Betrieb und Gewerkschaft

Bundesweite Warnstreiks der IG Metall: "Wir sind bereit zum Streik"

Bundesweite Warnstreiks der IG Metall: "Wir sind bereit zum Streik"
Diese von Ford-Kollegen selbst gemachte Tafel gibt die Stimmung der meisten Kolleginnen und Kollegen wieder (rf-foto)

13.05.13 - Bundesweit haben kampfbereite Metaller heute wieder Warnstreiks für ihre Forderungen zur Tarifrunde durchgeführt. In Baden-Württemberg beteiligten sich zehntausende Kolleginnen und Kollegen. In Bayern gab es Warnstreiks unter anderem bei BMW und Audi. In Sachsen waren die Belegschaften von zehn Betrieben beteiligt, unter anderem bei den VW-Werken in Zwickau und Chemnitz. Eine der größten Kundgebungen mit über 11.000 Metallern verschiedener Betriebe fand heute Vormittag vor dem Ford-Werk in Köln statt. Seit dem 1. Mai traten laut IG Metall schon über 400.000 Beschäftigte in Warnstreiks. Sie fordern 5,5 Prozent mehr Lohn und 60 Euro mehr für die Auszubildenden. Aus Köln berichtet ein Korrespondent:

"In zwei Demonstrationszügen kamen die Ford-Kollegen aus den unterschiedlichen Werksbereichen zur Kundgebung vor dem Tor 3. Mit großem Gejohle wurden sie von Delegationen aus mehr als 24 anderen Betrieben empfangen. Tausende waren mit über 50 Bussen gekommen. Große Gruppen von Auszubildenden waren dabei. Viele Kolleginnen und Kollegen forderten in Gesprächen, dass nun richtig gestreikt werden muss. Auf einer der zahlreichen selbst gemachten Papptafeln und Transparente war zu lesen: 'Wir sind bereit für Streik'. Ein Haupttransparent hatte die Aufschrift: 'Mer stonn zosamme - Ford-Belegschaft & Leihbeschäftigte'. Einige Vertrauensleute und Kollegen sammelten Spenden für einen Streik der Opelaner. Von der Wählerinitiative 'Ernst Herbert' wurde ein Flyer zur Solidarität mit dem Tarifkampf der Fordler verteilt, der ebenfalls zur Solidarität mit den Opelanern aufforderte. Auch Verkäufer der 'Roten Fahne' waren erfolgreich im Einsatz."

Beim zweiten Warnstreik in München bekräftigten heute mehrere tausend Metallerinnen und Metaller ihre Forderungen. In einer Korrespondenz heißt es: "Die Stimmung war kämpferisch, aber auch ausgelassen, was das hohe Selbstbewusstsein im Industrieproletariat widerspiegelt. 'Die Lebenshaltungskosten laufen uns davon, wir brauchen das Geld', so eine Epcos-Kollegin. Eine Leiharbeiterin berichtete, dass sie mit 1.260 Euro Netto abgespeist wird und trotz Conti-Schicht noch einen Nebenjob macht.

Redner der IG Metall trugen der kämpferischen Stimmung Rechnung und kritisierten das unzureichende Angebot des Unternehmerverbands von effektiv nur 1,9 Prozent als 'Nullnummer'. Eine JAV-Sprecherin bekräftigte: 'Aufgeben ist keine Option für die IG Metall-Jugend!'

Um die Forderungen durchzusetzen, muss 'richtig gestreikt' werden, so die verbreitete Meinung an der Basis. Ohne die Entfaltung der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft muss ein fauler Kompromiss herauskommen - das zeigt die Erfahrung. Deshalb muss man hellhörig werden, wenn IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Lischka betonte: 'Entweder bekommen wir in den Verhandlungen ein gutes Ergebnis - oder es gibt Urabstimmung und Streik.'"

Wie aber soll ohne Urabstimmung und Streik ein "gutes Ergebnis" erreicht werden? Die heutigen Warnstreiks zeigen, dass die Stimmung an der Gewerkschaftsbasis für einen richtigen Streik wächst. Die Voraussetzungen dafür sind günstig. Angesichts des Unmuts über die Verschärfung der Ausbeutung und die Arbeitsplatzvernichtung in den Betrieben sind die Monopole in der Defensive und wollen einen längeren Streik in der Metallindustrie möglichst vermeiden. Vor allem käme er der Regierung unmittelbar vor den Bundestagswahlen äußerst ungelegen. Angesichts weiterer Tarifauseinandersetzungen unter anderem im Einzelhandel kann die Kampfkraft der Beschäftigten in den verschiedenen Branchen zusammen kommen und dadurch noch größere Wirkung erzielen.

Umso mehr stößt es im Ruhrgebiet auf Kritik, dass ausgerechnet die noch tarifgebundene Belegschaft von Opel in Bochum bei den laufenden Warnstreiks ausgespart wird. Offenbar geht die Angst vor einem selbständigen Streik gegen die geplante Werksschließung so weit, dass sogar darauf verzichtet wird, die Bochumer Belegschaft zu gewerkschaftlichen Streikaktionen aufzurufen. Zum Kampf der Opelaner wird es auf dem 16. Internationalen Pfingstjugendtreffen eine Diskusionsrunde geben - am Sonntag von 17.15 bis 18.45 Uhr. Alle "rf-news"-Leser sind herzlich eingeladen.