Opel Berichte

Lebhafte und kontroverse Diskussionen über Streikaufruf bei Opel in Bochum: "Worauf sollen wir noch warten?"

17.04.13 - Der Aufsichtsrat der Opel AG hat heute dem Plan der GM-Spitze zugestimmt, das Bochumer Werk bereits bis Ende 2014 zu schließen. Unter dem Titel "Bochumer - Heute Warnstreik: Wir melden uns zu Wort!" erschien schon am Morgen eine Extra-Ausgabe der gemeinsamen Zeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, "Der Blitz". Darin heißt es unter anderem:

"Heute will der Aufsichtsrat entscheiden, unseren Zafira ab Januar 2015 in einem anderen Werk zu bauen und Bochum zu schließen. Wir können nicht zulassen, dass eine handvoll geldgieriger Manager über das Schicksal tausender Arbeiter und ihrer Familien entscheiden! ...

Mit der Ablehnung des Erpresservertrags haben wir unseren Stolz zurück gewonnen. Nach all dem Verzicht, dem Mobbing und der Drohungen haben wir ein Zeichen gesetzt: Wir lassen uns nicht mehr erniedrigen! In ganz Deutschland gratulieren uns Kollegen, egal in welcher Branche: 'Das habt ihr Bochumer richtig gemacht.'

Der neue Europa-Chef von GM, Neumann, lehnt kategorisch nachträgliche Verhandlungen ab. Jetzt wollen sie uns auch noch die Schuld für die drohende Werksschließung geben. Wer erpresst und schließt denn die Werke - wir oder GM? Diese Frechheit verdient eine klare und entschiedene Antwort! Das 'Nein' war richtig - Jetzt müssen wir diesen Weg auch konsequent weiter gehen." (Vollständiger Text der Extra-Ausgabe)

Dieser Aufruf hat zu lebhaften kontroversen Diskussionen in der Belegschaft geführt. Eine Korrespondenz berichtet darüber: "Viele Kollegen sind ausdrücklich dafür bzw. halten die Zeit für überreif, jetzt einen Streik zum Erhalt der Arbeitsplätze zu führen. 'Wir lassen uns nicht länger verarschen. Worauf sollen wir noch warten, alle Tatsachen liegen doch auf dem Tisch!' Der Stolz, sich der Erpressung nicht gebeugt zu haben, ist ungebrochen: 'Ich würde jeder Zeit wieder mit NEIN stimmen.'

Es gibt aber noch viele zu klärenden Fragen: 'Trifft ein Streik Opel in Zeiten von Kurzarbeit?', 'Ein Streik wird lange dauern, halte ich das finanziell durch?' oder 'Kann die Schließung überhaupt noch verhindert werden?' Die Opelaner müssen mit der zersetzenden Wirkung des seit Monaten statt findenden medialen Trommelfeuer über das angeblich unabwendbare Ende von Opel Bochum fertig werden.

Es sprach sich auch eine nicht zu unterschätzende Minderheit der Kollegen noch gegen einen Streik aus, weil sie befürchten, dass 'dann alles noch schlimmer wird und Opel gleich zumacht'. Den ganzen Tag über und besonders in den Pausen waren heute auffallend viele Vorgesetzte und Führungskräfte in den Produktionsbereichen präsent. Der Gedanke, den Kampf aufzunehmen und entschlossen zu führen, wurde am heutigen Tag gestärkt. Viele Kollegen diskutieren, wie er organisiert werden kann. Es hat sich gezeigt, dass das letzte Wort in Sachen Schließung von Opel Bochum noch lange nicht gesprochen ist."