die geostrategischen Umwälzungen ist die ungleichmäßige Entwicklung und die Veränderung der zwischenimperialistischen Widersprüche, mitbedingt durch die Folgen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. 2012 verhandelten China, Japan und Korea über ein Freihandelsabkommen, das 2014 in Kraft treten sollte. Mit einem Anteil von 20 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts wäre der Dreierbund nicht mehr viel kleiner als NAFTA (North American Free Trade Agreement - dazu gehören USA, Kanada und Mexiko) mit 27 Prozent und die EU mit 26 Prozent. Mit 1,5 Milliarden Menschen umfasste das neue Abkommen eine Region mit einer größeren Bevölkerung als EU (500 Millionen) und NAFTA (460 Millionen) zusammen.

Südkorea gehört zu den aggressivsten „Emporkömmlingen“ mit eigenem Hegemonialanspruch in der Region. Für die weltmarktbeherrschende Stellung der südkoreanischen Übermonopole wird die Arbeiterklasse in Südkorea ebenso wie die nordkoreanischen Arbeiter in der Sonderwirtschaftszone gnadenlos ausgebeutet. Heldenhaft haben 1.000 Arbeiter 2009 das Werk des fünftgrößten südkoreanischen Automobilherstellers, Ssangyong Motor in Pyongtaek, im Kampf gegen Massenentlassungen besetzt und gegen 4.000 Polizisten und Securities verteidigt.

Zur psychologischen Kriegsvorbereitung seitens Südkorea und den USA gehört auch eine völlige Verdrehung der Geschichte. So behaupten südkoreanische und viele andere Medien dreist, der Koreakrieg von 1950 bis 1953 sei von Nordkorea ausgegangen. Tatsächlich hatte der US-Imperialismus ihn vom Zaun gebrochen, um das damals sozialistische China zu schwächen oder gar zu vernichten. Einen Auszug aus dem Kapitel "Der amerikanische Krieg in Korea 1950 bis 1953" im REVOLUTIONÄREN WEG 22 "Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution" bringt die nächste Druckausgabe der ROTEN FAHNE, die morgen erscheint.