Politik

Gladio-NATO-Terror in Luxemburg: "Ex-Premier Santer hat gelogen"

30.04.13 - In Luxemburg werden in den kommenden Wochen prominente Politiker im "Bombenleger"-Prozeß aussagen müssen. Wie jetzt bekannt wurde, waren der frühere Premier Jacques Santer und sein Nachfolger Jean-Claude Juncker über die Beteiligung von "Stay behind"-Truppen (Gladio) der NATO bei den Bombenanschlägen auf Strommasten, Gebäude und Wohungen in den 1980er Jahren informiert (siehe auch "rf-news"-Artikel vom 13.4.13).

"Als die Geheimarmee in Luxemburg 1990 aufflog, war Santer Premier", sagte der Schweizer Terrorismus-Experte Daniele Ganser der Tageszeitung "Junge Welt". "Vor dem Parlament sagte er damals, er sei überrascht, dass es diese Geheimarmee auch in Luxemburg gab, er habe nichts darüber gewusst." Jetzt, 23 Jahre später, seien während des Prozesses Dokumente aufgetaucht, die bewiesen, dass Santer sehr wohl über die Existenz der Geheimarmee informiert gewesen sei. "Er hat also 1990 gelogen", so Ganser.

Während die Presse in Luxemburg ausführlich über das "Jahrhundertverfahren" berichtet, wird der Terrorprozess hierzulande medial weitgehend ignoriert. "Fragen zum CIA-Terrorismus sind in Deutschland tabu", sagte Ganser. Wer sie aufwerfe, werde als "Verschwörungstheoretiker" diffamiert. "Das ist ein Kampfwort, es heißt nichts anderes als: 'Bis hierhin darfst du denken und sprechen. Aber keinen Schritt weiter!'"

Daniele Ganser leitet das "Swiss Institute for Peace and Energy Research" (SIPER) in Basel. Er hat das Buch "NATO-Geheimarmeen in Europa - Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung" (Orell Fuessli-Verlag) verfasst. Es kann unter anderem über den Webshop "www.people-to-people.de" bestellt werden.