Wirtschaft

Traumschiffe auf falschem Kurs

Traumschiffe auf falschem Kurs
Für den Bau von Luxusschiffen auf der Mayer-Werft in Papenburg müssen Leiharbeiter im Akkord schuften. Zwei von ihnen sind nun tot foto: Christian Brinkmann/satermedia.de

24.07.2013 - Am 13. Juli sind in Papenburg zwei rumänische Arbeiter im Alter von 32 und 45 Jahren bei einem Hausbrand erstickt. Die sogenannten Werkvertrags-Arbeiter hatten als Schweißer in der „Traumschifffabrik“ gearbeitet, wie sich die Meyer-Werft in Papenburg als Weltmarktführer beim Bau von Kreuzfahrtschiffen gern selbst bezeichnet. Ihr Tod wirft ein Schlaglicht auf die extreme Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in den Großbetrieben Deutschlands.

Die genaue Ursache des Brands in dem Einfamilienhaus soll sich nicht mehr klären lassen. Nach den Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hätten aber die „Wohnverhältnisse“ in dem Haus nichts mit dem Brand zu tun. Nach den offiziellen Zahlen der Stadt Papenburg hatte das Einfamilienhaus eine Wohnfläche von 193,29 Quadratmeter. Ebenso offiziell waren bei der Stadt zum Zeitpunkt des Brands 30 Personen als Bewohner gemeldet. Das sind jeweils 6,4 Quadratmeter pro Bewohner, alles Werkvertrags-Arbeiter der Meyer-Werft. Offensichtlich wurde wie auf der Meyer-Werft in Schichten rund um die Uhr gearbeitet. Dementsprechend wurde auch in dem Haus gelebt und geschlafen.

Die Bürokratie der Stadt sah jahrelang angesichts ihrer eignen Zahlen keinen Grund zum Handeln. Ein Skandal für sich ist nun die Behauptung, diese sogenannten Wohnverhältnisse hätten nichts mit den Tod der Arbeiter zu tun, und die beiden Todesopfer seien nach der Nachtschicht, so bürgerliche Medien, betrunken gewesen, dass sie sich nicht mehr ins Freie hätten flüchten können.

„Seit drei Jahren werden immer mehr Werkverträgler statt Leiharbeiter eingestellt“, berichtet der Betriebsrat der Meyer-Werft. Zur Zeit seien es 1.500. Für den Tod der zwei Rumänen wie für die Arbeits- und Lebensbedingungen der Werkverträgler lehnt der Besitzer wie die Geschäftsführung jede Verantwortung ab. Weil sie nicht bei der Werft angestellt, sondern über ein komplizierten Geflecht von Sub-Betrieben angestellt und vermittelt seien. So wie bei den Todesopfer bei der rumänischen Firma Bordo Mavi und der Emdener Sahinler Personal-Leasing GmbH (SDS). Beide Firmen haben übrigens den gleichen Geschäftsführer, und zumindest in Rumänien wechselt die Firma regelmäßig ihren Namen.

Laut dem Geschäftsführer der Meyer-Werft, Kruse, würden die Werksverträgler „ordentlich“ bezahlt: „Ihr Nettolohn betrug 1.800 Euro im Monat“. Dabei erwähnt er nicht, dass sie dafür an sechs Tagen in der Woche jeweils zwölf Stunden arbeiten mussten, der Stundenlohn also nur rund 6,25 Euro beträgt. Zudem zahlt die Meyer-Werft den Lohn nicht an die Arbeiter aus, sondern an die Personal-Leasing GmbH (SDS), so dass bei den Arbeitern meist nur ein Stundenlohn zwischen 3 bis 3,50 Euro ankommt. Wie viele Werkverträgler inzwischen in der BRD arbeiten, wird von keiner Behörde erfasst. Nach Schätzung der Gewerkschaft NGG sind es allein im Oldenburger Münsterland rund 10.000, die vor allem in den Schlachthöfen aber auch Werften eingesetzt sind. Die MLPD tritt für einen Mindestlohn von derzeit 10 Euro ein und für eine massive Einschränkung der Leiharbeit.

 „Wenn die Gerüchte stimmen, bin ich entsetzt“, heuchelt Bernhard Meyer, Besitzer der Werft und einer der reichsten Unternehmer Deutschlands. Dabei nutzt er die Rechtlosigkeit der Werkverträgler zur Profitsteigerung rigoros aus. Wer sich beschwert fliegt von Heute auf jetzt. So wurden vor etwa drei Wochen 60 rumänische und bulgarische Arbeiter kurzerhand vom Gelände der Werft verwiesen. Die MLPD steht in ihrem Wahlkampf dafür, dass die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung vom Erdball verwiesen wird.