Umwelt

Schwere Trinkwasservergiftung jahrelang verschleiert

Schwere Trinkwasservergiftung jahrelang verschleiert
Der Löschschaum der Flughafenfeuerwehr kann die hohen PFT-Konzentrationen in den Boden gebracht haben. Foto: Avda

10.07.2013 - Seit Jahren ist den Behörden und der Landesregierung die hochgradige PFT-Verseuchung des Grundwassers im Düsseldorfer Norden bekannt. Jetzt ist auch das Trinkwasser der Nachbarstadt Duisburg akut gefährdet. Selbst beliebte Badeseen rund um Düsseldorf sind so verseucht, dass regelmäßige Schwimmer bei Blutproben ihre hohe Belastung feststellen mussten. PFT (Perfluoride Tenside) sind organische Verbindungen, die in der Natur nicht vorkommen. Sie werden in der Galvanik und der Fotoindustrie verwendet. Man macht damit Textilien oder Papier fett- und wasserabweisend außerdem können sie Bestandteil von Schmier- und Imprägniermitteln sein usw.

Bis vor wenigen Jahren wurden sie in hoher Konzentration beim Löschschaum der Feuerwehr eingesetzt. Der massenhafte Einsatz beim Brand des Düsseldorfer Flughafens, bei riskanten Flugzeuglandungen und Übungen scheint auch eine Hauptquelle der jetzt aufgedeckten hochgradigen Vergiftung des Grundwassers in Düsseldorf zu sein. PFT sind für Menschen und Tiere äußerst giftig und gelten vor allem als krebserregend. Das ist seit langem bekannt. Schon in den 1960iger Jahren wurden bei erkrankten Chemiearbeitern deutlich erhöhte Blutwerte von PFT festgestellt.

2006 wurde in einer Untersuchung in Niedersachsen PFT in gefährlicher Konzentration in Muttermilch gemessen. PFT sind extrem langlebig und können nur schwer abgebaut werden. Sie reichern sich auch in  Klärschlämmen der Wasserwerke an. Mit Aktivkohle lässt sich dieses Gift herausfiltern – aber das war den Verantwortlichen in Düsseldorf und der Landesregierung bisher zu teuer. Statt dessen rieten sie, hochgradig verseuchtes Wasser mit anderem Wasser so lange zu vermischen, bis die offiziellen Grenzwerte „stimmten“. Trotz einschränkender EU-Gesetze wurden und werden Produktion und Verwendung von PFT weitergetrieben.

Während Verantwortliche für die Trinkwasseraufbereitung deutlich Alarm schlugen, verschleiern Behörden und Regierungsverantwortliche seit Jahren das Ausmaß des sicherlich nicht auf Nordrhein-Westfalen beschränkten Umweltskandals.

Erst am 11. April diesen Jahres stellte das Landgericht Paderborn gegen die Zahlung von geringen Geldauflagen einen Prozess gegen vier Angeklagte ein, die im großen Stil verseuchte Klärschlämme aus Belgien und den Niederlanden nach Deutschland als Dünger verkauft hatten. Dieser Skandal war 2006 bekannt geworden, weil in Ruhr und Möhne gefährlich hohe PFT-Konzentrationen gemessen worden waren. Der Kreis Soest ließ daraufhin für 2,3 Millionen Euro ein Feld abbaggern, der Hochsauerlandkreis baute eine Drainage und Filteranlagen für 2,5 Millionen Euro, die Stadtwerke Arnsberg bezifferten den unmittelbaren Schaden auf 1,2 Millionen Euro. Die Angeklagten kamen mit einer Geldbuße von zusammen 400.000 Euro davon – die Prozesskosten trug die Landeskasse.

Der jüngste Skandal muss weiter aufgedeckt werden, die Verursacher müssen zu Kasse gebeten, Herstellung und Verwendung von PFT müssen verboten werden. Die MLPD wird dieses Umweltverbrechen zum Thema des anstehenden Bundestagswahlkampfs machen: "Rettet die Umwelt vor der Profitwirtschaft" heißt es auf einem ihrer Plakate.