Opel Berichte

Astra-Verlagerung aus Rüsselsheim bestätigt: "Werksschließung in Bochum von langer Hand geplant"

07.06.13 - Nach neuesten Informationen des "Handelsblatts" plant die GM/Opel-Konzernleitung, die Fertigung des Astra bereits Anfang 2015 vom Stammwerk Rüsselsheim ins polnische Opel-Werk Gliwice zu verlagern. Rainer Weinmann, Ersatz-Betriebsratsmitglied bei Opel in Bochum, dazu heute gegenüber "rf-news": "Wenn heute in den Medien offiziell gemeldet wird, dass der Astra von Rüsselsheim ins polnische Gliwice verlagert werden soll, bestätigt das nichts anderes, als dass die Werksschließung in Bochum von langer Hand geplant war. Dadurch werden in Rüsselsheim die Produktionskapazitäten geschaffen, um die Zafira-Produktion aus Bochum abzuziehen zu können."

Dass dem so ist und die Werksschließung in Bochum keineswegs auf angebliche "hohe Verluste" in Bochum zurückzuführen ist, zeigt auch die Bekanntgabe von GM-Chef Daniel Akerson auf der Hauptversammlung in Detroit am Donnerstag, man habe "das Geschäft in Europa stabilisiert". Die GM-Töchter Opel und Vauxhall hatten unter anderem durch Stellenabbau die angeblichen "Verluste beinahe halbieren" können. Außerdem habe man im schrumpfenden europäischen Markt den eigenen Anteil auf Kosten von Konkurrenten erhöht. Auch die sinkenden Marktanteile waren stets als eine Begründung für die Schließung von Bochum und Verlagerung des Zafira angeführt worden. Wenn dies alles der wirkliche Grund wäre, müsste GM seine Schließungspläne nun postwendend rückgängig machen ...

Tatsächlich wird vor dem Hintergrund der Astra-Verlagerung auch den Rüsselsheimer Opelanern immer deutlicher, dass es genauso um ihre Arbeitsplätze geht. Es gibt deshalb verstärkte Kritik am Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug, der die Werksschließung von Bochum mit dem "Erpresservertrag" der Konzernleitung abgezeichnet hat. Als Zugeständnis schlägt er mittlerweile selbst etwas kritischere Töne an.

Empörend ist jedoch, dass er vor wenigen Tagen seine Teilnahme an der für Montag geplanten Belegschaftsversammlung in Bochum endgültig abgesagt hat. Ist es Zufall, dass gleichzeitig in Rüsselsheim immer wieder eine Stimmungsmache kursiert, "nach Bochum könne man nur noch mit Bodyguards"?

Rainer Weinmann berichtet "rf-news" auch über die aktuelle Auseinandersetzung unter der Belegschaft: "Am Mittwoch gab es bereits auf der Info-Stunde der IGM-Vertrauensleute eine intensive Auseinandersetzung zwischen den zwei Wegen: Kapitulation oder Kampf um jeden Arbeitsplatz. Zur Kapitulation führt die Orientierung auf die Einigungsstelle, die letztlich keinen anderen Zweck hat, als das Werk abzuwickeln. Die andere Richtung lehnt das genau aus diesem Grund ab und spricht sich für einen entschlossener Kampf aus, der an den Erfahrungen von 2004 anknüpft. Nur so können wir unsere Zukunftsinteressen durchsetzen. Und diese Auseinandersetzung wird nun ausgetragen.

Ob wir den Weg von 2004 fortsetzen oder uns den Profitinteressen von GM/Opel unterordnen, das wird auch Thema auf der Belegschaftsversammlung am Montag sein. Wir wissen doch, was auf uns wartet, wenn es zur Werksschließung kommt. Wir wissen, was mit den Kollegen passiert ist, die bereits eine Abfindung genommen haben. Das ist vielleicht erst mal viel Geld. Nach einigen Jahren ist davon nichts mehr übrig, aber die Arbeitsplätze sind weg. Ich bin sehr optimistisch, dass die Belegschaft davor nicht kapitulieren und den Kampf aufnehmen wird."

Rainer Weinmann ist selbst von Drohungen durch die Geschäftsleitung in Bochum betroffen, die in direktem Zusammenhang mit der viereinhalbstündigen Arbeitsniederlegung am 21. Mai stehen. Inzwischen wurde ihm sogar eine schriftliche Abmahnung angedroht. Rainer Weinmann:

"Bei einem Personalgespräch mit mir, an dem auch die Betriebsrätin meines Vertrauens, Annegret Gärtner-Leymann, und der Betriebsrats-Vorsitzende Rainer Einenkel teilnahmen, wurde versucht, den politischen Hintergrund dieser Sache heraus zu halten. Ich habe klargemacht, dass ich sie als politische Repression einstufe und dass wir sie auch als solche behandeln werden. Wir werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen - juristisch und politisch. Allerdings ist es auch Ausdruck der Hilflosigkeit und Defensive der Werksleitung, wenn sie nun versuchen, sich einzelne Kollegen heraus zu greifen. Schon jetzt wird breit darüber diskutiert, auch auf den Info-Versammlungen."