Opel Berichte

"Sie versuchen, den Brandherd Opel Bochum in den Griff zu bekommen"

Bochum (Korrespondenz), 12.04.13: Am Donnerstag, 11. April, trafen sich die Kanzlerin Angela Merkel und die Konzern-Spitze von General Motors im Kanzleramt in Berlin. Danach wurde seitens der Kanzlerin erklärt, sie freue sich, dass GM vier Milliarden Euro investieren wolle. "rf-news" sprach dazu mit Rainer Weinmann von der Betriebsratsliste "Offensiv" bei Opel in Bochum.

Wie beurteilt ihr das Gespräch von GM mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt zu Opel. Angeblich wurde ja kein Wort über Bochum gesprochen. Glaubt ihr das?

Nein. Ich denke, dass fast ausschließlich über Bochum gesprochen wurde. Wir haben 2004 einen Weg beschritten, der kompromisslos für die Arbeiterinteressen und den Kampf um jeden Arbeitsplatz, für die Zukunft der Region, des Werks und der Jugend steht. Dieser Weg wurde mit Torblockaden und einem selbstorganisierten Streik begangen. Das ist den Herrschenden in die Glieder gefahren. Seitdem versuchen sie uns zu zermürben und klein zu kriegen. Das gelingt ihnen aber nicht, wie die Abstimmung unter der Belegschaft über die Zukunft des Werks zeigt. Diese Abstimmung ist ein weiterer Schritt, den diese Belegschaft gegangen ist. Das eine Abstimmung über so einen Erpressungsvertrag mehrheitlich abgelehnt wurde, hat es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland so noch nie gegeben. Ganz Deutschland, jeder Arbeiter, schaut auf Opel Bochum. Das hat politische Brisanz bis in die obersten Kreise bei General Motors. Seit 20 Jahren kommt der Verwaltungsrat hier rüber und spricht mit der politischen Spitze in diesem Land. Das alles um diesen Brandherd Opel Bochum in den Griff zu bekommen.

Gleichzeitig wurde vom Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel große Hoffnungen in diese Gespräche und den neuen Opel-Chef Neumann gesetzt. Wie seht ihr das?

Die Geschäftsleitung hat erklärt, dass es keine weiteren Gespräche mit der Belegschaft geben wird. Entsprechend ist es klar, dass sie jetzt die „harte Linie“ fahren müssen, denn sie wollen an den Bochumer Opelanern ein Exempel statuieren. Das was jetzt mit dem Bochumer Opel-Werk passieren soll, darauf müssen sich in Zukunft viele Belegschaften gefasst machen. Mit den Bochumer Opelanern hat man sich eine der kampfstärksten – wenn nicht die kampfstärkste – Belegschaft in Deutschland ausgesucht, um dieses Exempel zu statuieren. Der Weg soll dahin gehen, wo die Arbeiter in Griechenland, Zypern, Spanien etc. jetzt schon sind: Hin zu massenhafter Vernichtung von Arbeitsplätzen und Abwälzung der Krisenlasten auf die Masse der Bevölkerung. Deshalb geht es darum, was sich durchsetzt: Die Arbeiteroffensive oder die Ausbeuteroffensive!

Mit der Zusage, 4 Milliarden in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern zu investieren, soll signalisiert werden, dass diese Werke auf lange Sicht Bestand haben. Wie seht ihr dieses Manöver?

Das ist das klassische „Teile und Herrsche“. Es wird hier jetzt versucht, die anderen Belegschaften zu streicheln. Wir haben die gleiche Erfahrung gemacht, als es um die Werksschließung von Antwerpen ging. Damals wurde uns gesagt, wir seien das "Gewinnerwerk" und bei uns würden jetzt zig Millionen investiert. Aber zum Schluss heißt das für alle Opel-Belegschaften wieder, das die Ausbeuteroffensive verstärkt durchgezogen werden soll. Der Kapitalist investiert nur, um wieder Maximalprofit herauszuschlagen. Maximalprofit erhalte ich, wenn ich den Menschen die Löhne kürze und aus weniger Leuten mehr heraus hole.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen setzt auf eine "Arbeitsgemeinschaft Bochum Perspektive 2022" und orientiert auf "neue Investoren und Ideen". Welche Konsequenzen zieht ihr daraus?

Das sind Lügen, Luftschlösser und Nebelbomben, die hier gezündet werden um die Leute zu verwirren und Angst zu machen. Natürlich versuchen die jetzt uns weich zu kochen. Außerdem wird versucht Spaltung zwischen Jung und Alt zu erzeugen. Sie lassen nichts unversucht, einen erbitterten Kampf um dieses Werk zu verhindern. Sie wollen nicht zulassen, dass diese Belegschaft hier ein Zeichen setzt. Das hat sie nun mit dem Ergebnis der Abstimmung schon getan, aber wir sind der Meinung, dass wer A sagt auch B sagen muss. B ist ein Schritt, der etwas mehr erfordert, als nur ein Kreuz auf einen Zettel zu machen. Hier geht es wirklich um alles und für jeden Einzelnen von uns steht eine Menge auf dem Spiel. Diese Entscheidung ist natürlich nicht einfach, aber sie muss getroffen werden.