Umwelt

Dramatische Entwicklung der Hochwasserkatastrophe

08.06.13 - Einige Pegelstände sinken, so der der Saale in Halle. Von Entwarnung kann jedoch nicht die Rede sein. Mehrere aufgeweichte Deiche in Halle und Umgebung drohen zu brechen, ebenso ein Damm nahe der Saale-Mündung in die Elbe zwischen Bitterfeld und Magdeburg. Für Magdeburg selbst wird der Pegelhöchststand der Elbe für heute Nachmittag erwartet. Vom Elb- und Donauhochwasser sind auch weitere europäische Länder massiv betroffen, wie Österreich, die Slowakei, Ungarn, Polen und Tschechien.

Zur Stunde melden die Medien, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg Zehntausende von Menschen jetzt Hals über Kopf evakuiert und vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Offenbar werden die konkreten Vorwarnungen durch die Hochwasserzentrale an die örtlichen Krisenstäbe viel zu kurzfristig erteilt. Dadurch verschärfen sich die Probleme für die Betroffenen und die Rettungskräfte noch zusätzlich.

In den niederbayerischen Landkreisen Deggendorf und Straubing herrscht nach wie vor höchste Alarmstufe – und für heute Nachmittag sind bereits neue Starkregenfälle in Gewittern vorhergesagt.

Das Ausmaß der Verwüstungen für die Menschen, von Gebäuden und Straßen, von Landwirtschaft und Wasserversorgung, Straßen und Schienen in den betroffenen Gebieten ist noch überhaupt nicht abzuschätzen. Ein Korrespondent berichtet: "Außerdem braut sich sowohl in Niederbayern als auch in Sachsen beim 'stehenden' Hochwasser ein gefährlicher Giftcocktail aus Heizöl, Chemikalien und Fäkalien zusammen, dessen Folgen für das Grundwasser und die Böden wohl noch nicht abzusehen sind."

Viele Privatleute sind nicht gegen die Hochwasserschäden versichert. Keineswegs jedoch, weil sie das nicht wollten. Nein, es wird ihnen verwehrt. Versicherungskonzerne weigern sich zum Beispiel, in Köln Gebäude in der Nähe des Rheins zu versichern.

Es ist ein Witz, wenn Bayerns Wirtschaftsminister Markus Söder es als großzügige Hilfe bezeichnet, wenn Hochwasseropfer mit – schnell ausbezahlten – 1.500 Euro abgespeist werden. Auch die von Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesicherten Millionen sind ein Klacks im Vergleich zu den Bankenrettungsschirmen.

Die Selbstorganisation mit ihrer solidarischen Hilfe und ihrem uneigennützigen Einsatz ist das wichtigste Faustpfand der Massen. Immer neue Initiativen werden bekannt ("rf-news" berichtete mehrfach).

Dagegen scheitern Hochwasserschutz und Krisenmanagement der bürgerlichen Politik auf ganzer Linie. Es ist blanker Zynismus, wenn Thomas de Maizière bei seiner Visite der eingesetzten Bundeswehrkräfte in Sachsen-Anhalt kommentiert: "Das Einsatzprinzip ist, dass man präventiv arbeitet. Das bedeutet, dass auch da Soldaten und Soldatinnen da sind, wo noch nichts los ist, damit nichts passiert in Zukunft."

Tatsächlich ist nach dem letzten sogenannten Jahrhunderthochwasser sehr wenig passiert an konkreten präventiven Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Zum Teil wurden Dämme, Deiche und Mauern erhöht und verstärkt. Wenn aber, wie z.B. in Bayern, gleichzeitig täglich acht Hektar Boden versiegelt werden, hilft das wenig. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Deggendorf des Bunds Naturschutz deckte auf, dass der Hochwasserschutz in der Vergangenheit der Donaukanalisierung geopfert wurde. Wirklich nützliche Maßnahmen wie Rückverlegung von Deichen und die Reaktivierung natürlicher Hochwasserräume wie der Auen und Moore müssen im Kampf durchgesetzt werden.

Der FDP-Politiker Rainer Brüderle und der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, kritisieren Bürgerinitiativen und Umweltverbände – an ihrem Protest scheiterten angeblich notwendige Flutwände und ähnliche Projekte. Das stellt die Tatsachen auf den Kopf. Wirksame Maßnahmen wurden allein im Kampf durchgesetzt. Natürlich gibt es auch Fälle, wo Leute auf kleinbürgerliche Privilegien nicht verzichten wollen. FDP und BDI haben es gerade nötig, die Massen zu beschimpfen! Was haben Monopole und Staat denn zustande gebracht, was den Menschen Vertrauen in ihre Machenschaften einflößen könnte?

Tatsächlich ist es die Profitwirtschaft einer Handvoll Übermonopole weltweit, die für eine heraufziehende Klimakatastrophe und weitere Faktoren des Übergangs in eine globale Umweltkatastrophe verantwortlich ist. Dazu gehören extreme Wetterschwankungen, eine Zunahme von Überschwemmungen, von Trockenperioden, von extremer Kälte. Weltweit verursachen diese Extremwetterlagen nicht nur wachsende ökonomische Schäden, sondern führen direkt den Tod Hunderttrausender Menschen herbei, weitere Millionen werden zu Flüchtlingen.

Die erneute "Jahrhundertflut" ist eine ernste Mahnung, die internationale Widerstandsfront zur Rettung der Umwelt aufzubauen und für den echten Sozialismus zu kämpfen.

(Mehr dazu auch in der nächsten Druckausgabe der "Roten Fahne"- sie kann hier bestellt werden)