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Zehntausende protestieren gegen Rassendiskriminierung in den USA

Zehntausende protestieren gegen Rassendiskriminierung in den USA
New York City (Foto: Michael Fleshman)

21.07.13 - In über 100 US-amerikanischen Städten kam es gestern zur Demonstrationen gegen die rassistische Unterdrückung in den USA. Konkreter Anlass ist der Freispruch für den Todesschützen George Zimmerman. Als Mitglied einer Bürgerwehr hatte er den unbewaffneten farbigen 17-Jährigen Martin Trayvon am 26. Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen. Ein Geschworenengericht glaubte seiner Version, dass nur in Notwehr gehandelt habe. Demonstriert wurde unter anderem in New York, Washington, Chicago, Detroit, Dallas und Los Angeles.

An allen Demonstrationen nahmen auch weiße Amerikaner oder solche mit lateinamerikanischen Wurzeln teil. Viele hatten Schokoriegel und Eistee bei sich. Das waren die „Waffen“, die Martin Trayvon am Abend seines Todes bei sich hatte. Viele trugen Kapuzenjacken, wie Martin an seinem letzten Abend.

Die Mutter des getöteten Teenagers, Sybrina Fulton, und sein Bruder Jahvaris Fulton nahmen an den Protesten in New York teil. Vater Tracy Martin in Miami. Auch bekannte farbige Künstler, wie die Sängerin Beyoncé und Rapper Jay-Z reihten sich in die Demonstrationen ein.

Der Freispruch brachte das Faß zum Überlaufen. Schon vorher sahen in einer viel beachteten Umfrage knapp 90 Prozent der Schwarzen eine Diskriminierung von Afroamerikanern, 46 Prozent von ihnen sogar "eine Menge" davon in den USA. 2009 war die Zahl schwarzer Männer die im Gefängnis saßensechs mal höher als die der Weißen; bei den Frauen war sie 3,6 Mal so hoch. Von den 46,2 Millionen Amerikanern, die 2010 in Armut lebten, waren 27,4 Prozent schwarz – jedoch nur 9,9 Prozent Weiße. Nicht weil sie krimineller sind, wissen Menschenrechtler, sondern weil sie ärmer sind und weit überproportional kontrolliert, verfolgt und verurteilt werden.

In den Medien werden die Proteste relativ gleichgeschaltet auf einige Tausend heruntergespielt. Addiert man die Teilnehmer der einzelnen Städte kommt man eher auf Zahlen von 20.000 bis 50.000 Demonstranten. Bereits in den Tagen vorher gab es immer wieder Demonstrationen. 600.000 Menschen haben eine Petition für ein Wiederaufnahmeverfahren unterzeichnet.

US-Präsident Barack Obama wirft sein Ansehen in die Waagschale, um dämpfend Einfluss zu nehmen. Trotz „großem Verständnis für die Wut vieler Afroamerikanern“ mahnt er zur Ruhe. „Gewalt würde Martins Tod entehren“, sagte er. Natürlich kann sinnlose, individuelle Gewalt nichts an den zugrunde liegenden Problemen lösen. Aber nur revolutionäre Gewalt kann sie letztlich lösen. Darüber gibt es auch in der schwarzen Bewegung seit über 40 Jahren Diskussionen.

Einer der Hauptorganisatoren der aktuellen Proteste war die Bürgerrechtsbewegung National Action Network (NAN). Die NAN wurde 1991 gegründet und sieht sich in der Tradition des 1968 ermordeten Dr. Martin Luther King Junior. Kurz nach dem Mord 1968 nahm auch Mao Zedong, chinesischer Marxist-Leninist und größter Revolutionär seiner Zeit, dazu Stellung:

„Vor kurzem ist der afro-amerikanische Pfarrer Martin Luther King plötzlich einem Attentat der USA-Imperialisten zum Opfer gefallen. Martin Luther King war ein Anhänger der Doktrin vom gewaltlosen Widerstand. Die USA-Imperialisten haben ihn jedoch deswegen keinesfalls geduldet, sondern konterrevolutionäre Gewalt gegen ihn gebraucht und ihn kaltblütig ermordet. Dies ist für die breiten Massen der schwarzen Bevölkerung in den USA eine gründliche Lehre (…)

Die Rassendiskriminierung in den USA ist ein Produkt des Systems von Kolonialismus und Imperialismus. Der Widerspruch zwischen den breiten Massen der schwarzen Bevölkerung der USA und den herrschenden Kreisen der USA ist ein Klassenwiderspruch. Die Afro-Amerikaner können erst dann ihre endgültige Befreiung erringen, wenn die reaktionäre Herrschaft der USA-Monopolkapitalisten gestürzt und das System des Kolonialismus und Imperialismus zerschmettert ist. Die breiten Massen der schwarzen Bevölkerung der USA und die breiten Massen der Werktätigen unter den Weißen der USA haben gemeinsame Interessen und ein gemeinsames Kampfziel. Daher findet der Kampf der Afro-Amerikaner bei immer mehr Werktätigen und fortschrittlichen Menschen unter der weißen Rasse der USA Sympathie und Unterstützung. Der Kampf der Afro-Amerikaner wird sicherlich mit der Arbeiterbewegung der USA verschmelzen und schließlich der verbrecherischen Herrschaft der USA-Monopolkapitalisten ein Ende setzen.“

Auch heute ist die Arbeiterklasse in den USA sehr stark schwarz, asiatisch oder lateinamerikanischer Herkunft. Gerade die Afro-Amerikaner verloren in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise ihre Arbeitsplätze in der Industrie. Sie mussten die stärksten Einkommensverluste aller Bevölkerungsgruppen in den USA erleben. So wie in der einstigen Autostadt Detroit, wo 85 Prozent der Einwohner Afro-Amerikaner sind.