Wirtschaft

„Chaostage“ bei Siemens – zweite Auflage

„Chaostage“ bei Siemens – zweite Auflage
Peter Löscher foto: Chris Grabert

29.07.2013 - Die ersten „Chaostage“ bei Siemens 2007 sind bei manchen noch in bleibender Erinnerung. Wegen riesiger Korruptionsfälle mussten damals der Vorstandschef Kleinfeld und der Aufsichtsratschef von Pierer, ein enger Berater von Kanzlerin Merkel, gehen. Die derzeitigen „Chaostage“ bei Siemens, als einem der größten internationalen Übermonopole in Deutschland, sind nicht weniger brisant.

Der Vorstandschef Löscher, 2007 von Aufsichtsratschef Cromme als „Saubermann“ in den Sessel gehoben, soll am Mittwoch gehen, wenn der Aufsichtsrat in München tagt. Als Grund für den plötzlichen Rausschmiss von Löscher werden mehrere nach unten korrigierte „Gewinnerwartungen“ genannt. Soll das tatsächlich beim internationalen Übermonopol Siemens – 370.000 Mitarbeiter (2012), 2010 waren es noch 405.000, Werke in 190 Ländern, 125 Standorte in Deutschland – alles sein? Sicher nicht, denn tatsächlich ist Siemens dramatisch gegenüber der internationalen Konkurrenz zurückgefallen. 1995 fand sich Siemens noch auf dem Rang 17 der 500 größten internationalen Monopole der Welt, heute steht es auf Rang 47. Die Ausbeutung der hundertausenden Arbeiter und Angestellten bei Siemens über die Maßen zu steigern – daran ist Löscher gescheitert.

So stand er wie kein anderer für das Krisenprogramm "Siemens 2014", mit dem offiziell bis zu 10.000 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Inoffiziell stehen konzernweit bis zu 40.000 Jobs auf dem Spiel. Entsprechend brodelt es in der Belegschaft. Diese wehrt sich gegen das Schanddiktat der Konzernleitung. Die Kollegenzeitung "Elektro Power - Von und für Kolleginnen und Kollegen im Siemens-Konzernverbund" vom 10. April  schreibt dazu folgendes: "Siemens 2014 ist ein Angriff auf die Zukunft der Jugend. Wo sollen sie Arbeit finden, zu welchen Bedingungen? In Konstanz protestieren die Siemens-Azubis, weil 70 Prozent von ihnen nicht übernommen werden sollen. Junge Leiharbeiter werden "lautlos" abgebaut, tauchen in keiner Siemens-Statistik auf. ... Zehntausende haben am Aktionstag den Kampf der Bochumer Opelaner um ihre Arbeitsplätze unterstützt. Eine Ermutigung für alle, konsequent für ihre Interessen einzutreten. Allein sind wir nichts - gemeinsam sind wir stark!"

Löscher muss unter anderem gehen, weil er dieses Programm nicht gegen die Massen der Arbeiter und Angestellten durchdrücken konnte!

Außerdem scheint ein Machtkampf mit Aufsichtsratschef Cromme entbrannt zu sein. Cromme wiederum ist manchen noch in Erinnerung als er 1987 als Vorsitzender des Vorstands bei Krupp von den streikenden Stahlarbeitern von Rheinhausen ausgepfiffen wurde. Vor kurzem hat der "arme Mann" seinen Aufsichtsratschefsessel bei ThyssenKruppSteel (TKS) verloren. Nachfolger von Löscher soll der bisherige Finanzvorstand von Siemens, Joe Kaeser werden.

Das Personalkarussel hat bei Siemens also mächtig fahrt aufgenommen, es dreht sich so schnell, dass die Tagesordnung für Mittwoch am Sonntag erweitert werden musste. Der "Neue", Joe Kaeser, hat auch schon die Stoßrichtung für die Zukunft vorgegeben: „Es reicht nicht nur zu sparen, man muss der Belegschaft auch sagen, wo die künftigen Wachstumschancen und -märkte liegen“. Das wird kaum überzeugen.

Das ganze kapitalistische Ausbeutungssystem, dessen aktiver Träger Siemens ist, ist ein einziges Chaos. Die MLPD und ihr Wahlkampf ist geradezu das Kontrastprogramm dazu. Sie steht für Konzernzusammenarbeit der Belegschaften. Ihre Betriebsgruppen arbeiten erfolgreich unter den Kollegen, vermitteln das nötige Know-How, das gebraucht wird, damit die Kollegen auch über Konzerngrenzen hinaus kämpfen und gewinnen können. Nicht ein neuer Vorstandschef bei Siemens ist der Weg aus der Misere, sondern der echte Sozialismus, der endgültig Schluss macht mit dem Ausbeutersystem und seinen Trägern.