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Wohin fließen eigentlich die "Griechenland-Milliarden"?

Wohin fließen eigentlich die "Griechenland-Milliarden"?
Führungsriege des ESM - dritter von rechts: Klaus Regeling (foto: ESM)

25.06.13 - 207 Milliarden Euro wurden an Griechenland seit 2010 als sogenannte "Hilfe" überwiesen. Immer verbunden mit einer teils latenten, teils offenen Hetze gegen das griechische Volk, das "über seine Verhältnisse gelebt hat und jetzt die Hand aufhält". 180 Milliarden Euro kamen von Euro-Staaten und 53 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Was ist damit passiert? Fachleute von attac Österreich haben recherchiert, an wen diese Milliarden flossen. Das war eine mühsame Kleinarbeit, erklärt Lisa Mittendrein von attac: "Es ist ein Skandal, dass die EU-Kommission zwar Hunderte Seiten an Berichten veröffentlicht, aber nirgendwo auflistet, wofür das Geld konkret verwendet wurde."

Betrachtet man die Empfänger der Zahlungen, verwundert nicht mehr, warum man sich bei der EU lieber bedeckt hält: 77 Prozent - 160 Milliarden Euro - flossen direkt an Banken. 101 Milliarden Euro davon kassierten europäische Banker. Sie hatten dem griechischen Staat Kredite für horrend hohe Zinsen gewährt.

Weitere 58 Milliarden Euro flossen an zahlungsunfähige griechische Banken, um deren Verluste auszugleichen. Dadurch wurde z.B. der griechischen Milliardärsfamilie Latsis "geholfen", die große Teile der "Eurobank Ergasias" besitzt. Und auch Hedgefonds wie der griechische "Third Point" konnten sich über Gewinne von 500 Millionen Euro allein durch diese Schuldentilgung aus Steuergeldern freuen.

Welcher Geist dort herrscht, schlägt sich auch im Personal nieder: Chef der beiden "Rettungsfonds" EFSF und ESM ist Klaus Regeling. Er arbeitete vorher für die BRD-Regierung, davor für den Hedgefonds "Moore Capital Strategy Group", davor für die Europäische Kommission, davor für den Hedgefonds "Winton Futures Fund Ltd". Sein Lebenslauf steht exemplarisch für die Verschmelzung von Staat und allein herrschendem internationalen Finanzkapital und die Diktatur dieses Finanzkapitals.

Was wurde aus den verbleibenden 46,6 Milliarden Euro an "Hilfsgeldern"? Sie flossen in den griechischen Staatshaushalt. Gedeckt wurden damit vor allem zwei Großausgaben: die Zinszahlungen für laufende Kredite in Höhe von 34,6 Milliarden Euro. Mit weiteren 10,2 Milliarden Euro wurden "Verteidigungsausgaben" getätigt. Hier wurde nicht gekürzt, wie Insider berichteten, weil "die Regierungen in Berlin und Paris Druck auf Griechenland ausübten, da von der Kürzung deutsche und französische Rüstungskonzerne betroffen wären".

(Die gesamte Führungsriege des ESM findet man hier)