Politik

Schulen weisen Jugendoffizieren die Tür

Schulen weisen Jugendoffizieren die Tür
foto: bundeswehr

08.05.13 - Passend zum Antikriegstag am 1. September findet die Verleihung des Aachener Friedenspreises statt. Wie am 8. Mai bekannt gegeben wurde, geht der nationale Preis in diesem Jahr an drei Schulen, die der Militär-PR-Show keine Tribüne bieten. Auch dieses Datum passt. Ist doch der 8. Mai der Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus.

Die "Käthe-Kollwitz-Schule" im hessischen Offenbach, die "Hulda-Pankok-Gesamtschule" in Düsseldorf und das "Robert-Blum-Gymnasium" in Berlin sind die diesjährigen Preisträger. In allen drei Schulen bleiben so genannte "Jugendoffiziere" der Bundeswehr vor der Tür. "Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden. Und wir wollen auch nicht, dass sich die Bundeswehr als friedensschaffende Kraft anpreisen kann", steht im entsprechenden Beschluss der "Käthe-Kollwitz-Schule".

Die mutigen Beschlüsse wurden jeweils von den Schulkonferenzen gefasst. Das ist in jeder Hinsicht zu begrüßen. Denn das, was die Bundeswehr im Jahresbericht 2011 verharmlosend als Informationsveranstaltung für "Sicherheitspolitik" bezeichnet, ist nichts anderes als Werbung für eine Karriere bei der Bundeswehr. Pervers, wie dabei internationale Schauplätze imperialistischer Kriege zu Abenteuerspielplätzen verklärt. Der berechtigte Befreiungskampf unterdrückter Völker und der Arbeiter weltweit wird als "Terrorismus" verzerrt und so der Antikommunismus schon bei den Schulkindern verankert. Die Bundeswehr hat Werbung auch bitter nötig. Mit einem Drittel liegt die Abbrecherquote der Bundeswehr-Freiwilligen weit über dem Durchschnitt bei Auszubildenden.

Wie das praktisch aussieht, schilderte der unabhängige linke Stadtverordnete Fritz Ullmann aus Radevormwald am Beispiel der Gemeinschaftsgrundschule Gummersbach vor einigen Monaten gegenüber der "Roten Fahne": "Nach dem, was wir zurzeit wissen, wird regelmäßig im Sachkundeunterricht für die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gebetet. Es gibt aber auch – wie wir zwischenzeitlich erfahren haben – weitreichendere Aktionen. So hat es zum Beispiel einen ökumenischen Gottesdienst gegeben, der von einem Militärgeistlichen mit betreut wurde. Das Ganze wurde unter Beteiligung der Schulklasse von Radio Andernach nach Afghanistan übertragen. Was die Schule im weiteren Sinne vorhat, sind Truppenbesuche und dergleichen mehr."

Das Engagement der drei Schulen findet vor dem Hintergrund einer wachsenden Bewegung gegen die Jugendoffiziere und ihre Propaganda an den deutschen Schulen statt. So wehren sich immer mehr Schülervertretungen gegen Bundeswehr-PR. Bündnisse wie "Schule ohne Bundeswehr in NRW" oder "Schule ohne Militär" sind entstanden. Der Jugendverband REBELL ist bundesweit aktiv gegen die Werbung der reaktionären Militärs.

Die Bundeswehr ist eine imperialistische Armee, die weltweit in Kriegen zur Ausbeutung und Unterdrückung der Volksmassen eingesetzt wird. Dieser Armee kein Mann und erst Recht kein Kind! Die Bundeswehr hat an Schulen nichts zu suchen! Der Aachener Friedenspreis 2013 ist ein Signal an alle Schüler und Lehrer, sich dieser widerlichen Propaganda-Show zu widersetzen.

Wer wissen will, welche Rolle die Bundeswehr weltweit spielt und wie man sich gegen Militarismus und Söldnerromantik wehren kann, der ist auf dem 16. Internationalen Pfingstjugendtreffen genau richtig. Es findet vom 18. bis 19. Mai in Gelsenkirchen statt.