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Bangladesch: Landesweite Demonstrationen und Generalstreik gegen mörderische Arbeitsbedingungen

Bangladesch: Landesweite Demonstrationen und Generalstreik gegen mörderische Arbeitsbedingungen
Protest von Textilarbeitern in Bangladesch nach einem der verheerenden Fabrikbrände der letzten Jahre (foto: Taslima Akhter)

29.04.13 - Nach wie vor wird in den Trümmern der eingestürzten Textilfabrik in der bengalischen Hauptstadt Dhaka nach Überlebenden gesucht. Offiziell werden 379 Todesopfer gemeldet - rund 900 Menschen werden noch vermisst. Der Besitzer des Fabrikgebäudes, Sohel Rana, wurde gestern an der indisch-bengalischen Grenze verhaftet, nachdem bereits am Samstag drei Chefs der im Gebäude ansässigen Textilfabriken sowie zwei Ingenieure festgenommen worden waren.

Hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter streiken und protestieren seit Tagen vor allem in der Region Dhaka gegen ihre katastrophalen Arbeitsbedingungen. Viele der 4.500 Textilfabriken des Landes mussten vorübergehend geschlossen werden. Das Zentralkomitee der MLPD erhielt einen Brief von Hasan Tarique Chowdhury, Mitglied der Internationalen Abteilung der Kommunistischen Partei von Bangladesch, in dem er schreibt:

"Liebe Genossinnen und Genossen, wahrscheinlich seid ihr schon über den tragischen Einsturz des Hochhauses in der Savar-Region von Bangladesh (ca. 25 Kilometer von der Hauptstadt Dhaka) am 24. April 2013 informiert, das Tausenden von Textilarbeitern den Tod brachte, darunter viele Textilarbeiterinnen und Kinderarbeiter. Die Regierung des Landes versucht, die Zahl der Toten zu vertuschen, aber täglich bergen die Rettungskräfte neue Leichen von Arbeiterinnen und Arbeitern.

Die Kommunistische Partei von Bangladesh (CPB) hat schon immer gegen die gefährlichen Arbeitsbedingungen protestiert, die in den meisten Textilfabriken herrschen. So sind viele Fabriken gebaut worden, ohne die notwendigen Bau-Regeln oder die staatlichen Bauvorschriften einzuhalten. ... Die Kommunistische Partei von Bangladesh (CPB) stellt fest, dass dieser massenhafte Tod kein Unfall ist, sondern ein vorsätzlicher Mord durch die profithungrigen Eigentümer der Fabriken.

Die Partei fordert die sofortige Verhaftung der schuldigen Fabrikbesitzer, schnelle Rettungsarbeiten seitens der Regierung, angemessene Entschädigung für die Toten und die verletzten Arbeiterinnen und Arbeiter, den Schutz des menschlichen Lebens am Arbeitsplatz, die Garantie für freie gewerkschaftliche Betätigung im Textilsektor. ... Außerdem fordern wir die Festlegung des Mindestlohns auf 8.000 Taka (=78 Euro) und die entsprechenden Erhöhung des Lohnes für jede Lohnstufe.

Die CPB hat zu einer landesweiten Demonstration am 29. April und zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen, um für diese Forderungen Druck auf die Regierung und die Fabrikbesitzer auszuüben. Wir sind uns sicher, dass dieser ernst gemeinte Kampf der Arbeiterklasse einen Sieg erringen wird."

"rf-news" wird weiter darüber berichten. Zuvor hatte sich Monika Gärtner-Engel, Europa-Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, mit einer Solidaritätserklärung an alle Textilarbeiterinnen und -arbeiter sowie alle an den Massenprotesten Beteiligten gewandt, die sie der in Bangladesch lebenden stellvertretenden Asien-Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz zusandte. Darin schreibt sie unter anderem:

"Liebe Freundinnen, tief bestürzt haben wir von der Tragödie erfahren ... . Wir sind mit euch sehr sehr traurig und erschüttert. Wir sind aber auch sehr wütend über dieses vermeidbare Unglück, dessen Ursache sich nur mit kapitalistischer Profit-Sucht beschreiben lässt. ... Immer sehe ich die beeindruckenden Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter aus der Versammlung bei unserem Besuch vor Augen!

Wir stehen mit ganzem Herzen hinter der Massenprotestbewegung, die sich entwickelt, und fordern mit euch die lückenlose Aufklärung und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden! Kämpfen wir gemeinsam und solidarisch für ein Leben unter lebenswerten Bedingungen, ohne Ausbeutung und Unterdrückung."