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Nicaragua: Gigantisches Kanalprojekt in der Kritik

15.06.13 - Die sandinistische Regierung in Nicaragua unter Führung von Präsident Daniel Ortega hat im Eiltempo den Bau eine Kanals zwischen Atlantik und Pazifik beschlossen. Dieses Megaprojekt soll ausgelegt werden auf moderne Riesen-Containerschiffe, denen der 600 Kilometer südlich gelegene Panamakanal zu klein ist. Den Zuschlag für den Bau erhielt die Hongkonger Firma HKND Group. In der trügerischen Erwartung eines wirtschaftlichen Aufschwungs sind neben der Wasserstraße eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, zwei Häfen und ein Flughafen geplant. Für den Bau werden 40 Milliarden US-Dollar (30,3 Milliarden Euro) veranschlagt. HKND Group soll 49 Prozent der Aktien halten, der Staat Nicaragua 51 Prozent.

Umweltschützer und indigene Gruppen protestierten unmittelbar gegen dieses Projekt, welches zwangsläufig den Nicaragua-See kreuzen wird, der mit einer Oberfläche von 8.200 Quadratkilometern das größte Süßwasserreservoir Mittelamerikas bildet. Unweigerlich betroffen ist die tierische und pflanzliche Artenvielfalt Lateinamerikas.

Unvergessen die sandinistische Revolution von 1979, welche den Diktator Anastasio Somoza Debayle stürzte. Jahrelang bauten die Massen ihr Land auf, im Kampf gegen von den USA unterstützen Contras. Sie wurden zum Vorbild für die viele Völker und vor allem die Jugend weit über Mittelamerika hinaus.

Tatsächlich verfolgten die Sandinisten aber nicht konsequent den revolutionären sozialistischen Weg der nationalen Befreiung, sondern liebäugelten auch mit den damals noch vorhandenen revisionistischen Ländern. Später traten sie der sozialdemokratischen Sozialistischen Internationale bei. Anfang der 1990er Jahre verloren sie an Ansehen in der Bevölkerung, sind jedoch seit den Wahlen 2006 wieder an der Regierung.

Es wirft viele Fragen auf, wenn "linke" Regierungen solche Entscheidungen treffen und in zweifelhafter Erwartung eines wirtschaftlichen Aufschwungs leichtfertig die nationalen Trinkwasserressourcen aufs Spiel setzen. Nach kapitalistischer Logik wird Wasser forciert zur Ware und zum begehrten Spekulationsobjekt.

Unvergessen der Wasserkrieg in Cochabamba (Bolivien), wo 1999/2000 die Bevölkerung mutig gegen die Privatisierung der Wasserversorgung kämpfte. Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die dortige antiimperialistische Regierung hält bis heute Kurs gegen Umweltzerstörung und Ausplünderung des Landes durch ausländische Großkonzerne.

Angesichts der beschleunigten Entwicklung zur globalen Umweltkatastrophe steht die Menschheit am Scheideweg - Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft – international!

No Pasarán!