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"Taksim ist überall" - so auch beim gestrigen Konzert von "Grup Yorum" in Oberhausen mit begeisterter Solidarität für den Kampf der Opelaner

"Taksim ist überall" - so auch beim gestrigen Konzert von "Grup Yorum" in Oberhausen mit begeisterter Solidarität für den Kampf der Opelaner
Plakat zur Ankündigung des Konzerts am 8. Juni 2013 in Oberhausen

09.06.13 - 10.000 Menschen fanden gestern Abend den Weg nach Oberhausen in die dortige Arena. Keineswegs nur Ruhrgebietsbewohner: aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern kamen die Besucherinnen und Besucher zum Konzert der bekannten türkischen Band "Grup Yorum".  Das begeisternde und mitreißende Konzert - als Veranstaltung der Solidarität mit den Opfern der neofaschistischen Mörderbande NSU geplant und angekündigt - bekam durch die aktuelle Entwicklung in der Türkei eine ganz neue Dimension.

Während "Grup Yorum" in Oberhausen spielte, waren nach Berichten von Augenzeugen in Istanbul Hundertausende zu Demonstrationen, Protesten und Festen versammelt. Immer wieder gab es vom Konzert aus Live-Schaltungen zum Taksim-Platz, Solidaritätsadressen zwischen den Stücken und Liedern, den Ruf "Taksim ist überall" und vor allem "Tayyip istifa!" ("Erdogan hau ab!"). Für "Grup Yorum" eine Selbstverständlichkeit und eine Ehre, diese Massenrebellion durch ihre Musik zu unterstützen.

"Grup Yorum" wurde 1985 von Studentinnen und Studenten an der Istanbuler Universität gegründet. Die Band griff Elemente anderer fortschrittlicher Musiker und Gruppierungen auf, darunter Inti Illimani, Victor Jara, Quilapayun und Mikis Theodorakis, und stellte sich in den Dienst des antiimperialistischen und des Kampfes für demokratische Rechte und Freiheiten. Sie singen nicht nur auf türkisch, sondern auch in weiteren Sprachen, die in Anatolien gesprochen werden - wie Kurdisch, Arabisch und Tscherkessisch. "Grup Yorum" setzt sich dafür ein, dass die in Anatolien lebenden Minderheiten das Recht bekommen, ihre Muttersprache frei zu sprechen.

Ihre Musik setzt sich zusammen aus Volksliedern, Melodien aus der Schwarzmeerregion, lateinamerikanischen Hymnen und Rock. Bei einem Konzert unter freiem Himmel im April 2013 kamen 550.000 Leute. Mehrfach schon waren ihre Alben beschlagnahmt, Mitglieder der Band verhaftet und ins Gefängnis geworfen worden. Eine Sängerin und eine Violinistin der Gruppe wurden vom türkischen Polizeiapparat brutal misshandelt. Auch zur Zeit sitzen Band-Mitglieder im Gefängnis.

Andrej Hunko, der für die Partei "Die Linke" dem Bundestag angehört, kritisierte die Politik des Erdoğan-Regimes als repressiv und antidemokratisch. Den größten Beifall erhielt er an der Stelle, an der er die Parallelen zum "Frankfurter Kessel" zog. Diesen brutalen Polizeieinsatz gegen die "Blockupy"-Demonstration am 1. Juni hatte der Abgeordnete am eigenen Leib erlebt.

Begeisterung kam auf, als mit Annegret Gärtner-Leymann und Lisa Gärtner zwei revolutionäre Opel-Arbeiterinnen das Wort ergiffen und im Namen der Opelaner die Menschen am Taksim-Platz in Istanbul grüßten.

"Wir stehen zur Zeit im Kampf um unser Werk und um unsere Arbeitsplätze. Das Werk soll geschlossen werden. Wir sind solidarisch mit dem Kampf der Menschen in der Türkei", rief Annegret Gärtner-Leymann von der Betriebsratsliste "Offensiv" bei Opel in Bochum den Konzertbesuchern zu. "Aber wir sind nicht nur solidarisch. Es ist ein gemeinsamer Kampf! ...
Es geht nicht nur um ein paar Arbeitsplätze. Es ging auch nicht nur um ein paar Bäume. Es geht darum, wie wir in Zukunft leben wollen. In einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung oder in einem solch menschenverachtenden System. Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Opel! Erdoğan muss zurücktreten!" Jubel!

Lisa Gärtner warb dafür, sich für eine lebenswerte Zukunft zu organisieren. "Einen Finger können sie brechen, doch fünf Finger bilden eine Faust!" "One Solution - Revolution" skandierte das Publikum.

Eine der Organisatorinnen kam in der Pause auf Genossinnen und Genossen der MLPD zu, die zum begeisterten Konzertpublikum gehörten. Ob die MLPD mit der Gruppe sprechen möchte? Gesagt, getan: acht MLPD-Vertreterinnen und -Vertreter führten ein sehr freundschaftliches und von gegenseitiger Aufgeschlossenheit geprägtes Gespräch mit Caner Bozkurt, einem Mitglied von "Grup Yorum". Ein Opel-Arbeiter entbot den politischen Gefangenen in der Türkei solidarische Grüße und forderte ihre umgehende Freilassung.

Daraufhin sagte Caner Bozkurt: "Wir stehen auf der Seite der Arbeiter. Für sie singen wir unsere Lieder." Monika Gärtner-Engel, stellvertretende Parteivorsitzende, stellte die MLPD als Vertreterin des revolutionären Flügels der linken Kräfte in Deutschland und als ICOR-Mitglied vor. Die MLPD war auch mit einem Stand präsent, an dem der migrantenpolitische Sprecher der MLPD, Dirk Willing, zahlreiche Gespräche mit Besuchern führte und die türkischsprachige Literatur der MLPD vorstellte.

"Wir werden weiter den Weg des Sozialismus auf der Welt und in Deutschland verbreiten", betonte Caner Bozkurt im Gespräch. "Wir hoffen, dass wir in diesem Kampf noch stärker und besser werden!"

Worauf Monika Gärtner-Engel ihm die türkischsprachigen Ausgaben von "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" und "Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau - Eine Streitschrift" überreichte!