Politik

U3-Betreuung – auf Kosten der Kinder und der Erzieherinnen

U3-Betreuung – auf Kosten der Kinder und der Erzieherinnen
Die Situation in den deutschen Kindertagesstäten wird sich in Zukunft zuspitzen foto: KJohansson

31.07.2013 - Mit dem 1. August tritt der sogenannte Rechtsanspruch auf U3-Betreuung (Kinder über einem und unter drei Jahren) in Kraft. Die Meldungen der verschiedenen Landesregierungen und Kommunen, dass der Anspruch gewährleistet werden kann, sind sehr fragwürdig untermauert. Die Berechnungen gehen davon aus, dass nur für 33 Prozent dieser Kinder ein Betreuungsplatz gesucht wird. „Erfolge“ werden gemeldet, wenn das im Landesdurchschnitt geschafft werden kann. Tatsächlich wird die Nachfrage in Großstädten auf bis zu 60 Prozent geschätzt – mit steigender Tendenz!

Bundesweit sollen jetzt rund 30 Prozent der Betreuungsplätze durch Tagesmütter abgedeckt werden. Das ist für die Länder und Kommunen billiger als Investitionen in Kindertagesstätten und Ausbildung und Einstellung von Erzieherinnen. Entsprechend vertritt (nicht nur) die Nordrhein-Westfälische Landesregierung: „Kita-Platz und Tagesmutter sind gleichwertig.“ („WAZ“, 27.07.13) Sorgen macht ihr da ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, nachdem Eltern auf Kita-Platz statt Tagesmutter bestehen können.

Diese Eltern haben gute Gründe: Tagesmütter müssen eine 160-Stunden-Grundqualifizierung vorweisen und können bis zu fünf Kinder bei sich zu Hause betreuen. Erzieherinnen haben drei Jahre Berufsausbildung, Fortbildungen und die Möglichkeit der Beratung unter den Kolleginnen und Kollegen. Keine noch so engagierte Tagesmutter kann die kollektive Erziehung einer gut ausgestatteten Kindertagesstätte ersetzen.

Die Ausstattung der Kindertagestätten ist allerdings oft alles andere als gut. In Nordrhein-Westfalen wurde die Zahl der fachlich qualifizierten Erzieherinnen pro Kind schon durch das „Kinderbildungsgesetz“ (KiBiz) gedrückt (§ 19 - eine Fachkraft für zehn Kinder). Die Erzieherinnen sollen „sensibel und einfühlsam mit den Kindern umgehen und auf ihre individuellen Bedürfnisse, Interessen und Entwicklungsvoraussetzungen eingehen, entwicklungsangemessene Materialien auswählen und bereit stellen, Impulse für selbstgesteuertes Lernen und Anregungen in verschiedenen Entwicklungs- bzw. Bildungsbereichen geben“ (Expertise von Der Paritätische, Diakonie, GEW, August 2009). Und dieser Anspruch soll jetzt gewährleistet werden von zwei Erzieherinnen gegenüber 20 Kindern, von denen bis zu sechs unter drei Jahren sind! Für die Übergangszeit 2013/14 sind in NRW „als Ausnahme“ sogar zwei Kinder mehr und damit ein Verhältnis von Fachkraft zu Kindern von 1:11 vorgesehen.

Der riesige Einsatz, den Erzieherinnen hier freiwillig bringen und der praktische Idealismus - auch der Eltern - werden hier von den Monopolpolitikern schamlos ausgenutzt. Durch den immensen Druck, den die Herrschenden mit diesen Maßnahmen erzeugen, sind bei den Betroffenen auf Dauer psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Bourn out auf Dauer vorprogrammiert - so dieser nicht schon beim bisherigen Arbeitsaufwand eingetreten ist. "Die Arbeitsbedingungen für uns Erzieherinnen sind jetzt schon eine Zumutung. Mit den größeren Gruppen und kleineren Kindern wird das vollends unlösbar,“ berichtete eine Erzieherin und aktive ver.di-Frau aus Gelsenkirchen. „Und keiner macht sich Gedanken darüber, wie die Mütter unter den Erzieherinnen das lösen. Ich habe eine Kollegin von auswärts, die bringt ihre zwei kleinen Kinder morgens in die Kita vor Ort und kommt dann zur Arbeit. Das funktioniert aber nur so lange, bis das erste Kind morgens in die Schule muss. Dann kann sie die Arbeitszeiten bei uns nicht mehr erfüllen. Das ist auch in der Gewerkschaftsarbeit ein Thema.“

Die MLPD dagegen steht „Für die Zukunft der Jugend!“ und unterstützt die Forderungen der Eltern nach wohnortnaher qualifizierter Betreuung und Förderung der Kinder in ganztägigen Kindertagesstätten und fordert konkret: Kostenloses und einheitliches Schulsystem vom Kindergarten bis zu Hochschule! Wohnortnahe Ganztagsschulen mit kostenloser Verpflegung! Dabei sagt die MLPD klar, dass auch mit solchen Reformen die Probleme nicht gelöst werden können. Die Befreiung der Frau von der kapitalistischen Ausbeutung wie von der bürgerlichen Familienordnung, die die Verantwortung für die Lebensführung und den Nachwuchs auf die Familien und vor allem die Frauen abwälzt, erfordert die revolutionäre Umwälzung des Kapitalismus und die sozialistische Gesellschaft. Wer also eine sozialistische Gesellschaft will, die der Jugend eine Zukunft bietet und die nicht die Profit- und Ausbeutungsinteressen in den Mittelpunkt der Frauen-, Familien- und Kinderpolitik stellt, ist bei der MLPD genau richtig.