Umwelt

Brandrodungen mit dramatischen Folgen in Südostasien

Brandrodungen mit dramatischen Folgen in Südostasien
Brandrodung auf Madagaskar (foto: Diorit)

27.06.13 - Eine riesige giftige Rauchglocke, "Haze" genannt, überzieht einen großen Teil der Region von Indonesien, Malaysia und Singapur. Hervorgerufen wird sie durch Brandrodungen in Indonesien und Malaysia. In einigen Gebieten Malaysias musste bereits der Notstand ausgerufen werden. "Selbst die Hochhäuser verschwinden im Rauch. ... Nirgends kann man sich der Luftverschmutzung entziehen. Gesichtsmasken und Luftreiniger sind vergriffen. Die meisten Menschen laufen ohne jeden Atemschutz herum, da es keinen gibt. Das geschieht überall in Indonesien und so ganz nebenbei werden die letzten frei lebenden Orang-Utans getötet", schreibt der in Singapur lebende Autor Soenke Scharnhorst in seinem Internet-Blog.

Die aktuelle Luftverschmutzung in der Region ist fast doppelt so hoch als im Jahr 1997, dem bisher schlimmsten in der Geschichte. Damals wurden neun Millionen Hektar Land vernichtet, wodurch laut "Greenpeace" 2,5 Billionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre aufstiegen - 10 Prozent der weltweiten Emissionen des ganzen Jahres. Das lässt erahnen, welch gewaltiger Schub der CO2-Verschmutzung der Erdatmosphäre von der jetzigen Katastrophe ausgehen wird. "Greenpeace" zufolge ist zu befürchten, dass diese Feuer über Wochen weiter brennen.

Vom Auswärtigen Amt der Bundesregierung wird die Lage heruntergespielt, wenn lediglich von "periodisch auftretenden Smog-ähnlichen Luftverunreinigungen" gesprochen wird, die je nach Wetterlage schwanken könnten. Gleichwohl werden Urlauber gewarnt, dass sich die Werte noch verschlimmern könnten. Tatsächlich spielt sich hier eines der größten Umweltverbrechen ab.

Tausende Hektar stehen gegenwärtig in Flammen, Satellitenbilder zeigen allein in Indonesien rund 150 Brandherde. Dadurch soll unter anderem die Anbaufläche von Ölpalmen bis 2020 verdoppelt werden. Mit der gigantischen Brandrodung wird Boden für die Anpflanzung von Monokulturen gewonnen. Auftraggeber sind internationale Plantagen- und Lebensmittelkonzerne wie Asia Pacific Resources, die den Anbau von Akazien, Kautschuk und vor allem Ölpalmen forcieren.

Akazien sind schnell wachsende Bäume, die für die Papierherstellung angepflanzt werden. Palmöl wird auf riesigen Plantagen angebaut und wird in Lebensmitteln, Kosmetika, Putz- und Waschmitteln, aber auch für Biosprit verarbeitet. Es gilt mittlerweile als wichtigstes Pflanzenöl der Welt. In Malaysia und Indonesien werden zusammen über 85 Prozent der Weltproduktion hergestellt.

Brandrodung ist dort verboten, aber das schert die Auftraggeber - meist Plantagenbetreiber - wenig. "Vieles spricht dafür, dass nicht nur Firmen, sondern auch Polizei, Behörden und Politiker vom schmutzigen Geschäft profitieren. Es geht um blanke Korruption, um Vetternwirtschaft, um Geld gegen Wegschauen." ("FAZ", 26.6.13)

Niedergebrannt werden in Indonesien vorwiegend Regenwälder auf Torfmoorböden. Diese sind gigantische Kohlenstoffspeicher, sie enthalten bis zu 50-mal mehr Kohlenstoff als eine gleich große Fläche anderen Regenwaldes. Brandrodungen, die auch im Amazonas-Gebiet systematisch betrieben werden, sind einer der Hauptfaktoren des beschleunigten Übergangs in eine globale Umweltkatastrophe. Sie führen nicht nur zum drastischen unmittelbaren Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre, sie dezimieren zugleich die als "grüne Lunge" der Erde bezeichneten Regenwälder, die für die Rückverwandlung eines großen Teils des Kohlendioxids in Sauerstoff verantwortlich sind.

Zahlreiche Menschen und Umweltorganisationen protestieren bereits gegen dieses Umweltverbrechen und fordern den sofortigen Stopp der Brandrodungen. Dass sich die Verantwortlichen bisher darüber hinweg setzen, macht deutlich: eine höhere Qualität des aktiven Widerstands zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft ist notwendig. Die Umweltbewegung muss sich international zusammen schließen und gemeinsam mit der Arbeiterbewegung wirkungsvollere Kampfmittel wie politische Streiks zur Anwendung bringen. Das ist ein wesentliches Anliegen der Initiative für den Aufbau einer Umweltgewerkschaft (mehr dazu).