Politik

Ein Flughafen, den niemand braucht …

Kassel (Korrespondenz), 17.04.13: So der Tenor des bundesweiten Presse-Echos auf die Eröffnung des neuen Flughafens Kassel-Calden. Tatsächlich ist mit Paderborn der nächste Flughafen gerade mal 70 Kilometer entfernt. Und genau dorthin mussten die ersten Fluggäste gefahren werden. Mit dem Taxi. Auf Kosten der Fluggesellschaft. Den ersten Flug hatten gerade mal sechs Passagiere gebucht. Die Abfertigungshallen werden auch in den nächsten Wochen gähnend leer sein.

Was hatte man nicht alles versprochen: 600.000 Fluggäste pro Jahr, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze ... Interessant nur, dass sich bei diesen brillanten Aussichten über zehn Jahre kein privater Investor gefunden hat. Nun, das ist ja nach der Eröffnung alles nicht so wichtig. Auf einmal stellen die Verantwortlichen fest, dass generell bei Regionalflughäfen fast nirgends Gewinne gemacht werden. Bis 2020 sei man auf Zuschüsse angewiesen. Auf Deutsch: bisher hat der Steuerzahler alles gezahlt und das soll auch so bleiben.

Immerhin: Es "bleibt bei 271 Millionen Euro" Gesamtkosten ("HNA", 2.4.13). Endlich mal was Positives. Bedauerlich nur, dass die "HNA" die Kleinigkeit vergessen hat, dass diese Summe durch eine 80prozentige Kostenüberschreitung von ursprünglich geplanten 150 Millionen Euro zustande kam.

Bisher dachte der Bürger, dass ein Flughafen zum Starten und Landen von Flugzeugen da ist. Aber auch die fehlenden Fluggäste stören plötzlich den Geldgeber Bertram Hilgen (SPD), Oberbürgermeister von Kassel, nicht mehr. Er stellte fest, die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens sei wichtiger als Urlaubsflüge ("HNA", 5.4.13). Wäre es angesichts dieser genialen strategischen Sicht nicht konsequent, Flughäfen auf dem Lande gleich ganz ohne Flüge zu planen? Nur einfach so. Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung.