Politik

"Gute Nacht G8" - Proteste gegen Turbo-Abi und Leistungsdruck an Schulen

17.05.13 - In Düsseldorf haben am Mittwoch etwa 300 Schüler gegen die Vorverlegung des Abiturs vom Ende des 13. auf das 12. Schuljahr und für die Rückkehr von der 8- zur 9-jährigen Schulzeit an Gymnasien demonstriert. Das Motto der Demo hieß: "Gute Nacht G8 - Gegen Turbo-Abi und Leistungsdruck". Die Schülerinnen und Schüler kritisieren vor allem, dass sie z.B. schon im Alter von 15 Jahren 36 Wochenstunden plus Hausarbeiten bewältigen müssen. Durch den prall gefüllten Schulalltag mit eng getakteten Prüfungen und abendfüllenden Hausaufgaben haben die meisten nur noch am Wochenende Zeit für Sport oder andere Aktivitäten. Vereine und Jugendorganisationen beklagen einen deutlichen Mitgliederschwund bei Kindern und Jugendlichen.

In Nordrhein-Westfalen wurde das "Turbo-Abitur" an den Gymnasien 2005 eingeführt. Nach den bundesweiten Bildungsprotesten 2009 und 2010 mit hunderttausenden Beteiligten wurde 2010 den Gymnasien in NRW freigestellt, wieder zu G9 zurückzukehren. Diese scheinbare Wahlfreiheit für die Schulen scheitert aber in der Regel schon an der viel zu komplizierten Stundenplanung bzw. führt in der Praxis zu noch mehr Durcheinander und Stundenausfall.

Die protestierenden Schüler und Eltern richten sich daher auch gegen das Chaos durch paralleles G8 und G9 - sie wollen die Rückkehr zu G9. Eine völlige Zersplitterung prägt mittlerweile die Landschaft der weiterführenden Schulen in Deutschland - hier nur G8, dort G8 und G9, dann wieder nur G9, und schließlich modifiziertes G8 plus G9. Schulwechsel sind kaum noch möglich.

Schon am 6. Mai demonstrierten im hessischen Fulda Eltern und Kinder gegen G8 mit Rufen wie: "Wir wollen G9, Kinder sollen sich freun!" Eltern trugen Plakate mit der Aufschrift: "G8 macht unsere Kinder krank!" Das wird von den meisten Medizinern bekräftigt: Schüler leiden verstärkt unter Stress und Bewegungsmangel. In Hessen wurde zwar das alleinige G8 nach vielen Protesten wieder abgeschafft, aber Schüler der Klassen 5 und 6 müssen bis zum "Auslaufen" von G8 weiterhin in dieses Schulsystem eingegliedert werden.

Auch in Bayern gibt es eine breite Ablehnung von G8. Viele bayrische Gymnasiallehrerinnen und -lehrer lehnen das G8 als eines reines "Sparmodell" zu Lasten der Schüler ab. Sowohl in Hamburg als auch in Bayern gibt es breit unterstützte Initiativen zur Wiedereinführung von G9. Thomas Becker von der bayrischen "Aktion gute Schule" kritisiert das G8 als "die Spitze eines Eisbergs eines nicht funktionierenden Schulsystems".

Tatsächlich ist die gesamte "Reform" des Bildungssystems im Wesentlichen bestimmt durch eine wachsende soziale und politische Auslese. Das ist verbunden mit der Verschlechterung der Situation der breiten Masse der Schüler, Studenten und Lehrlinge. Notwendig ist eine gründliche Schul- und Berufsausbildung bei genügend Zeit für Sport und andere Aktivitäten! Dazu braucht man ein kostenloses und einheitliches Schulsystem vom Kindergarten bis zur Hochschule, wie es unter anderem die MLPD fordert. Dem entsprechend ist auch eine einfache Rückkehr zu einem 9-jährigen Gymnasium und damit ein Jahr längerer kopflastiger Schule keine wirkliche Lösung. Gegen geistige Bevormundung und Unterdrückung kritischen Denkens – für freie politische Betätigung in Schule und Hochschule!

Das wird auch Thema auf dem 16. Internationalen Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen sein, das heute beginnt. Am Samstag um 15 Uhr gibt es eine rebellische Berufsberatung im Hotspot "Arbeit und Bildung". Und am gleichen Tag findet um 16 Uhr eine Gesprächsrunde "Bildungssystem in Deutschland - Rebellion gerechtfertigt" im Treff des Jugendverbands REBELL statt. Alle Interessierten sind noch herzlich eingeladen!