Umwelt

Gemeinsame Umwelt-Protestaktion gegen Kohlekraftwerk Moorburg und Bergbau-Folgen in Kolumbien

Gemeinsame Umwelt-Protestaktion gegen Kohlekraftwerk Moorburg und Bergbau-Folgen in Kolumbien
Deriz Paz (links) und Aldo Amaya Daza (Mitte) auf der "Jolly-Rogers-Bühne" beim Hafengeburtstag

11.05.13 - Anlässlich des diesjährigen Hamburger Hafengeburtstages fanden zwei sehr interessante Solidaritätsaktionen statt, zu denen auch von der MLPD und der Montagsdemo in Hamburg aufgerufen wurde. Das Hamburger Umweltbündnis "Gegenstrom 13" hatte dazu Deriz Paz, Umweltaktivistin aus Kolumbien und Vertreterin des indigenen Volkes der Wayuu, sowie Aldo Amaya Daza, Vorstandmitglied der Bergarbeitergewerkschaft Cintracarbon aus Kolumbien, eingeladen. Ein Korrespondent aus Hamburg berichtet:

"Die Hamburger Aktivisten machen seit Jahren mobil gegen das im Bau befindliche Riesen-Kohlekraftwerk Moorburg, das seinerzeit von schwarz-grünen Senat freigegeben worden war und vom SPD-Senat mit Hochdruck weiter vorangetrieben wird. Die Aktivisten hatten herausgefunden, dass der Energiekonzern Vattenfall, der Betreiber von Moorburg, seine Kohle durch Sonderkonzessionen von Cerrejón aus Kolumbien bezieht. Der im Kohlebergbau in Bolivien am meisten engagierte internationale Finanzkonzern ist die Deutsche Bank. Deshalb besuchten Aktivisten aus Hamburg im März die kolumbianischen Umweltschützer und Bergarbeiter, die im Kampf gegen dieselben Konzerne wie wir hier stehen und luden sie nach Hamburg ein.

Deriz Paz berichtete auf der Auftaktveranstaltung vor etwa 60 Zuhörern, dass die ca. 400.000 Wayuu mit am härtesten betroffen sind vom meist im Tagebau betriebenen Kohleabbau. Durch die Umwelt- und Wasserverschmutzung verlieren sie oft ihre Lebensgrundlage und nicht selten auch ihre Gesundheit. Ganze Gemeinden sind außerdem von Vertreibung durch geplante Minenerweiterungen bedroht. Die Wayuu wehren sich mit friedlichen Blockaden und verschiedenen weiteren Protestformen. Sie berichtete von einem ersten großen Erfolg, dass die Umleitung eines Flusses verhindert werden konnte.

Aldo Raul Amaya Daza, der zweite kolumbianische Gast, ist Vorstandsmitglied der Minenarbeitergewerkschaft Sintracarbón, bei der die Arbeiter von Cerrejón in Kolumbien organisiert sind. Durch einen fünfwöchigen Streik Anfang 2013 legte Sintracarbón die Produktion der weltweit größten Kohlemine still ("rf-news" hatte mehrfach berichtet - Anm. der Red.). Es ging neben Lohnerhöhungen auch um die Rechte der Leiharbeiter, um Anerkennung der zahlreichen chronischen Erkrankungen als Berufskrankheiten, wie auch um umweltpolitische und soziale Anliegen in der Region. Die Bergarbeiter unterstützen das Volk der Wayuu im Kampf zur Verteidigung ihrer Umwelt und lassen sich davon auch nicht durch die Spaltungsversuche abbringen, dass damit ihre Arbeitsplätze in Gefahr seien. 

Auf Nachfrage berichtete er in der Versammlung ausführlich, dass sie eigentlich auch geplant hatten, an der 1. Internationalen Bergarbeiterkonferenz Anfang März in Peru teilzunehmen. Aber leider konnte er wegen des Streiks nicht hinreisen. Mehrere andere kolumbianische Bergarbeiter nahmen allerdings daran teil. Er schätzte die Konferenz als einen hervorragenden Beitrag zur gegenseitigen weltweiten Unterstützung der Bergarbeiter ein, und dass die Initiatoren, mit denen er sich hier in Deutschland kürzlich getroffen hatte, eine tolle Arbeit gemacht haben. Er berichtete auch von der auf der Konferenz beschlossenen Solidaritätsadresse an den Streik der Bergarbeiter in Kolumbien.

Die Hafenblockade am Freitag Nachmittag fand ebenfalls in Anwesenheit der kolumbianischen Gäste statt und war ein voller Erfolg. Zeitgleich fanden in Kolumbien in Bogota vor dem Umweltministerium Protestaktionen statt, mit denen man per Internet in Kontakt stand. Auf der offiziellen 'Jolly-Rogers-Bühne' (Jolly-Rogers ist eine der bekanntesten Fan-Kneipen des FC St.Pauli und nimmt mit einer eigenen Bühne traditionell am Hafengeburtstag teil) wurde den tausenden Passanten die Aktion erklärt und zum Protest aufgerufen.

Auf den etwa 20 Booten waren über 100 Menschen an der Blockade direkt beteiligt, während Hunderte von Land aus Beifall klatschten. Über zwei Stunden war so die gesamte Hauptfahrrinne dicht. Im Anschluss fuhren alle 20 Schiffe zur Baustelle des Kohlekraftwerkes nach Moorburg. Ein 60 Meter langes Transparent wurde ausgerollt: 'Menschenrechte statt Milliardenprofite!' Aktivisten für den Aufbau einer Umweltgewerkschaft hatten einen Stand aufgebaut, um für dieses Projekt und die Strategiekonferenz der Umweltbewegung am Pfingstmontag zu werben."