Betrieb und Gewerkschaft

2,5-stündige Protestversammlung bei Bosch Rexroth in Witten

Witten (Korrespondenz), 06.08.13: Am Donnerstag, den 01.08.2013 kamen ca. 30 wütende Arbeiter in die gerade stattfindende Sitzung des Betriebsrats. Sie wollten eine Erklärung, wie der Betriebsrat dazu steht, dass Bosch Rexroth ihnen die 3,4 Prozent tarifliche Lohnerhöhung – die ihnen mit der Juli-Abrechnung zusteht – von der freiwilligen übertariflichen Zulage abzieht. Schnell war klar, dass der Betriebsrat zwar informiert ist, aber dem nicht zugestimmt hatte. Die Geschäftsleitung ist der richtige Adressat des Protests. Ohne Umschweife wurde sie ins Betriebsratsbüro zitiert.

Inzwischen sprach sich das im Betrieb herum und es kamen immer mehr Arbeiter. Das Büro platzte aus allen Nähten und so versammelten sich die Arbeiter auf dem Hof. Inzwischen waren über 70 Leute anwesend. Die Werkleiter Herr Brand und Personalchef Herr Mundt trauten ihren Augen nicht. Es zeigte sich: Die Anrechnung der tariflichen Lohnerhöhung war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit 10 Jahren gibt es nur Abbau und Verzicht: Leih- und Zeitarbeiter wurden auf die Straße gesetzt, keine unbefristete Übernahme von Azubis, Verzicht des Überstundenzuschlags bei der 8. Stunde, Erhöhung der Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit, Wegfall von Schichten, immer mehr Schichten ohne bezahlte Pausen, zunehmender Arbeitsdruck, Flexibilisierung usw. usf.

Über 2,5 Stunden dauerte die Protestversammlung und es gelang den sichtlich überraschten Herren nicht, die Arbeiter zu beruhigen, geschweige denn sie für ihre Verzichtspolitik zu gewinnen. Zwar konnte die Rücknahme der Anrechnung noch nicht erreicht werden, aber der Betriebsrat wurde beauftragt, die Verhandlungen im Sinne der Anliegen der Arbeiter sofort zu führen.