Umwelt

EU und Agrarmonopole drängen auf Einheitssaatgut - Landwirte und Gärtner protestieren

EU und Agrarmonopole drängen auf Einheitssaatgut - Landwirte und Gärtner protestieren
Protestplakat gegen Monsanto aus Argentinien (foto: surysur.net)

07.05.13 - Die Europäische Kommission will den Landwirten und Gärtnern in der EU in Zukunft die Verwendung von Einheitssaatgut vorschreiben. Das sieht eine Verordnung vor, mit der eine Neuregelung des europäischen Saatgut-Marktes im Interesse der internationalen Agrochemie-Monopole durchgesetzt werden soll. Diese EU-Saatgutverordnung dient der Konzentration von Saatgut in den Händen weniger Multis. Die drei Agrochemie-Monopole Monsanto, DuPont und Syngeta kontrollieren heute bereits 53 Prozent des weltweiten Saatgut-Marktes.

Die geplante EU-Verordnung bedeutet, dass Landwirte dann nur noch amtlich zugelassenes Saatgut verwenden dürfen. Vorgesehen sind kostspielige Testverfahren, die nur industrielle Sorten der Agrarkonzerne bestehen können. Beim Tausch nicht zugelassener Saatgut-Sorten drohen hohe Geldstrafen. Seit Jahren macht die Lobby der Agrarindustrie in Brüssel Stimmung für einen weiteren Schritt in Richtung Saatgut-Kartell. Ziel ist die Kontrolle der gesamten Lebensmittelproduktion durch einige wenige Großkonzerne.

Viele alltägliche Obst- und Gemüsesorten wie Gurken, Broccoli und Melonen, wollen sie patentieren und Züchter quasi dazu zwingen, sie für das Saatgut zu bezahlen oder eine Anklage zu riskieren, wenn sie es nicht tun. Den Landwirten in der EU bleibt dann keine andere Wahl, als teure Lizenzgebühren für ihr Saatgut zu bezahlen. Andernfalls droht ihnen eine patentrechtliche Klage der multinationalen Agrochemie–Monopole.

Bis zum Jahr 2013 hat Monsanto 142 Prozesse wegen angeblicher Patentverletzungen bei Saatgutarten geführt. Dies geht aus einem Bericht der Organisation "Center for Food Safety" hervor. 410 Landwirte waren darin verwickelt. Mehr als 23 Millionen Dollar an so genannte "Entschädigungszahlungen" hat der Konzern auf juristischem Weg aus den Bauern herausgepresst. Mit dem verstärkten Anbau von Monokulturen entstehen massive Umweltschäden. Die Artenvielfalt geht verloren, während der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft immer weiter zunimmt. Bereits seit längerem ist der Anbau von uralten Getreidesorten, die ohne jegliche Pestizide auskommen und resistent sind gegen Schädlingsbefall, von der EU unter dem Diktat der Agrarmonopole verboten.

Viele konventionelle und lokal angepasste, seltene und alte Sorten von Gemüse, Obst und Getreide würden damit aus dem Anbau verschwinden. Dieses Saatgut wurde bislang vorwiegend in kleinen Mengen im Tauschhandel weitergegeben. Von den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission, dass auch Privatleute oder Hobbygärtner ihr selbst gezüchtetes Saatgut in Zukunft nicht einmal mehr verschenken dürfen, scheint die EU nach einer ersten europaweiten Protestwelle Abstand zu nehmen.

In einer Internetkampagne haben sich nach kurzer Zeit nahezu zwei Millionen Menschen gegen die geplante Saatgutverordnung ausgesprochen. Auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, eine Lobbyistin der Agrarmonopole, ruderte inzwischen in den Medien zurück. Im Kampf gegen den beschleunigten Umschlag in eine weltweite Umweltkatastrophe, zu dem der Rückgang der Artenvielfalt maßgeblich beiträgt, ist ein enger Schulterschluss der Arbeiter- und Umweltbewegung mit der Masse der Landwirte und Bauern notwendig.