International

Breite Proteste gegen Leiharbeit in der Türkei

04.05.13 - In einer zum 1. Mai herausgegebenen Extra-Ausgabe der Zeitschrift "Türkei aktuell" wird dazu Folgendes berichtet:

"In der Türkei arbeiten rund 1,7 Millionen Menschen bei Zeit- bzw. Leiharbeitsfirmen. Rund zwei Drittel von ihnen sind in Betrieben des öffentlichen Dienstes beschäftigt. Dabei betrug die Zahl der Leiharbeiter im öffentlichen Dienst zu Beginn der Amtszeit der AKP-Regierung im Jahre 2002 rund 15.000.

Die große Mehrheit der Leiharbeiter bekommt lediglich den Mindestlohn von umgerechnet 350 Euro. Die Zahl von Leiharbeiter, die nach mehrmonatiger Beschäftigung aufgrund fehlender gesetzlicher Schutzbestimmungen ohne Lohn und Abfindung auf die Straße gesetzt werden, geht in die Zigtausende. Auch die Ansprüche auf zusätzliche Sozialleistungen, Urlaub etc. sind für sie Fremdwörter.

Das Arbeitsministerium wird demnächst einen Gesetzentwurf ins Parlament einbringen, mit dem die rechtlichen Rahmenbedingungen der Leiharbeit geregelt werden soll. Nach Angaben von Gewerkschaften dient der Gesetzentwurf nach seiner jetzigen Form lediglich dazu, das Land als ein Paradies für Zeit- bzw. Leiharbeitsfirmen weiter auszubauen. ...

Der Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums stellt den Leiharbeitern in Aussicht, in Gewerkschaften eintreten zu dürfen. Bis heute hatten sie keinen Rechtsanspruch darauf. Allerdings ändere diese Regelung nichts am arbeiterfeindlichen Charakter des Gesetzentwurfs, kritisierte die Generalsekretärin des Gewerkschaftsbunds DISK, Arzu Cerkezoglu. ...

In den Reihen der Gewerkschaften hat sich in den letzten Monaten Widerstand formiert. So nahmen Ende März in Izmir rund 10.000 Arbeiter an einer Demonstration teil. In zahlreichen Betrieben wurden gewerkschaftsübergreifende Arbeitsgruppen gebildet, die Proteste gegen Leiharbeit organisierten."