Betrieb und Gewerkschaft

Bosch-Aktionstag: "Arnstadt und Venisseux - wir kämpfen den gleichen Kampf"

Bosch-Aktionstag: "Arnstadt und Venisseux - wir kämpfen den gleichen Kampf"

28.06.13 - Von Bosch-Werken aus dem ganzen Bundesgebiet und aus dem französischen Solarwerk Venisseux waren die Kolleginnen und Kollegen gestern zur Bosch-Zentrale in Gerlingen bei Stuttgart gekommen, um der Solidarität mit ihren Kollegen der Solarsparte Ausdruck zu verleihen und um gegen die beschlossene Schließung durch den Bosch-Vorstand zu streiken und zu protestieren. Der Vorstand hatte am 22.3.2013 beschlossen, die gesamte Solarsparte zu schließen mit über 3.000 Beschäftigten. Ein Korrespondent berichtet:

Im Arnstädter Werk (Thüringen) wurde ein Streiktag eingelegt! Um 3.00 Uhr nachts wurde die Produktion heruntergefahren und um 3.30 Uhr fuhr die komplette Belegschaft mitsamt den Auszubildenden mit 21 Bussen nach Gerlingen zur Bosch-Konzernzentrale. Gekommen waren sie auch aus den Werken in Brenzlau, Oldenburg, Neunkirchen (Sachsen), Zwickau, von Bosch Rexroth in Schweinfurt, Nürnberg, Reutlingen, aus den Stuttgarter Werken und noch viele andere, so dass es schließlich über 2.000 wurden.

Eine große Delegation war aus dem ebenfalls von Stilllegung bedrohten Werk in Venisseux gekommen. Der Kollege Marc berichtete: "Ende 2009 sollte das Werk schon einmal geschlossen werden. Wir kämpften ein Jahr dagegen an und die Schließung wurde abgewehrt. Bosch übernahm das Werk und die Fertigung von Modulen wurde gestartet. Wir waren glücklich und stolz. Wir hatten wieder Hoffnung geschöpft und jetzt wird das alles zerstört. Bei uns geht es um 240 Arbeitsplätze und weitere 1.000, die indirekt betroffen sind." Aber: "Wir sind nicht am Boden. Wir werden mit euch kämpfen. Arnstadt und Venisseux – wir kämpfen den gleichen Kampf – alle zusammen!"

Der Vertreter der IG Metall aus Erfurt stellte heraus, dass Bosch ein Exempel statuieren will, indem erstmals ein ganzer Bereich geschlossen werden soll. Er kritisierte, dass "eine Zukunftstechnologie aufgegeben wird". Viel Beifall bekam er für die Losung: "Keiner darf am Ende bei Hartz IV landen." Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Alfred Löckle orientierte auf eine Bosch-typische "Auffanglösung" und appellierte an den Vorstand, dass "eine Schließung auch wirtschaftlich die allerschlechteste Lösung" sei. Unter Solidarität verstand er, dass "Geschäft an andere Standorte übertragen wird". Damit meinte er, dass Aufträge von anderen Werken nach Arnstadt kommen.

Das bedeutet Spaltung der internationalen Konzernbelegschaft und letztlich nichts anderes als vor den Stilllegungsplänen zu kapitulieren und die Arbeitslosigkeit auf viele Werke zu verteilen. Ihre Solidarität mit dem Kampf der Kollegen brachten auch Mitglieder der MLPD zum Ausdruck. Sie hatten ein Transparent mit der Losung "Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft" mitgebracht; dabei waren auch Vertreter der Linkspartei und von der "Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V.". Diese hatten eigens eine Solidaritätserklärung an die Kollegen der Solarsparte mitgebracht, verteilt und für den Aufbau einer Umweltgewerkschaft geworben.

Verschiedene Kollegen sprachen wir darauf an: "Wie geht es jetzt weiter in Arnstadt? Habt ihr euch überlegt, jetzt zum selbstständigen und unbefristeten Streik überzugehen, wie das die Kollegen bei Opel in Bochum jetzt intensiv diskutieren?" Dieser Gedanke war vielen neu und belebte die Diskussion sichtlich. Manch einer aus der Region Stuttgart erinnerte sich dabei an die konzernweiten Streiks 2004, welche die Pläne des damaligen Bosch-Vorsitzenden Fehrenbach, zu einer 40-Stundenwoche zurückzukehren, zu Fall brachten. In diesem Sinne meinte ein Kollege: "Es wird Zeit, dass wir ein Exempel statuieren!" Und ein Kollege aus Nürnberg brachte es auf den Punkt: "Es müsste im ganzen Bosch-Konzern gestreikt werden, so dass es richtig knirscht!"