Umwelt

"Conergy" - das vorletzte große Solarunternehmen in Deutschland vor dem Aus

"Conergy" - das vorletzte große Solarunternehmen in Deutschland vor dem Aus
Das "Conergy"-Werk in Frankfurt (Oder) Foto: Rolf Lotys

06.07.2013 - Die Firma „Conergy" hat gestern als vorletztes großes Solarunternehmen Deutschlands Insolvenz angemeldet. 1.200 Beschäftigte müssen mit der Vernichtung ihrer Arbeitsplätze rechnen. Auch das letzte größere Unternehmen „Solarworld" hat schon Milliarden an Schulden angehäuft.

Noch 2007 war die deutsche Solarindustrie Weltmarktführer. Ihr Zusammenbruch ist Ergebnis der seit 2008 herrschenden und sich zurzeit deutlich verschärfenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise. In der gigantischen Vernichtungsschlacht zwischen chinesischen, europäischen und US-Solarfirmen um die Beherrschung des Weltmarkts mussten unter anderem Solon, Solar Millennium, Q-Cells, First Solar, Schott Solar und Sovello die Segel streichen. Heute liegt der Marktanteil chinesischer Firmen am EU-Solarmodul-Markt bei über 80 Prozent. Mit Hilfe massiver Finanzspritzen des chinesischen Staates und durch unmenschliche Ausbeutung eroberten die chinesischen Firmen mit Dumping-Preisen den europäischen Markt.

Nach Angaben des „Bundesverbandes Solarwirtschaft" existieren für Solarmodule weltweit Kapazitäten von 50 Gigawatt, während nur für 20 Gigawatt Solarmodule verkauft wurden. Mindestens zehn Millionen Wohngebäude allein in Deutschland hält der Verband für die solare Energieerzeugung für geeignet, nur zwei Millionen können sie aber bisher nutzen. Nicht der wirkliche Bedarf bildet also die Grenze des Welt-Solar-Marktes, sondern die Profitwirtschaft – das heißt: die Möglichkeit, das in diesem Bereich angelegte Kapital mit maximalen Profiten zu verwerten.

Dieses Krisenchaos verschärfte sich noch mit der Absenkung der Einspeisungsvergütung für Solarstrom um bis zu 30 Prozent durch die Bundesregierung zum 1. April, die stattdessen den großen deutschen Energiekonzernen für deren weltweiten Konkurrenzkampf um die Beherrschung der fossilen und atomaren Stromerzeugung Milliarden Euro zuschustert.

Die Vernichtung der deutschen Solarbranche zeigt einmal mehr, dass die beschworene „Vereinbarkeit von ökonomischem Erfolg mit effektivem Umweltschutz" ein Märchen ist. Zugleich wirft sie ein Schlaglicht auf die zu erwartende Zuspitzung der Weltwirtschaftskrise insgesamt.

Gegen die chinesischen Dumping-Preise geht die EU unterdessen mit Strafzöllen vor. Der Konflikt weitet sich dabei auch auf andere Wirtschaftszweige aus. Die Regierung in Peking will jetzt EU-Importe von legierten Stahlrohren und speziellen Chemie-Produkte mit Strafzöllen belegen. Die EU droht wiederum mit Sanktionen gegen chinesische Telekommunikationsausrüster.

Die großen deutschen Monopolverbände sind gegen eine solche Zuspitzung. Sie fürchten, dass dann die Wirtschaftskrise auch Deutschland voll erfasst. Denn der Waren- und vor allem der Kapitalexport in Länder wie China ist nahezu das einzige Ventil für den Abfluss der Überproduktion aus Deutschland. Aber auch da zeichnet sich ein Ende ab: Das Wachstum im riesigen Industriesektor Chinas ist im Juni erstmals seit Jahrzehnten zum Stillstand gekommen.