International

Menschenhandel und moderne Sklaverei nehmen weltweit zu

16.04.13 - Seit Jahren steigt weltweit die Zahl der Opfer von Menschenhandel an. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass 20,9 Millionen Menschen weltweit unter moderner Sklaverei leiden. Sie werden zur Zwangsprostitution und Zwangsarbeit gezwungen. Wie viele Menschen es genau sind, könne wegen der hohen Dunkelziffer kaum konkreter beziffert werden. Menschenhandel zählt neben illegalem Drogen- und Waffenhandel weltweit zu den lukrativsten kriminellen Geschäften und ist der am schnellsten wachsende kriminelle Bereich.

So wie der Drogen- und Waffenhandel ist der Handel mit Menschen unter Kontrolle der weltweit organisierten Kriminalität, die mit den Staatsapparaten vieler Länder und Teilen des internationalen Finanzkapitals aufs engste durchdrungen ist. Die Geldsumme, die pro Tag weltweit alleine im Drogenhandel zirkuliert, beläuft sich nach UNO-Angaben auf mindestens 820 Millionen US-Dollar.

Die von EU-Kommissarin Cecilia Malmström am letzten Wochenende veröffentlichten Zahlen von 23.600 Opfern in den Ländern der EU zwischen 2008 und 2010 stützen sich nur auf die "offiziellen Opferzahlen" und sind beschönigend. Obwohl 2011 ein EU-Gesetz gegen den Menschenhandel beschlossen wurde, haben das nur Tschechien, Lettland, Finnland, Ungarn, Polen und Schweden fristgemäß Anfang April umgesetzt. Die Bundesregierung verzögert ihre Umsetzung ebenfalls.

Die österreichische Zeitung "Der Standard" berichtete am 8. Oktober 2012: "Nach Schätzungen leben und arbeiten mindestens 880.000 Menschen in Europa unter sklavenähnlichen Bedingungen, 76 Prozent von ihnen als Prostitutierte, meist sind es Frauen und Kinder. Der Rest teilt sich auf die Bereiche Zwangsarbeit, Organhandel und illegale Adoption auf. Der Handel findet zunehmend zwischen EU-Ländern statt". Jedes Jahr werden allein in Europa etwa 500.000 Frauen zur Prostitution gezwungen. Detlef Ubben, ehemaliger Chefermittler des LKA Hamburg im Bereich Menschenhandel und Zwangsprostitution, schätzt, dass bis zu 95 Prozent der rund 2.250 Prostituierten in Hamburg nicht freiwillig arbeiten ("zeit-online", 11.10.12).

Das Risiko der Menschenhändler, bestraft zu werden, ist sehr gering. Das einzige "Beweismittel" sind die Opfer selbst, die aber aufgrund ihrer schwierigen sozialen und rechtlichen Situation unter großem Druck stehen. Es ist natürlich richtig, dass Polizeibehörden international versuchen, gegen den Menschenhandel anzukämpfen. Aber wie beim Drogen- und Waffenhandel sind sie hier weltweit mit einem undurchdringlichen Sumpf aus Verbrecherbanden, korrupten Teilen des Staatsapparats und Teilen des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals konfrontiert. Menschenhandel und Zwangsprostitution sind eine dekadente Erscheinung der Fäulnis des Imperialismus und der besonderen Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen. Sie werden erst mit dem weltweiten Sturz des Imperialismus verschwinden.