Umwelt

Pferdefleisch-Skandal - die "Spitze eines Eisberges"

Pferdefleisch-Skandal - die "Spitze eines Eisberges"
Hackfleischproduktion - was drin ist, weiß niemand (rf-foto)

12.04.13 - Der erst im Februar aufgedeckte, europaweite Skandal wegen nicht deklariertem und mit Medikamenten belastetem Pferdefleisch in Fertiggerichten, der nach kurzer Zeit aus den bürgerlichen Medien wieder verschwunden ist, geht weiter. Niederländische Kontrolleure deckten jetzt auf, dass der niederländische Großhändler Willy Selten im ungeheurem Ausmaß Pferdefleisch falsch etikettiert und verkauft hat. Die Firma kann die Herkunft von 50.000 Tonnen (50 Millionen Kilogramm) Fleisch nicht nachweisen, die zwei Jahre lang europaweit vertrieben wurden und in den Verzehr gelangten. Der Großhändler, inzwischen im Insolvenzverfahren, hat das Fleisch an mindestens 500 Betriebe geliefert. In Deutschland sollen 124 Betriebe betroffen sein. Fleischhändler, Metzgereien oder weiterverarbeitende Lebensmittelfirmen.

Es ist nicht nur "ein zweiter Fall", wie der verbrecherische Umgang mit unseren Nahrungsmitteln verharmlost werden soll. Ein Nahrungsmittelskandal jagt den anderen. Die internationale Produktion von Futter- und Nahrungsmitteln wird von wenigen Agrar- und Lebensmittelmonopolen beherrscht, ist dem rücksichtslosen Diktat des internationalen Finanzkapitals unterworfen. Immer mehr Nahrungsmittel sind verdreckt, mit Schadstoffen oder Medikamenten belastet sind.

Erst vor wenigen Wochen ist aufgedeckt worden, dass der marktbeherrschende Handelsgigant "Alfred C. Toepfer International" trotz seit Oktober 2012 bestehenden Warnungen zehntausende Tonnen mit krebserregenden Schimmelpilzen verseuchten Mais aus Serbien importiert und an Futtermittelhersteller geliefert hat. "Toepfer International" gehört zu 80 Prozent der "Archer Daniels Midland Company" (USA), einer der weltweit führenden Verarbeiter von agrarischen Rohstoffen mit weltweit 30.000 Beschäftigten. Die Methode war verbrecherisch, der hoch belastete Mais ist mit geringer belasteten anderen Komponenten auf gesetzeskonforme Werte "verdünnt" worden.

Genauso argumentiert der niederländische Fleischhändler Selten, es seien ja "nur einige Pferde" unter dem Fleisch gewesen. Beim "Dioxinskandal" der Ende 2010 bekannt wurde, hat das Chemieunternehmen "Harles und Jentzsch" mindestens 3000 Tonnen dioxinbelastetes Fett als Futterfett verkauft. Das verseuchte Futterfett wurde "verdünnt" - insgesamt ging es in 150.000 Tonnen Futtermittel auf.

Die Bundesregierung betreibt nach dem erneuten Pferdefleischskandal wieder Spurenverwischung, indem nach "Schuldigen im Ausland" gesucht wird. SPD-Chef Gabriel verspricht gar bei einem SPD-Wahlsieg die Schaffung einer "europäischen Lebensmittelpolizei". Doch die Schuldigen sitzen in Chefetagen der Lebensmittel- und Agrarmonopole, die in der industriell organisierten Landwirtschaft und Massentierhaltung alles verwerten, was der Maximierung des Profits dient. Nach dem Dioxinskandal wurde 2011 das Lebensmittel- und Futterrecht "reformiert", Meldepflichten ohne Fristen und die Möglichkeit der straffreien Selbstanzeige inklusive. Amtliche Kontrollergebnisse werden im Interesse der Lebensmittel-und Handelsmonopole in Deutschland nicht veröffentlicht. Statt großangelegter "Rosstäuscherei", indem die "Schnäppchenjagd des Verbrauchers" für mitschuldig erklärt wird, müssen die Verantwortlichen belangt und strafrechtlich verfolgt werden.