Politik

150 Jahre Bayer - Ein Segen für die Menschheit?

150 Jahre Bayer - Ein Segen für die Menschheit?
Ein Fläschen Heroin aus der Bayer-Produktion foto: WPv_51

16.07.2013 - Mit viel Pomp, Pathos und Angela Merkel feiert heute das internationale Pharma-Übermonopol Bayer sein 150-jähriges Bestehen in der Kölner Messe. Es ist abzusehen, dass der Vorstand und die geladenen Monopolpolitiker sich in Lob und schönen Worten ergehen werden. Die dunklen Seiten der Firmengeschichte werden vermutlich nur eine Randrolle spielen.

Dabei gibt es in der Geschichte von Bayer mehr als genug Finsternis, in die dringend Licht gebracht werden müsste. Zwar hat das Pharma-Monopol mit Aspirin ein wichtiges Medikament erfunden – die erste Reinsynthese des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure gelang 1897 im Bayer-Stammwerk in Elberfeld – aber schon über der Person des Erfinders hängen bis heute dunkle Wolken.

Der jüdische Chemiker Arthur Eichengrün, mit hoher Wahrscheinlichkeit der Erfinder des Aspirins, wurde von den Hitlerfaschisten ins KZ Theresienstadt deportiert. Für Bayer gilt bis heute sein Kollege Felix Hoffmann als „Vater“ des Aspirins. Hoffmann ist allerdings eindeutig für ein ganz anderes, deutlich weniger segensreiches Medikament verantwortlich: Heroin! Zeitgleich mit Aspirin auf den Markt gekommen und als Hustenstiller für Kinder konzipiert, wurde das hohe Suchtpotential des Wirkstoffs schon früh deutlich. Trotzdem ging Bayer für seinen Maximalprofit auch hier über Leichen und führte eine 15-jährige globale Werbekampagne für das Präparat durch, bevor es 1931 angesichts von hunderttausenden Süchtigen weltweit vom Markt genommen werden musste.

Überhaupt sind die 1930er und 1940er Jahre das dunkelste Kapital der Firmengeschichte. Bayer wurde Bestandteil des riesigen Chemiemonopols IG Farben und profitierte nun richtig. Das Giftgas „Zyklon B“ für die Gaskammern der KZs', medizinische Versuche an Zwangsarbeitern - nichts war IG Farben zu dreckig. Im Nürnberger Prozess wurde festgestellt: „Unstreitig sind verbrecherische Experimente von SS-Ärzten an Konzentrationslager-Häftlingen vorgenommen worden. Diese Experimente sind zu dem ausdrücklichen Zweck erfolgt, die Erzeugnisse der IG Farben zu erproben.“

Doch auch in den letzten 30 Jahren sorgte Bayer für genügend „dunkle Flecken“ in der Firmengeschichte: In den 1980er Jahren infizierten sich laut Aussage der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ 80 Prozent aller Bluter weltweit durch Bayer-Medikamente mit HIV. Außerdem ist das Monopol der zweitgrößte Pestizidhersteller der Welt.

So ist Bayer und seine Hatz nach Maximalprofit bis heute mitverantwortlich für den beschleunigten Übergang in eine globale Umweltkatastrophe: Im Buch „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“ steht dazu: »Auf der Suche nach Maximalprofit bringenden Anlagemöglichkeiten haben die internationalen Agrar-, Chemie- und Lebensmittelmonopole die Landwirtschaft weltweit industrialisiert und ihren Kapitalinteressen unterworfen. Sie herrschen über große Teile der nutzbaren Böden und des Saatguts sowie über die Genbanken.«

Die andere Seite der Medaille ist die kampfstarke Belegschaft der Bayer-Werke. So erzählt Karl-Heinz Kunkel, ehemaliger Bayer-Mitarbeiter in Leverkusen zum Jubiläum: "Es gab und und gibt immer Kämpfe gegen Rationalisierungen und Ausgliederungen: 2006/2007 wollte das Management Arbeitsplätze ausgliedern. Da gab es jeden Montag große Demonstrationen. Wir haben uns das nicht gefallen lassen. Es gibt nach wie vor großen Unmut und Auseinandersetzungen innerhalb der Belegschaft, weil mittlerweile viereinhalb tausend Arbeitsplätze vernichtet worden sind. Und das obwohl Bayer von der Weltwirtschafts- und Finanzkrise nicht so gebeutelt worden ist."

Bayer weist eine historische Bilanz auf, auf die man nicht stolz sein sollte. Das wird die Feiernden heute natürlich nicht abhalten. Alle anderen sollte es zum Nachdenken anregen, ob ein Gesellschaftssystem, in dem ein Monopol mit solcher Geschichte Einfluss auf die Politik und das gesellschaftliche Leben hat, nicht längst auf den Kehrrichthaufen der Geschichte gehört.